Wespenstich: Kärntner fordert Notfall-Sets in Bädern und Gastgärten
Weil es nach Wespen- und Bienenstichen zu lebensbedrohlichen Situationen kommen kann, soll es an öffentlichen Orten Not-Pakete gegen allergische Schocks geben.
Er beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit Wespen, Hornissen, Hummeln und Bienen. Der Kärntner Friedrich Kach, alias „Insektenfritz“, hat sich auf die Umsiedelung von Wespen- und Hornissennestern spezialisiert und hat dafür sogar einen eigenen Gewerbeschein. „Ich habe beinahe 2000 Völker umgesiedelt – ohne Gift. Anstatt die Tiere zu töten habe ich ihnen das Weiterleben ermöglicht,“ sagt der ehemalige Feuerwehrmann, der in Ebenthal bei Klagenfurt lebt.
Mittlerweile ist er 71 Jahre alt. Bevor er heuer seine Tätigkeit als „Insektenfritz“ beendet, lässt er mit einer außergewöhnlichen Forderung aufhorchen: Weil es so viele Menschen gibt, die auf Wespen- und Bienenstiche allergisch reagieren, wünscht er sich eine flächendeckende Ausstattung von „Notfall-Paketen“ und „Anti-Allergie-Sets“ auf öffentlichen und viel frequentierten Plätzen ähnlich wie bei Defibrillatoren.
Nach Wespenstich gestorben
Pro Jahr werden in Österreich sieben Menschen durch Insektenstiche getötet, heißt es vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Erst Anfang August ist in Osttirol ein 57-jähriger Gemeindemitarbeiter vermutlich infolge eines Wespenstichs gestorben. Kach sagt: „Heuer gab es so viele tragische Fälle. Bei einer schweren allergischen Reaktion können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Wir haben heute an vielen öffentlichen Orten Defibrillatoren. Warum führen wir nicht zumindest eine ernsthafte medizinische und politische Diskussion darüber, ob ein ähnlicher Grundgedanke auch bei schweren allergischen Reaktionen möglich wäre?“ Kach plädiert für eine Art Allergienotfall-Set in Strandbädern, auf Campingplätzen, in großen Freizeitanlagen oder an anderen Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten.

„Mir ist bewusst, dass Adrenalin-Autoinjektoren und andere Medikamente rechtlichen, medizinischen und organisatorischen Voraussetzungen unterliegen. Genau deshalb wünsche ich mir, dass Allergologen, Notfallmediziner, Rettungsorganisationen und Politik gemeinsam darüber beraten, ob Notfallpakete möglich wären.“ Natürlich soll es nicht so sein, dass medizinische Laien wahllos Medikamente verabreichen, betont er. „Meine Vorstellung wäre vielmehr ein professionelles System: Bestimmte Mitarbeiter – beispielsweise Bademeister – könnten durch Rettungsorganisationen und medizinische Fachleute in der Erkennung und Erstversorgung einer schweren Anaphylaxie geschult werden. Gleichzeitig sollte medizinisch und rechtlich geprüft werden, welche Notfallmedikamente beziehungsweise Adrenalin-Autoinjektoren dort verfügbar sein könnten und unter welchen Voraussetzungen sie eingesetzt werden dürfen.“
Lebensbedrohlich
Seit Jahrzehnten sei ihm das ein Anliegen. Es gehe ihm dabei einfach um eine bessere Vorsorge, wenn bei einem Menschen plötzlich eine lebensbedrohliche allergische Reaktion eintritt. „Bevor ich als Inskektenfritz in Pension gehe, möchte ich noch einmal versuchen, mit einem Anliegen gehört zu werden“, meint er.
Das sagt das Rote Kreuz
Das Rote Kreuz Kärnten möchte die Idee nicht bewerten, „da viele Fragen dazu nicht geklärt sind“. In einer Stellungnahme der Rettungsorganisation heißt es: „Der angesprochene Vorschlag berührt verschiedene medizinische, rechtliche, organisatorische und auch finanzielle Fragestellungen – insbesondere im Hinblick auf die Vorhaltung und Anwendung von Notfallmedikamenten durch entsprechend geschulte Personen außerhalb des regulären Rettungsdienstes.“ Eine fundierte Beurteilung eines solchen Modells würde daher eine umfassende fachliche und rechtliche Prüfung voraussetzen. „Darüber hinaus wäre auch zu klären, wie ein solches System finanziert werden könnte und wer für die Kosten von Ausstattung, Schulung, Kontrolle aufkommen würde.“
Wichtige Erste Hilfe
Das Rote Kreuz betont erneut, wie wichtig es ist, dass Menschen mit einer bekannten schweren Allergie ihre ärztlich verordneten Notfallmedikamente – insbesondere einen Adrenalin-Autoinjektor (oft als EpiPen bekannt)– konsequent bei sich tragen und darauf achten, dass dieser im Ernstfall rasch verfügbar ist.
Bei einer schweren allergischen Reaktion gilt jedenfalls: unverzüglich den Notruf 144 verständigen und Erste Hilfe leisten.
Allergie
Im Notfall ist es jedenfalls wichtig, die Warnzeichen zu erkennen. Übliche Anzeichen für eine Allergie gegen Bienen- und Wespenstiche sind laut Kuratorium für Verkehrssicherheit: geschwollene Augen oder eine geschwollene Zunge. Hustenreiz und juckender Ausschlag am ganzen Körper können weitere Zeichen für allergische Reaktionen sein.
Heuer waren die Bedingungen optimal für Wespen, denn Hitze und Trockenheit begünstigen die Entwicklung von Wespenvölkern. Im Spätsommer und im Herbst sind die Wespenpopulationen am größten.