Die radikalen Pläne des neuen ORF-Chefs
Clemens Pig prüft als designierter ORF-Generaldirektor eine Zusammenlegung von Landesdirektion und Landes-Chefredaktion. Auch bei der Führung von Hauptabteilungen wie Ö1 könnte gespart werden.

Clemens Pig, der designierte neue Generaldirektor des ORF, tritt sein Amt mit 1. Jänner 2027 an. Dennoch ist er bereits mit einer größeren Umstrukturierung der ORF-Strukturen beschäftigt. Hintergrund ist der Plan der Bundesregierung, dass der ORF ab kommendem Jahr 93 Millionen Euro zusätzlich einsparen muss. Das sind rund acht Prozent des ORF-Budgets.
Die Überlegungen schrecken dabei nicht vor unbequemen Maßnahmen zurück. So denkt Pig nach Informationen der Kleinen Zeitung daran, vor allem bei Führungspositionen massiv einzusparen. Eine Überlegung, die ORF-intern kolportiert wird, ist die Zusammenlegung der Positionen von Landesdirektor beziehungsweise Landesdirektorin und Chefredaktion des jeweiligen Landesstudios. Statt zwei Führungskräften soll es nur mehr eine geben. In mehreren Bundesländern stehen offenbar Pensionierungen an, was sich als Probeballon für eine Zusammenlegung eignen würde.
Das könnte jedoch wegen der Machtfülle einer solchen Position für Probleme sorgen. Der Landesdirektor wäre dann mit erheblicher alleiniger Entscheidungsgewalt ausgestattet und müsste sowohl Vermarktung als auch Redaktion leiten – was vor allem in öffentlich-rechtlichen Strukturen als Sakrileg gilt. Insider sprechen von „totaler Macht“. Es stellen sich hier auch Fragen hinsichtlich des verbindlichen ORF-Redakteursstatuts und des Ethikkodex des ORF, die klare Trennlinien zwischen redaktionellen und wirtschaftlichen Interessen vorsehen.
„Massiver Handlungsbedarf“
Clemens Pig bestätigt auf Anfrage diese Überlegungen. „Der ORF hat massiven finanziellen Handlungsbedarf. Wir stehen vor einem echten Umbruch.“ sagt Pig. Dass es in diesem Zusammenhang noch viele zu klärende Fragen gebe, sei klar. Daher befinde man sich nun in einer Phase, in der viele Ideen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft würden.
Weiters auf der Liste stehen auch Einsparungen bei Hauptabteilungsleiter-Posten. So könnte, wie im ORF zu hören ist, auf die Nachbesetzung der Leitung von Ö1 verzichtet werden. Diese symbolträchtige Position sei durch die Auslagerung weiter Teile von Ö1 ohnehin geschwächt. Auch der Posten des Unterhaltungschefs im TV könnte den Einsparungen zum Opfer fallen.
Ein großer Punkt, der momentan debattiert wird, ist auch die Wiedereingliederung von Tochterunternehmen, darunter etwa ORF III. Auch ORF Online ist derzeit in einer eigenen Gesellschaft organisiert. Hier warnen Insider allerdings vor hohen Kosten, die dadurch entstehen könnten, dass in den Tochterunternehmen durchwegs geringere Gehälter bezahlt werden als im Mutterhaus ORF. Zwar würde man einige Doppelpositionen einsparen, ob unterm Strich allerdings tatsächlich eine Einsparung herauskommt, ist offen.
Die Chefposten im Newsroom
Weitere Überlegungen gibt es auch für den Newsroom des ORF. In diesem werken derzeit drei Chefredaktionen mit jeweils einer Stellvertretung. Auch diese Zahl ist nicht in Stein gemeißelt. Dem Vernehmen nach gibt es die Variante eines zentralen Chefredakteurs beziehungsweise einer zentralen Chefredakteurin sowie drei bis vier Stellvertretungen oder zwei Chefredaktionen mit jeweils einer Stellvertretung. Dass im Newsroom umgebaut wird, scheint fix.
Ein weiterer Sparpunkt ist der Abbau von Doppelbesetzungen an der Spitze. Bei ORF III gab es etwa eine Doppelgeschäftsführung bis zur Abberufung Peter Schöbers, die noch die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher veranlasst hatte.
Geprüft wird auch die Zukunft der Magazine im Fernsehen. Da es auch künftig keine eigene Informationsdirektion geben soll und die Information direkt bei Generaldirektor Pig angesiedelt sein wird, wird überlegt, die Magazine organisatorisch dem Programmbereich zuzuordnen oder aufzuteilen.
Was von diesen Ideen nach einer von Pig angekündigten Machbarkeitsprüfung übrig bleibt, ist offen. Es sei klar, dass vieles noch geprüft werden müsse, sagt Pig der Kleinen Zeitung. Klar sei aber auch, dass in der Struktur gespart werden müsse. Wie und wo genau das sinnvoll möglich ist, soll die Prüfung zeigen.
