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Modeschöpfer John Galliano wird seinen Fluch nicht los

John Galliano trägt immer noch schwer an seinen vor 15 Jahren getätigten Nazi-Pöbeleien. In New York muss das frühere Enfant terrible der Modeszene nun eine Ausstellung absagen.

John Galliano mit einem seiner opulenten Entwürfe
© IMAGO/Nicholas Matthews
John Galliano mit einem seiner opulenten Entwürfe
Ronald Schönhuber
Redakteur Außenpolitik & International, Wien 

Am Ende zog John Galliano selbst die Reißleine. „Nach langer Überlegung und Gesprächen mit allen Beteiligten habe ich schweren Herzens entschieden, dass es das Beste ist, die Ausstellung zum jetzigen Zeitpunkt nicht stattfinden zu lassen“, schrieb der britische Modeschöpfer auf seinem Instagram-Account. Galliano kam damit der Direktion des Metropolitan Museum of Art zuvor, die den 65-Jährigen eigentlich ab Mai mit einer großen Ausstellung würdigen wollte, in den vergangenen Tagen aber immer stärker unter Druck geraten war. Großspender, Politiker und ranghohe Vertreter der jüdischen Gemeinde in New York sprachen sich lautstark gegen die den Namen „Horizons“ tragende Schau aus.

Der Stein des Anstoßes liegt bereits 15 Jahre zurück. 2011 wurde Galliano wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen schuldig gesprochen, nachdem er in seiner Stammbar in Paris gegen Juden und Asiaten gerichtete Parolen von sich gegeben hatte. In etwa zur gleichen Zeit kursierte ein Handy-Video, in dem der Star-Designer „Ich liebe Hitler“ sagt.

Die publik gewordenen Nazi-Pöbeleien bedeuteten damals das abrupte Ende einer außergewöhnlichen Karriere. Das Luxusunternehmen Dior setzte seinen exzentrischen Kreativdirektor mit sofortiger Wirkung vor die Tür, seine schwere Suchtkrankheit wurde plötzlich auch außerhalb der Modeszene zum Thema. Galliano selbst erzählte von Arbeitstagen, die ohne Valium oder andere Drogen nicht durchzustehen gewesen sind, und der tiefen persönlichen Krise nach dem Tod seines Lebensgefährten vier Jahre davor.

Junger Wilder im Traditionshaus

Schon seit 1996 hatte der in Gibraltar geborene Galliano für Dior Mode entworfen und galt dabei lange als der Motor des französischen Traditionshauses. Seine zumindest nach außen hin extravagante Persönlichkeit und die Rolle des „jungen Wilden“ sorgten in Kombination mit seinen gewagten Entwürfen immer wieder für Schlagzeilen. Am Ende seiner Defilees trat Galliano zumeist in spektakulären Verkleidungen auf, als Pirat, als Astronaut oder als Napoleon. Das prominente Publikum liebte Galliano wie kaum einen zweiten Modeschöpfer.

Seit seiner Verurteilung 2011 hat sich Galliano vielfach für die Pöbeleien entschuldigt und immer wieder betont, kein Rassist oder Antisemit zu sein. „Es ist das Schlimmste, was ich in meinem Leben gesagt habe. Aber ich habe es nicht so gemeint“, sagte der Designer 2013 der Zeitschrift „Vanity Fair“.

Zumindest die Modeszene hat ihrem Enfant terrible mittlerweile vergeben. 2015 wurden in Paris wieder Haute-Couture-Entwürfe von Galliano gezeigt, im März 2026 kündigte der spanische Modegigant Zara eine zweijährige kreative Partnerschaft mit dem Briten an.