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Der Blick aus dem Arbeitszimmer, der die Erfindung der Fotografie markierte

Ein Tag, der die Welt veränderte: 1826 gelang es dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce erstmals, eine dauerhaft fixierte Fotografie zu erstellen. Erst eine Gelatine-Trockenplatte machte das Fotografieren zum Massenphänomen.

Der „Scharfschütze“: Auf der 1951 im Pariser Naturhistorischen Museum stattfindenden Fotoausstellung wurde dieses kuriose Gewehr von Daguerre gezeigt, das erfunden wurde, um Tauben im Flug zu fotografieren.
© TopFoto.co.uk
Der „Scharfschütze“: Auf der 1951 im Pariser Naturhistorischen Museum stattfindenden Fotoausstellung wurde dieses kuriose Gewehr von Daguerre gezeigt, das erfunden wurde, um Tauben im Flug zu fotografieren.
Christian Satorius

Vor 200 Jahren begann mit der ersten Fotografie ein ganz neues Zeitalter der Kreativität. Das Grundprinzip der sogenannten Camera obscura (lat. dunkle Kammer) war bereits in der Antike bekannt: Wenn Licht durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum fällt, erzeugt es auf der gegenüberliegenden Wand ein Bild. Das funktioniert sogar mit einem kleinen Holzkasten. Das Bild ist allerdings nicht von Dauer und muss jedes Mal von Neuem abgepaust werden. 

Im Jahr 1826 gelang es dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce, den Blick aus seinem Arbeitszimmer in Le Gras nicht nur auf eine mit Asphalt beschichtete Metallplatte zu bannen, sondern das Bild auch dauerhaft zu fixieren, sodass es unter Lichteinwirkung nicht verschwand. Der französische Maler Louis Daguerre half, die Qualität der Aufnahmen zu verbessern, und stellte das Verfahren nach dem Tod Niépces 1839 als Daguerreotypie der Öffentlichkeit vor. Erstmals war es möglich, Bilder in einer bisher nicht gekannten Naturtreue anzufertigen und dauerhaft zu erhalten.

Das erste Foto der Welt: „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“. Aufgenommen 1826
© IMAGO
Das erste Foto der Welt: „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“. Aufgenommen 1826

Fotografieren anfangs ziemlich gesundheitsschädlich

Auch wenn diese frühe Fotografie eine erstaunlich hohe Abbildungsqualität hatte, so gab es auch Nachteile. Zwar ließen sich die anfänglich langen Belichtungszeiten nicht zuletzt durch neue lichtstarke Objektive reduzieren, aber die Anfertigung der Bilder war aufwendig und gesundheitsschädlich, denn u. a. kamen Zyankali und Quecksilberdämpfe zum Einsatz. Zudem wogen die Kameras, Objektive und Stative viele Kilogramm. Dennoch verbreitete sich die Fotografie in Windeseile rund um die ganze Welt.

Ein Tag, der die Welt veränderte

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Ein Wendepunkt kam 1851, als der englische Bildhauer Frederick Scott Archer die Kollodium-Nassplatte vorstellte. Die Glasplatten, später auch Metallplatten (Ferrotypie), mussten direkt vor der Aufnahme beschichtet und im noch feuchten Zustand belichtet, entwickelt und fixiert werden. Dafür blieb ein Zeitfenster von lediglich ca. 10 bis 15 Minuten. Zudem war dafür eine Dunkelkammer erforderlich, was Aufnahmen in der freien Natur erschwerte. Dennoch überwogen die Vorteile und die Daguerreotypie wurde vom Markt verdrängt. 

Gelatine-Trockenplatte machte Fotografieren massentauglich

Der nächste Wendepunkt kam 1871: Der britische Arzt Richard Maddox stellte die Gelatine-Trockenplatte vor, die der Fotografie den ganz großen Massenmarkt eröffnete. Die Gelatine-Trockenplatte hatte nämlich den Vorteil, dass sie industriell hergestellt werden konnte und im Geschäft fertig beschichtet verkauft wurde. Man entnahm sie der Packung, belichtete sie, wann immer man wollte, und entwickelte sie auch erst dann, wenn man es für richtig hielt. 

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Camera obscura mit integriertem Spiegel und einer Mattscheibe als Zeichenhilfe
Camera obscura mit integriertem Spiegel und einer Mattscheibe als Zeichenhilfe © Imago

Durch die Erfindung der Fotografie wurde es möglich, nicht nur das Schöne im Leben festzuhalten, sondern auch Missstände zu dokumentieren und darauf hinzuweisen. Sie machte im 19. Jahrhundert einen Großteil der damaligen Portraitmaler und Schattenrisskünstler praktisch über Nacht arbeitslos oder trieb sie in die Umschulung zum Fotografen. Gleichzeitig konnten sich jetzt aber auch immer mehr Menschen ein Portrait von sich selbst leisten. In der Nachkriegszeit verdrängten asiatische Produkte viele der deutschen Hersteller nach und nach vom Markt. Gleichzeitig fotografierten immer mehr Menschen, da die Technik immer günstiger wurde. Neuerungen wie elektrische Belichtungsmesser, Belichtungsautomatiken, Sofortbildfotografie, die automatische Scharfstellung der Objektive und nicht zuletzt das Aufkommen der Digitalkameras vereinfachten das Fotografieren um ein Vielfaches.

Aber die nächste Technologie steht schon in den Startlöchern: die Künstliche Intelligenz. Inwieweit sie die Fotografie ergänzen oder ersetzen kann, wird sich noch zeigen. Auf der einen Seite hat die KI das Zeug dazu, die Bildherstellung zu revolutionieren, auf der anderen Seite sorgen sich Fotografen um ihre Urheberrechte, die zum Training der KI oft ungefragt genutzt wurden.  

Licht- und Schattenseiten der Fotografie

Durch die Erfindung der Fotografie wurde es möglich, nicht nur das Schöne im Leben festzuhalten, sondern auch Missstände und Unrecht zu dokumentieren und so die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen. Sie machte im 19. Jahrhundert einen Großteil der damaligen Portraitmaler und Schattenrisskünstler praktisch über Nacht arbeitslos oder trieb sie in die Umschulung zum Fotografen. Gleichzeitig konnten sich jetzt aber auch immer mehr Menschen ein Portrait von sich selbst leisten, da die Fotos mit der Zeit immer billiger wurden. In der Nachkriegszeit verdrängten asiatische Produkte viele der deutschen Hersteller nach und nach vom Markt. Gleichzeitig fotografierten immer mehr Menschen, da die Technik immer günstiger wurde. Aktuell stellt die KI wohl die größte Herausforderung dar. Auf der einen Seite hat sie das Zeug dazu, die Bildherstellung zu revolutionieren, auf der anderen Seite sorgen sich viele Fotografen um den Job und ihre Urheberrechte, die zum Training der KI oft ungefragt genutzt wurden.

Serie „Ein Tag, der die Welt veränderte“