Wie Gloria Steinem das Leben von Generationen von Frauen veränderte
US-amerikanische Autorin, Journalistin, Dozentin und Aktivistin: Gloria Steinem, Ikone der Frauenbewegung, starb mit 93 Jahren.

Sie führte ein Leben, das für mehrere gereicht hätte. Gloria Steinem war US-amerikanische Autorin, Journalistin, Dozentin und Aktivistin, die sich über fünf Jahrzehnte lang für die Gleichstellung der Geschlechter sowie für Bürger- und Reproduktionsrechte von Frauen einsetzte. Sie ist am Mittwoch im Alter von 92 Jahren umgeben „von einigen der vielen, die sie liebten“, gestorben. Das teilte ihre Stiftung auf Instagram mit. Ihr Leben und Wirken inspirierte Generationen von Frauen. Sie setzte sich etwa für die Legalisierung von Abtreibung oder die gleichgeschlechtliche Ehe ein. Ihr Aktivismus blieb deshalb nie ohne Gegenwind.
Kritik kam sowohl aus dem linken als auch aus dem rechten Spektrum. Steinem wurde wegen allem Möglichen, von ihrem Aussehen bis hin zu ihren Motiven, kritisiert. Einige behaupteten, sie sei zu glamourös, um eine echte Feministin zu sein, während andere meinten, ihr Erfolg beruhe allein auf ihrem Äußeren. Mit ihrem charakteristischen langen, blond gesträhnten Haar mit Mittelscheitel und ihrer Pilotenbrille war Steinem das glamouröse, hippe Symbol der Frauenbewegung und damit auch stets Angriffsfläche.
Harte Kindheit, ungewöhnlicher Durchbruch
Schon früh lernte Steinem, auf eigenen Beinen zu stehen. Aufgewachsen in einem Wohnwagen verließ ihr Vater die Familie, als sie zehn Jahre alt war. Ihre Mutter litt an psychischen Erkrankungen. Ein Grund, warum Steinem nie eigene Kinder wollte.
Der Durchbruch gelang ihr 1963 auf äußerst ungewöhnliche Art: Als Playboy-Bunny-Cocktailkellnerin enthüllte sie die schmutzige und sexistische Realität von Hugh Hefners Imperium. Das verhalf ihr zu großer Aufmerksamkeit. 1971 gründete sie gemeinsam mit den ehemaligen US-Abgeordneten Bella Abzug und Shirley Chisholm sowie der Schriftstellerin Betty Friedan, deren 1963 erschienenes Buch „The Feminine Mystique“ die zweite Welle des Feminismus einläutete, den „National Women‘s Political Caucus“. Steinem schrieb mehrere Bestseller und arbeitete als Journalistin für viele namhafte Publikationen, darunter „Esquire“ und „The New York Times“.
1972 gründete sie das feministische Magazin „Ms.“, ein Magazin, das bewusst ausschließlich von Frauen gegründet und geführt wurde. Eine Antithese zu den klassischen Frauenzeitschriften sowie dem männerdominierten Journalismus dieser Zeit. Im Jahr 2013 verlieh ihr der damalige Präsident Barack Obama die „Presidential Medal of Freedom“, die höchste zivile Auszeichnung der USA. 2021 erhielt sie einen der Prinzessin-von-Asturien-Preise, die als „die spanischen Nobelpreise“ gelten.
