Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Seit 30 Jahren zählt bei dieser Kärntner Tagesstätte das Miteinander

Mit einer Feier und der Verleihung des Villacher Stadtwappens wird das Jubiläum der inklusiven Tagesstätten „Vier Jahreszeiten“ gefeiert. An fünf Standorten wird 52 Klientinnen und Klienten Tagesstruktur geboten.

Drei Personen sitzen an einem gedeckten Tisch und essen gemeinsam
© Markus Andreas Traussnig
In den Tagesstätten wird gemeinsam gekocht und gegessen
Klaus Steiner
Regionalbüro Villach

Im Congress Center Villach kommen am heutigen Donnerstag, 3. September, Menschen zusammen, deren Alltag eng mit dem gemeinnützigen Verein „Vier Jahreszeiten“ verbunden ist. Klientinnen und Klienten, ihre Familien und Mitarbeitende feiern das 30-jährige Bestehen. Beim Festakt wird auch das Villacher Stadtwappen verliehen.

Begonnen hat alles mit der Sorge betroffener Eltern. Nach dem Ende der Schulpflicht fehlten für junge Menschen mit hohem Assistenzbedarf geeignete Tagesangebote im Raum Villach. Oft blieb nur die Betreuung zu Hause oder eine Unterbringung weit weg vom vertrauten Umfeld. Der ehemalige VSV-Obmann und spätere FPÖ-Stadtrat Walter Lang gründete aus persönlichen Gründen im Jahr 1996 den Verein: Für seinen Sohn Michael gab es keine sinnvolle Tagesbetreuung. Kurze Zeit später öffnete in einer Wohnung in Villach die erste Tagesstätte für sechs Frauen und Männer.

Walter Lang, Gründungsmitglied der „Vier Jahreszeiten“ war VSV-Obmann und Villacher Stadtrat für die FPÖ und hat einen Sohn mit Behinderung für den es 1996 keine sinnvolle Tagesbetreuung gab
© Helmuth Weichselbraun
Walter Lang, Gründungsmitglied der „Vier Jahreszeiten“ war VSV-Obmann und Villacher Stadtrat für die FPÖ und hat einen Sohn mit Behinderung für den es 1996 keine sinnvolle Tagesbetreuung gab

In Wernberg wurde eigenes Haus gebaut

Weil die Wohnung nicht barrierefrei war – Klientinnen und Klienten im Rollstuhl mussten den Halbstock vom Lift zur Wohnung gehoben werden – kaufte der Verein in Wernberg ein Grundstück und errichtete ein eigenes Haus. Im Jahr 2000 zog die Gruppe ein. Danach entstanden Einrichtungen in Steinfeld, Lieserbrücke, Landskron und Winklern. Heute werden in Villach und Oberkärnten 52 Klientinnen und Klienten von 46 Mitarbeitenden begleitet. Franz Warum ist seit den Anfängen ehrenamtlich dabei und seit 13 Jahren kaufmännischer Geschäftsführer. „Wir haben damals im Vorstand persönlich für die Kredite gehaftet. Gott sei Dank ist das gut gegangen“, blickt Warum zurück.

Der kaufmännische Geschäftsführer Franz Warum und die pädagogische Geschäftsführerin Ilse Rassnitzer von der „Vier Jahreszeiten gemeinnützigen GmbH“ können mit Stolz auf drei Jahrzehnte gelebte Inklusion zurückblicken
© KLZ/Klaus Steiner
Der kaufmännische Geschäftsführer Franz Warum und die pädagogische Geschäftsführerin Ilse Rassnitzer von der „Vier Jahreszeiten gemeinnützigen GmbH“ können mit Stolz auf drei Jahrzehnte gelebte Inklusion zurückblicken

Bei den „Vier Jahreszeiten“ wird nicht von Klientinnen und Klienten gesprochen, sondern von Kolleginnen und Kollegen, betont Warum. Unter der Woche werden Erwachsenenbildung, Bewegung, basale Stimulation und gemeinsames Kochen und Essen angeboten. Im Zentrum stehen die Fähigkeiten der Menschen und möglichst viel Selbstbestimmung, also Tagesstruktur in dem Tempo, das die betreuten Kolleginnen und Kollegen vorgeben.

Gerade diese Haltung habe sich in drei Jahrzehnten stark verändert. Früher sei Integration der zentrale Begriff gewesen, heute gehe es um Inklusion und Teilhabe. Rund die Hälfte der Klientinnen und Klienten lebt in betreuten Einheiten, die andere Hälfte kehrt am Abend zu den Eltern zurück. Einen eigenen Wohnverbund bietet der Verein bewusst nicht an. Warum: „Wir wollen ja auch nicht dort arbeiten, wo wir wohnen.“ Personell setzt der Verein auf Kontinuität. Rund 95 Prozent der Beschäftigten sind Frauen, die Fluktuation sei gering.

In den Tagesstätten hilft jeder und jede so mit wie er oder sie kann
© Markus Andreas Traussnig
In den Tagesstätten hilft jeder und jede so mit wie er oder sie kann

Das Motto: Die Betreuungsqualität halten

Die Kosten für die Tagesbetreuung werden vom Land Kärnten übernommen. Trotzdem werde es schwieriger, mit den vorhandenen Mitteln auszukommen. Personal, Mieten, Verpflegung und Fördermaterial schlagen zu Buche. Einen erhöhten Betreuungsschlüssel finanziert der Verein durch Einsparungen in der Verwaltung sowie mit Hilfe von Spendern und Sponsoren.

2025 wurde das 25-Jahr-Jubiläum der Tagesstätte in Wernberg gefeiert

1 / 120
Strahlende Gesichter bei der Jubiläumsfeier in Wernberg
Strahlende Gesichter bei der Jubiläumsfeier in Wernberg © Dieter Kulmer

Ein weiterer Ausbau sei derzeit nicht geplant. Vorrang habe, die bestehende Qualität zu sichern, es sei denn das Land tritt an sie heran. Wie sehr sich Einstellungen verändert haben, zeigt eine Erinnerung Warums. Bei einer Informationsveranstaltung für den Standort in Wernberg gab es zunächst Bedenken von Nachbarn. Diese konnten jedoch relativ schnell aufgelöst werden und eine gute Nachbarschaft hat sich über die Jahre entwickelt. „Jetzt helfen diese sogar beim Schneeschaufeln.“

Für Warum ist das ein Sinnbild dafür, was sich in drei Jahrzehnten verändert hat. Aus anfänglicher Skepsis ist vielerorts selbstverständliches Miteinander geworden. Und genau dieses Miteinander soll auch beim Jubiläum sichtbar werden. Nicht Gebäude oder Zahlen sollen beim großen Festakt im Mittelpunkt stehen, sondern Klientinnen und Klienten, ihre Familien und die Mitarbeitenden, die sie täglich begleiten. Genau ihnen soll bei der Feier die Bühne gehören.