ORF-Sparmaßnahmen „nicht auf Kosten der Unabhängigkeit der Redaktion“
Zusammenlegung von Landesdirektion und Landes-Chefredaktion stößt auf Kritik des ORF-Redaktionsrates. Fusioniertes Amt hätte enorme Machtfülle.
Die Überlegungen des designierten ORF-Generaldirektors Clemens Pig zu weitreichenden Einsparungen stoßen auf Kritik. Pig erwägt, wie berichtet, bei Führungspositionen massiv einzusparen. So sollen etwa Landesdirektorinnen und Landesdirektoren künftig in Personalunion auch die Chefredaktion des jeweiligen Landesstudios übernehmen. So könnte man neun Stellen einsparen. Pig bestätigte die Überlegungen, diese sollen jedoch auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden.
Ein Problem könnten dabei Unvereinbarkeiten mit dem Redaktionsstatut des ORF sein. Das Statut trennt grundsätzlich Geschäftsführung von redaktionellen Entscheidungen. Eine Fusion von Landesdirektion und Chefredaktion „geht nicht“, sagt Dieter Bornemann, Vorsitzender des ORF-Redaktionsrates. Bornemann sieht angesichts der von der Bundesregierung vorgegebenen Einsparung von rund 93 Millionen Euro ab dem kommenden Jahr ebenfalls die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen. „Das kann jedoch nicht auf Kosten der Unabhängigkeit der Redaktion erfolgen“, so Bornemann.
Mit dem ORF-Ethikkontext unvereinbar?
Auch der ORF-Ethikkodex könnte einer solchen Konstruktion entgegenstehen. Er verlangt ausdrücklich, bereits den Anschein einer Unvereinbarkeit oder Befangenheit zu vermeiden. Genau dieser könnte entstehen, wenn betriebliche Leitung und journalistische Letztverantwortung eines Landesstudios in einer Hand liegen.

Welche Posten noch eingespart werden könnten
Neben den Landesstudios stehen noch zahlreiche weitere Sparmaßnahmen zur Diskussion. Dazu zählen Einsparungen bei Hauptabteilungsleiterposten: So könnte etwa auf die Nachbesetzung der Leitung von Ö1 verzichtet werden. Auch der Posten des Unterhaltungschefs im Fernsehen steht dem Vernehmen nach zur Disposition. Diskutiert wird zudem die Wiedereingliederung von Tochtergesellschaften wie ORF III und ORF Online in das Mutterhaus. Zwar könnten dadurch Doppelstrukturen und Führungspositionen wegfallen, Insider warnen jedoch vor möglichen Mehrkosten, weil in den Tochtergesellschaften derzeit teilweise niedrigere Gehälter bezahlt werden.
Umbauten zeichnen sich auch im Newsroom ab, wo derzeit drei Chefredaktionen mit jeweils einer Stellvertretung bestehen. Diskutiert werden sowohl ein zentraler Chefredakteur beziehungsweise eine zentrale Chefredakteurin mit drei bis vier Stellvertretungen als auch zwei Chefredaktionen mit jeweils einer Stellvertretung.
Clemens Pig, der designierte neue Generaldirektor des ORF, tritt sein Amt mit 2027 an, ist aber bereits jetzt in die Planungen für das Sparbudget 2027 involviert.
