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30 Millionen Euro Wertschöpfung: So viel bringt die Bike Week

100.000 Besucherinnen und Besucher, 150.000 Nächtigungen und 30 Millionen Euro Wertschöpfung: Mit beeindruckenden Zahlen wird die Bedeutung der European Bike Week beschrieben. Wie diese Zahlen entstehen und welche Kosten ihnen gegenüber stehen.

Die Parade am Samstag stellt den Höhepunkt der Veranstaltungswoche dar
© KLZ/Pöcher
Die Parade am Samstag stellt den Höhepunkt der Veranstaltungswoche dar
Autorenbild Alexandra Pöcher
Regionalbüro Villach

30 Millionen Euro. So hoch soll die regionale Wertschöpfung der European Bike Week (EBW) sein. Dazu kommen 100.000 Besucherinnen und Besucher und 150.000 Nächtigungen in ganz Kärnten. Zahlen, die die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Motorradtreffens am Faaker See unterstreichen sollen. Doch wie belastbar sind sie tatsächlich? Eine Recherche zeigt: Hinter den vermeintlich exakten Zahlen stecken teilweise Hochrechnungen und Schätzungen.

Nehmen wir die Besucherinnen und Besucher: Rund 100.000 waren es laut Kärnten Werbung sowohl 2024 als auch 2025. Tatsächlich gezählt werden sie nicht. Die Zahl wird unter anderem mithilfe von Mobilfunkauswertungen und Nächtigungszahlen hochgerechnet. Ähnlich sieht es bei den Nächtigungen aus. Eine konkrete Zahl gibt es für den Raum Faaker See: Dort werden während der Bike Week rund 64.000 registriert. Für das übrige Kärnten wird auf Basis touristischer Erfahrungswerte auf insgesamt 150.000 hochgerechnet.

Wir schätzen konservativ 100.000 Besucher und 150.000 Nächtigungen in ganz Kärnten.

— Georg Overs, Geschäftsführer Region Villach – Faaker See – Ossiacher See
Georg Overs
© KLZ/Hphoto – Hannes Pacheiner
Georg Overs

Georg Overs, Geschäftsführer der Region Villach – Faaker See – Ossiacher See, hält selbst diese Zahl für „eher konservativ geschätzt“. Die Veranstaltung falle in eine touristisch schwierige Zeit: „Ohne die EBW würden wir wesentlich schlechter dastehen, da nur noch wenige Länder Schulferien haben.“ Wie viele der Nächtigungen ohne Bike Week tatsächlich ausbleiben würden, weiß man allerdings nicht. „Eine exakte Gegenrechnung für ein Szenario ohne European Bike Week wurde nicht erstellt“, sagt Klaus Ehrenbrandtner, Geschäftsführer der Kärnten Werbung. Man gehe aber davon aus, dass ein erheblicher Teil der Nachfrage ohne das Motorradtreffen fehlen würde.

Eine exakte Zählung aller Besucherinnen und Besucher ist aufgrund des frei zugänglichen Veranstaltungsformats nicht möglich.

— Klaus Ehrenbrandtner
Klaus Ehrenbrandtner
© KLZ/Johannes Puch
Klaus Ehrenbrandtner

Was hinter den 30 Millionen Euro steckt

Und dann sind da die 30 Millionen Euro Wertschöpfung. Die Kärnten Werbung errechnet sie aus den Ausgaben der Gäste etwa für Beherbergung, Gastronomie, Handel und Mobilität. Was in den 30 Millionen allerdings fehlt, sind die öffentlichen Aufwendungen. Ehrenbrandtner stellt klar: „Es handelt sich daher nicht um eine Netto-Kosten-Nutzen-Rechnung der öffentlichen Hand, sondern um die Darstellung des regionalwirtschaftlichen Effekts.“

Die European Bike Week zieht Jahr für Jahr Bikerinnen und Biker aus ganz Europa in die Region
© Helmuth Weichselbraun
Die European Bike Week zieht Jahr für Jahr Bikerinnen und Biker aus ganz Europa in die Region

Wie sieht die andere Seite der Rechnung also aus? Zumindest Finkenstein kann sie teilweise beantworten.

50.000 Euro für die Gemeinde

Rund 50.000 Euro kostet die Bike Week die Marktgemeinde jährlich. Darunter fallen Wirtschaftshof, Fahrzeuge, Reinigung öffentlicher Flächen, Beschilderungen, Verkehrsmaßnahmen, Parade und zusätzliche Infrastruktur. Der Personalaufwand der Veranstaltungsbehörde kommt noch dazu, lässt sich aber nicht gesondert darstellen. Ganz ohne Einnahmen bleibt Finkenstein nicht: Rund 20.000 Euro fließen aus der Vermietung gemeindeeigener Grundstücke, weitere 8500 Euro netto werden dem Tourismusverband für einen Teil des Wirtschaftshofaufwands verrechnet.

Die Marktgemeinde Finkenstein nimmt im Zusammenhang mit der Veranstaltung ihre Aufgaben als zuständige Veranstaltungsbehörde sowie ihre kommunalen Aufgaben im Bereich Infrastruktur, Verkehr und öffentlicher Raum wahr.

— Christian Poglitsch, Bürgermeister der Marktgemeinde Finkenstein
Christian Poglitsch
© KLZ/Tilli
Christian Poglitsch

Polizeieinsatz kostet extra

Auch die Polizei kann keine Gesamtkosten nennen. Ein Teil des Einsatzes rund um die EBW laufe im Regeldienst, Angaben zu Zahl der Kräfte und Einsatzstunden werden nicht veröffentlicht. Für die vorgeschriebene Bewachung der Veranstaltungsgelände wurden Harley-Davidson und Arneitz 2024 und 2025 jeweils rund 10.000 Euro verrechnet. Auf den Straßen zeigt sich die Dimension ebenfalls: Zwölf Verkehrsunfälle mit Personenschaden registrierte man 2024, 13 waren es im Jahr darauf. Die Zahl der Anzeigen sank hingegen deutlich von 1551 auf 925. Rund 550 Geschwindigkeitsübertretungen weniger wurden festgestellt.

„Für die Bevölkerung deutlich wahrnehmbar“

Überraschend niedrig fällt auch die Zahl der offiziellen Beschwerden aus. Bei der Gemeinde waren sie 2024 und 2025 jeweils „an einer Hand abzuzählen“, so Finkensteins Bürgermeister Christian Poglitsch (ÖVP), bei der Polizei gab es 2025 zwei Beschwerden explizit wegen lärmender Motorräder. Dass die Lärmbelastung dennoch ein Thema ist, räumt Poglitsch ein: „Eine Motorradveranstaltung dieser Größenordnung bleibt trotz aller Maßnahmen für die Bevölkerung deutlich wahrnehmbar.“

Gleichzeitig seien Verständnis und Toleranz insgesamt groß. In den vergangenen Jahren seien Musik- und Veranstaltungszeiten angepasst worden, in sensiblen Bereichen werde auf Beschallung verzichtet und die Zahl der Musikzelte reduziert.

Auch für viele Nicht-Biker ist die jährliche Parade Pflicht
© Dieter Kulmer
Auch für viele Nicht-Biker ist die jährliche Parade Pflicht

Unterm Strich bleibt damit eine Lücke: Dass Zehntausende Gäste in einer touristisch schwierigen Zeit in die Region kommen und Geld ausgeben, ist unbestritten. Eine Zahl für das, was zusätzlich in der Region bleibt, gibt es aber nicht. Wie viel die European Bike Week der Region nach Abzug der öffentlichen Aufwendungen tatsächlich bringt, lässt sich daher nicht beziffern.