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Rein slowenische Sonntagsmessen regen in Kärntner Gemeinde auf

Zell, die einwohnerärmste Gemeinde Kärntens, ist stark slowenisch geprägt. Rein slowenischsprachige Sonntagsmessen sorgen für Kritik, die auch den Bischof beschäftigt.

In Zell wird über die Gottesdienste viel diskutiert
© Markus Traussnig
In Zell wird über die Gottesdienste viel diskutiert
Marco-William Ninaus
Teamleiter Regionalredaktion Klagenfurt

In Zell ist es nicht einfach, Gesprächspartner zu finden. Nur 587 Personen leben in der Gemeinde südlich von Klagenfurt, angrenzend an das Nachbarland Slowenien. Entsprechend geprägt ist der Alltag in Zell. In der Theorie lebt man die Zweisprachigkeit, in der Realität sind Slowenischkenntnisse ein Muss. Vor allem sonntags.

Wer die Kirche in Zell-Pfarre betritt, wird kein deutsches Wort hören. Die klassische Sonntagsmesse findet in rein slowenischer Sprache statt, was in der Gemeinde für immer stärker werdende Kritik sorgt. Die deutschsprachige Minderheit würde aus dem Kirchen- und damit aus dem Gemeindeleben von Zell ausgeschlossen werden, lautet der Tenor der Kritik, die bis zum Bischof gelangt. Offen aussprechen traut sich das in Zell kaum jemand. Zu heikel sei das Thema, sagen Zellaner der Kleinen Zeitung.

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Mit 89 Prozent ist Zell die Gemeinde mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Kärntner Slowenen sind Zell. Der Wert bezieht sich auf die Volkszählung aus dem Jahr 2001
Mit 89 Prozent ist Zell die Gemeinde mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Kärntner Slowenen sind Zell. Der Wert bezieht sich auf die Volkszählung aus dem Jahr 2001 © Markus Traussnig

Priester ist „nur am Papier“ zuständig

Der für Zell zuständige Priester ist Provisor Elmar Antonius Augustin. „Am Papier“, macht er gleich klar, denn predigen tun sonntags andere. Zum Beispiel Aushilfsseelsorger David Kraner oder Geistliche, die den Weg aus Ljubljana ins Bergdorf auf sich nehmen, während sich Augustin noch auf St. Margareten und Glainach konzentriert. Auf die „Aushilfe“ in Zell ist er also angewiesen.

Seit 18 Jahren trägt Augustin die Verantwortung für Zell, forciert solange schon die Etablierung beider Sprachen. „Die, die möchten, bekommen meinen Segen auch auf Deutsch“, macht der in Klagenfurt aufgewachsene Sohn einer slowenischen Mutter klar. Viele seien es aber nicht, betont er.

Warum einigen eine zweisprachige Sonntagsmesse dennoch wichtig ist? Dafür reicht ein Blick auf die Entwicklung der Gemeinde. 2002 lebten noch über 700 Menschen in Zell. Die Einwohnerzahl sinkt, obwohl Millionen in eine neue Ortsdurchfahrt, in den Hochwasserschutz oder ein Sicherheitszentrum fließen und alles versucht wird, den Negativtrend zu stoppen. Die wenigen Familien, die doch ihre Zelte in Zell aufschlagen, sind „gemischt“: Nur auf einer Seite sind solide Slowenischkenntnisse verankert.

Bürgermeister Heribert Kulmesch wünscht sich eine vereinte Gemeinde, auch in der Kirche
© Lpd Kärnten/just
Bürgermeister Heribert Kulmesch wünscht sich eine vereinte Gemeinde, auch in der Kirche

Bürgermeister hofft auf „Öffnung“

Schließt man die rein deutsche Sprache aus, schließt man auch die neuen Bürger sowie potenzielle Neuankömmlinge aus, lautet die Meinung der Kritiker, die häufig bei Bürgermeister Heribert Kulmesch (SPÖ) gelandet ist. Ein Politikum möchte er daraus nicht machen, der Ist-Zustand helfe der Entwicklung seiner Gemeinde aber nur bedingt weiter. „Es wäre ein Zeichen der christlichen Haltung, die Kirche zu öffnen“, sagt Kulmesch. Doch woran würde es scheitern?

Druck mache vor allem der Pfarrgemeinderat, heißt es in Zell. Dieser würde versuchen, die verankerte slowenische Sprache, die etablierte Kultur und die Werte zu schützen. Obmann Martin Kelih dementiert. „Wir zwingen niemanden zu etwas“, sagt er. Auch die Diözese Gurk schätze die Verbundenheit der slowenischsprachigen Bevölkerung mit der Kirche. Sie sei „besonders stark und lebendig“, was am Sonntagsgottesdienst zu Geltung komme, sagt Andreas Lampichler, Leiter der Slowenischen Abteilung des Bischöflichen Seelsorgeamts.

„Es ist wichtig, den Dialog fortzusetzen und aktuelle Anlässe mit den Betroffenen vor Ort offen anzusprechen“, sagt Lampichler
© Kk/vincec Gotthardt, Nedelja
„Es ist wichtig, den Dialog fortzusetzen und aktuelle Anlässe mit den Betroffenen vor Ort offen anzusprechen“, sagt Lampichler

Einsprachige Messen in zweisprachigen Gemeinden möglich

Die Gestaltung der Messen orientiert sich an gewachsenen Traditionen und ihren Besuchern. Zudem verstoßen rein slowenischsprachige Messen gegen kein kirchliches Regulativ. Lampichler verweist auf Beschlüsse der Diözesansynode 1971/72, die einsprachige Feiern in zweisprachigen Pfarren bei „einem begründeten Wunsch“ ermöglicht.

Trotzdem habe die Pfarre den Auftrag, „alle Menschen vor Ort im Blick zu behalten“. Bereits stattgefundene Gespräche mit Bischof Josef Marketz räumten vereinzelt Probleme aus dem Weg. „Es ist wichtig, den Dialog fortzusetzen und aktuelle Anlässe mit den Betroffenen vor Ort offen anzusprechen“, sagt Lampichler. Die Verantwortung, etwas zu ändern, liege am Ende aber bei der Zeller Pfarre und dem Pfarrgemeinderat. Konkrete Vorschläge, die Zweisprachigkeit besser einzugliedern, liefert die Diözese nicht. Dafür verweist sie auf Marketz‘ Vorwort in „Gemeinsames Kärnten“: „Jene, die sich damit noch schwertun, möchte ich ermutigen, den Reichtum der kulturellen und sprachlichen Vielfalt zu entdecken und zu erspüren.“