Thomas Frühwirth: „Ehrenhaftes Verhalten sieht anders aus“
Handbiker Thomas Frühwirth wurde im WM-Straßenrennen auf Platz vier zurückgereiht. Der Steirer verstand die Entscheidung nicht.

Thomas Frühwirth versuchte es zwar immer wieder, sich beim Straßenrennen der WM aus der Spitzengruppe heraus abzusetzen, doch das gelang dem frischgebackenen Weltmeister im Zeitfahren nicht. So kam es in Huntsville im US-Bundesstaat Alabama zum Sprint um Gold, und da übernahm der Südoststeirer sogar die Initiative. „100 Meter vor dem Ziel wurde ich von einem Angriff von Fabian Recher überrascht.“ Frühwirth machte vorne liegend die Innenseite der Kurve zu, und es kam zu einer Berührung. „Natürlich suchte ich den kürzesten Weg zum Ziel. Durch die Berührung bin ich aus dem Rhythmus gekommen.“ Callum Russell (GBR) nutzte das und zog vorbei. Im Ziel wähnte sich der Steirer nur kurz als Zweiter. Denn es wurde Protest eingelegt. Dem wurde stattgegeben, und Frühwirth wurde auf Rang vier zurückgereiht.
Nicht nur, dass der Steirer das taktische Manöver der sprintstarken Athleten Recher (SUI) und des Franzosen Joseph Fritsch (FRA) nicht nachvollziehen konnte, bringt ihn auch die Entscheidung der UCI zum Grübeln. „Offenbar erwartet man, dass ich nicht die kürzeste Linie zum Ziel nehme, sondern noch in den Rückspiegel schaue, ob jemand innen überholen möchte, und diesem gegebenenfalls Platz mache. Eine interessante Auslegung eines Zielsprints.“ Der Athlet aus Edelsbach ergänzte: „Wenn man der richtigen Nation angehört und genügend Einfluss im Paracycling hat, dann geht anscheinend fast jeder Protest durch.“ Sein Ärger richtet sich aber nicht nur gegen den Verband, sondern auch gegen die Konkurrenz. „Ich finde es auch schade, wenn meine Mitstreiter andere Athleten für ihre eigenen Fehler verantwortlich machen und versuchen, am ‚grünen Tisch‘ zu gewinnen. Ehrenhaftes Verhalten sieht anders aus“, sagt er und fügt an: „Leider wird das auch hier immer seltener.“