Schwerer Elefanten-Unfall brachte diesen Priester nach Kärnten
Vor 30 Jahren wurde Lawrence Pinto in Kalkutta zum Priester geweiht. Dass er einmal nach Kärnten kommt und Dechant vom Krappfeld wird, hat auch mit einer Elefanten-Attacke zu tun.

Wir schreiben das Jahr 1996, in den USA wird Bill Clinton wieder zum Präsidenten gewählt, in Österreich findet die erste Regenbogenparade statt und in Kalkutta in Indien wird ein gewisser Lawrence Pinto nach seinem Studium in Rom zum Priester geweiht. 30 Jahre später ist der Inder mit portugiesischen Wurzeln Dechant vom Krappfeld. Doch wie kam Pinto eigentlich in das rund 7000 Kilometer entfernte Österreich?
Zu seinem Beruf kam Pinto eigentlich „wie die Jungfrau zum Kind“ und der Grund dafür war eigentlich Mutter Teresa. „Mutter Teresa war, nachdem sie den Friedensnobelpreis erhielt, in Indien sehr bekannt. Als ich 16 Jahre alt war, sagte etwas in mir, dass ich diese Frau kennenlernen möchte. Ich bin von zu Hause abgehauen und reiste allein nach Kalkutta, um Mutter Teresa zu finden.“ Und das hat Pinto auch geschafft. „Wie in den Filmen bin ich auf den Dächern von Zügen nach Kalkutta gereist. Ich war einfach jung und dumm.“
Mutter Teresa war es dann, die Pinto nahelegte, Priester zu werden. „Auf Empfehlung des Erzbischofs von Kalkutta und der Mutter wurde ich nach Rom zum Studium geschickt. In den Sommerferien habe ich in Österreich einen Deutschkurs belegt, da ich in einem Krankenhaus mitarbeiten wollte. Ich wollte nämlich auch etwas Praktisches lernen und durch Umwege kam ich nach Kärnten und machte ein Praktikum auf einem Bauernhof im Berg im Drautal“, erinnert sich Pinto. Danach beendete er sein Studium und ging zurück nach Indien. In Kalkutta wurde er zum Priester geweiht. „Mutter Teresa lag da schon im Sterbebett, aber ich erhielt noch ihren Segen.“ Danach arbeitete er als Missionar und hat zwei Schulen sowie drei Waisenhäuser mit Kirchen gebaut, die er auch heute noch besucht und unterstützt.
Der Unfall
„Die Elefanten bringen Glück“, sagt Pinto mit einem leichten Lächeln. Seine Missionarsarbeit brachte ihn auch in den Dschungel von Indien. „Ich war damals mit einem Motorrad im Dschungel unterwegs, als mich eine Horde Elefanten einkreiste. Mein Motorrad machte einem Kalb Angst und die Elefantenkuh hat mich und das Motorrad mit ihrem Rüssel erwischt und mich durch die Luft geschleudert. Ich landete in einem Busch und habe mich am Bein schwer verletzt. Die Bewohner des Dorfes, zu dem ich wollte, begannen nach mir zu suchen und haben mich versorgt. Doch durch die Verletzung konnte ich meine Missionarsarbeit nicht mehr durchführen.“ Freunde, die er während seines Praktikums in Berg im Drautal kennenlernte, haben ihn dann nach Kärnten geholt, damit sein Bein besser medizinisch behandelt werden konnte. „Im September 2007 kam ich endgültig nach Kärnten“, erinnert sich der Priester. Im Dschungel wäre der Priester laut eigenen Aussagen eher eine Belastung gewesen.

Wird es für den gebürtigen Inder jemals endgültig zurück nach Indien gehen? „Ich denke nicht. Zu Hause ist da, wo man sich heimisch fühlt. Ich wurde damals von Bischof Alois Schwarz gebeten, in Kärnten zu bleiben und wurde hier inkardiniert und in Indien exkardiniert. Meine Mission und die Kinder in Indien werden mittlerweile von einem Verein in Kärnten unterstützt. Ebenso reist der Verein oft nach Indien und sieht nach, ob die Hilfe wirklich ankommt. Und auch ich unterstütze, wo ich kann. Für mich war es immer wichtig, Kindern zu helfen und ihnen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.“
Kirche hat sich verändert
Nach 30 Jahren als Priester kann Pinto stolz auf sein Schaffen zurückblicken. Was den Geistlichen jedoch belastet: „In Indien kommen Hunderte von Menschen zu einer Messe. Es ist deprimierend, wenn hier an einem Sonntag vielleicht zehn Personen beim Gottesdienst sind. Doch ich bleibe optimistisch und hoffe, dass es bald wieder zu einem Aufschwung kommt. Ich versuche, auch die Leute bei den Messen zum Lachen zu bringen und sage: Ich bereue es nicht, wenn die Leute in der Kirche lachen, doch ich bereue es, wenn ich sie nicht zum Lachen bringe. Somit hoffe ich, dass sie mit ihren Angehörigen wieder zum Gottesdienst kommen. “
Dass Pinto selbst nie eine Familie gegründet hat, obwohl ihm Kinder wichtig sind, bereut er nicht. „Die Frage hat sich nie gestellt. Ich habe acht Geschwister. Zwei meiner Neffen sind auch Priester geworden. Einer möchte Theologie studieren. Er kommt mich nächstes Jahr besuchen, vielleicht schlägt er den gleichen Weg wie sein Onkel ein und bleibt hier in Kärnten“, sagt der 59-Jährige mit einem Lächeln.
2009 übernahm Pinto dann Aufgaben in der Pfarre Eberstein. Kurz darauf wurde er Stadtpfarrer von Althofen. 2023 übernahm er das Dekanat Krappfeld und ist derzeit für acht Pfarren zuständig. Doch wird es weitere kirchliche Stationen geben? „Das kann ich nicht entscheiden. Natürlich fallen Abschiede schwer, doch als Priester gehe ich da hin, wo ich gebraucht werde. Das ist die Aufgabe, die ich Gott versprochen habe.“
Doch was wäre der Geistliche eigentlich geworden, wenn das Leben nicht so gespielt hätte? „Ich denke, dann wäre ich heute ein Lehrer in Indien und hätte nicht mein 30-Jahr-Jubiläum feiern können.“