Kündigung nach Papamonat: Obersteirer zieht vor Gericht
Messtechniker wurde nach zehn Jahren im Unternehmen gekündigt, Arbeiterkammer sieht Sozialwidrigkeit. Unternehmen betont, Kündigung stehe in keinem Zusammenhang mit Papamonat.
Eigentlich sind Michael G. und seine Ehefrau rundum glücklich: Im Mai kam ihr Sohn auf die Welt, ein gesundes, aufgewecktes Kind. Gerade erst hat sich das Paar räumlich vergrößert, ein Kinderzimmer hergerichtet. Doch nun stehen existenzielle Sorgen im Vordergrund: Papa Michael G. wurde gekündigt – für ihn völlig überraschend zu einem Zeitpunkt, an dem seine Frau noch im Mutterschutz war. „Exakt vier Wochen nach Ende meines Papamonats. Genau am ersten Tag, an dem es legal möglich war“, glaubt der Obersteirer nicht an einen Zufall.
Doch von Anfang an: Michael G. arbeitete als Messtechniker in der Qualitätssicherung. Seit zehn Jahren ist er bei einem großen Industriebetrieb in der Obersteiermark beschäftigt. „Es gab nie Probleme, ich mag meinen Job“, so der 42-Jährige. Zuerst habe er gemeinsam mit einem Kollegen zweischichtig gearbeitet, nach dessen Ausscheiden in die Altersteilzeit habe er den Job alleine gestemmt. „Seit zweieinhalb Jahren habe ich jeden Tag von sechs bis 16 oder 17 Uhr gearbeitet.“ 180 Überstunden weist sein Lohnzettel aus, in seinem Vertrag ist eine Überstundenpauschale vereinbart. „Wenn ich nicht da war, ist alles liegen geblieben. Der Druck war groß.“
Arbeiterkammer klagt
Als seine Frau schwanger wird, kündigt er im Unternehmen einen Papamonat an. Auf diesen hat er gesetzlichen Anspruch, es ist eine einmonatige Dienstfreistellung für Väter nach der Geburt ihres Kindes. „Schon damals war die Begeisterung bei den Chefs nicht groß“, meint der Steirer.
Im Mai kommt schließlich sein Sohn auf die Welt, einige Wochen früher als geplant. Michael G. tritt den Papamonat im Juni an, kehrt dann in die Firma zurück. Vier Wochen später wird er am Ende seiner Schicht ins Büro geholt: „Mein Dienstverhältnis ist aufgelöst. Ich bin aus allen Wolken gefallen“, schüttelt der Messtechniker den Kopf. Er wird mit sofortiger Wirkung freigestellt. Auch seine Frau, die sich nach dem Kaiserschnitt erholt, ist entsetzt: „Sie hat mir anfangs gar nicht geglaubt und gefragt, ob ich etwas angestellt habe. Einfach so gekündigt, ohne ein Wort, ohne einen Vorfall... Mich ärgert das bis heute massiv.“ Gleichzeitig sind in der Unternehmensgruppe mehrere Stellen im Bereich Messtechnik ausgeschrieben.
Ich bin aus allen Wolken gefallen.
— Michael G.
Der Steirer wandte sich an die Arbeiterkammer, die seinen Fall geprüft hat. Ergebnis: Die Kündigung wird aufgrund von vermuteter Sozialwidrigkeit mittels Klage beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht angefochten. Laut Arbeiterkammer seien wirtschaftliche Gründe für die Kündigung ausgeschlossen (aufgrund der ausgeschriebenen offenen Stellen), zudem sieht man keine „Umstände, die in der Person des Klägers gelegen sind“. Verhandelt wird Anfang Oktober.
Kündigung sei Einzelfall
Hat die Kündigung wirklich mit dem Papamonat zu tun? Das dementiert der Betrieb vehement. Die genauen Umstände der Kündigung will das Unternehmen auf Anfrage zwar nicht im Detail kommentieren. Jedoch: „Wir können versichern, dass Karenzen oder Papamonate zu keinen Kündigungen führen.“ Im Schnitt beanspruchen im Unternehmen demnach 30 Männer pro Jahr Papamonate oder Karenzen, Michael G. sei ein Einzelfall. Seine Kündigung stehe in keinem Zusammenhang mit dem Papamonat, es sei eine „Einzelfallbetrachtung und begründet“.
Dem schenkt Michael G. keinen Glauben. Trotz aller Differenzen will er bei Erfolg vor Gericht in seinen alten Job zurückkehren. „Menschlich bin ich wirklich entsetzt von meiner Firma. Aber wir haben Existenzängste, ich finde derzeit keinen gleich gut bezahlten Job“, sagt der Mann offen. „Dass ich ohne Gespräch einfach so gekündigt wurde stört mich am meisten.“
Warum er sich an die Öffentlichkeit wendet? „Um anderen Vätern vielleicht zu helfen. Es heißt immer, Männer sollen den Papamonat nehmen, sie sollen in Karenz gehen. Und was passiert in der Praxis, speziell in der Industrie? Man wird gekündigt.“