Wie steirische Ordnungshüter zu Mordopfern wurden
Hans Breitegger, langjähriger Kriminalreporter der Kleinen Zeitung, beleuchtet in seinem neuen Buch die Schicksale getöteter Gendarmen.

Eines war stets gewiss: Hans Breitegger war in seiner Funktion als Kriminalreporter manchmal schneller am Tatort als die Spurensicherung. Bestens in der Exekutive vernetzt, entging dem liebevoll „Bluat-Hansl“ genannten Reporter – und damit auch den Lesern der Kleinen Zeitung – kaum etwas. Bis hinunter zu den damaligen örtlichen Gendarmerieposten pflegte der Vollblutjournalist seine Kontakte. Genau diese „Schandis“ stehen nun im Zentrum seines neuen Buches.
Im Sommer 1850 trat der erste Gendarm in der Steiermark seinen Dienst an. „30 Jahre später wurde der erste Mord an einem Gendarmen in der Stubenbergklamm aktenkundig“, erzählt Breitegger. Damit beginnt in „Gendarmenmorde in der Steiermark seit 1880“ (Edition Keiper) eine lesenswerte Rekonstruktion aller Gräueltaten an den steirischen Ordnungshütern. Insgesamt 25 Fälle, die sich bis ins Jahr 2005 erstrecken, hat der 71-Jährige zusammengetragen.
True Crime aus der Steiermark
Breitegger beleuchtet damit eine bislang wenig beachtete, dunkle Seite der Gendarmerie. Die Idee zu dem Buch reifte bereits in den 2000er-Jahren. „Da wurden Gedenkstätten für ermordete Gendarmen renoviert oder neu errichtet“, erinnert er sich. Das war für ihn Anlass, seinen Kleine-Zeitung-Lesern schon damals die Schicksale einzelner Opfer näherzubringen. Nun liegt, frisch gedruckt, das Komplettwerk zu den steirischen True Crime-Geschichten vor. In Kapiteln wie „Mörderische Pferdediebe“, „Gendarmenmörder gehenkt“ oder „Todesschüsse am Herzogberg“ wird steirische Kriminalgeschichte aufgearbeitet.
Das Buch
Gendarmenmorde in der Steiermark seit 1880. Illustriertes Sachbuch von Hans Breitegger, Edition Keiper. 21 Euro. Erhältlich auf www.editionkeiper.at und im Buchhandel.

Tatzeugen und Angehörige interviewt
Für seine Recherche hat Breitegger nicht nur auf das Archiv der Polizei zurückgegriffen und Zeitungsarchive durchforstet. Besonderes Anliegen war ihm, persönliche Erinnerungen von Tatzeugen und pensionierten Gendarmen für jeden einzelnen Fall einfließen zu lassen. Das verleiht den dramatischen Vorfällen zusätzliche Tiefe. Auch Gespräche mit Angehörigen der Opfer hat der Judendorfer geführt. „Danke, dass Sie mit Ihrem Buch meinen Vater nicht vergessen lassen“, reagierte etwa ein Sohn eines ermorderten Gendarmen. Genau das schafft dieses Buch: Die Erinnerung an jeden einzelnen getöteten Ordnungshüter hoch zu halten.