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Neue Käferbohnensorte aus Gleisdorf soll dem Klimawandel trotzen

Die Saatzucht Gleisdorf forscht an neuen Saatgutsorten, die dem Klimawandel standhalten. Eine neue Käferbohnensorte steht kurz vor dem Durchbruch.

Eveline Adam von der Saatzucht Gleisdorf züchtet seit 14 Jahren an einer neuen, hitzeresistenten Käferbohnensorte
© KLZ/Teubl-Lafer
Eveline Adam von der Saatzucht Gleisdorf züchtet seit 14 Jahren an einer neuen, hitzeresistenten Käferbohnensorte
Veronika Teubl-Lafer
Redakteur Regionalredaktion Weiz

Schon von Weitem sieht man das geschäftige Treiben, das auf den Feldern am Tieberhof in Gleisdorf herrscht. Junge Leute haben Kürbisse auf Schubkarren geladen. Andere marschieren am Acker auf und ab, auf der Suche nach den ersten reifen Früchten.

Auf den Feldern bei der Saatzucht Gleisdorf wird fleißig geerntet
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Auf den Feldern bei der Saatzucht Gleisdorf wird fleißig geerntet

Mit Mappe unterm Arm stapft Eveline Adam übers Feld. Sie ist wie Maria Bernhart Zuchtleiterin bei der Saatzucht Gleisdorf und für Alternativkulturen, wie etwa dem steirischen Ölkürbis, zuständig.

Eveline Adam und Geschäftsführer Jakob Moser mit Praktikanten bei der Kürbiskern-Ernte
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Eveline Adam und Geschäftsführer Jakob Moser mit Praktikanten bei der Kürbiskern-Ernte

Der ist das Steckenpferd des Gleisdorfer Saatzuchtbetriebs, der sich vor allem in Nischenkulturen international einen Namen gemacht hat. Der Gleisdorfer Ölkürbis wurde 1969 von der Saatzucht entwickelt und wird mittlerweile weltweit angebaut – von der Ukraine über Frankreich bis in den USA.

Vor allem durch die Züchtungen beim Ölkürbis hat sich die Saatzucht Gleisdorf international einen Namen gemacht
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Vor allem durch die Züchtungen beim Ölkürbis hat sich die Saatzucht Gleisdorf international einen Namen gemacht

Immer wieder zückt Adam ihren Stift und macht Notizen. Hier im Zuchtgarten werden gezielt verschiedene Linien miteinander gekreuzt, um Testhybriden herzustellen. Bestäubt wird dafür per Hand. Das Hauptziel: Ertragssteigerung und Klimaresistenz.

Die Nummern verweisen auf die „Mutter“ und den „Vater“ aus denen Hybriden gezüchtet wurden, das Datum verweist auf die Bestäubung
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Die Nummern verweisen auf die „Mutter“ und den „Vater“ aus denen Hybriden gezüchtet wurden, das Datum verweist auf die Bestäubung

Was auffällt: Auf jedem Kürbis sind Buchstaben und Ziffern zu erkennen. Kürbisse mit gleicher Beschriftung landen auf einem Haufen. „44 ist die Nummer von der ‚Mutter‘ und 43 vom Vater. Die Bestäubung erfolgte am 3.7.“, erklärt Adam. Auf einer Schleife sind alle Informationen dokumentiert. Kurz vor der Ernte werden sie auf die Frucht übertragen. „Damit keine Verwechslung stattfinden kann, wenn etwa bei der Ernte die Schleife verloren geht“, erklärt Adam.

Viel Zeit und viel Geld

Vor wenigen Tagen hat auf den ersten Feldern die Kürbisernte gestartet. Praktikanten sitzen am Feld, entkernen die Kürbisse und sichern das Saatgut. Gewaschen, getrocknet und ausselektiert kommt es dann zur Prüfung. „Wir prüfen die Leistungsfähigkeit dieser Nachkommen auf Ertrag, Reifezeit und Virustoleranzen“, erklärt Adam.

Nach der Ernte werden die Kerne gewaschen und getrocknet
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Nach der Ernte werden die Kerne gewaschen und getrocknet

Besteht die Sorte in den Zuchtgärten, geht es auf größere Felder zur systematischen Prüfung (also eine mehrjährige Prüfung, die an unterschiedlichen Orten mit mehreren Wiederholungen stattfindet).

Flächen finden sich in ganz Österreich, um unterschiedliche Bedingungen und Bodenverhältnisse zu testen. Am Ende wartet die offizielle Wertprüfung durch die Behörden. Wird diese bestanden, kann die neue Sorte angemeldet und als zertifiziertes Saatgut verkauft werden.

Der Züchtungsprozess ist sehr zeit- und kostenintensiv
© KLZ / Veronika Teubl-lafer
Der Züchtungsprozess ist sehr zeit- und kostenintensiv

Pro Jahr sind das aber oft nur zwei bis drei Sorten pro Kulturart. „Der Prozess bis eine Sorte entwickelt ist, ist langwierig und kostenintensiv“, betont Jakob Moser, Geschäftsführer der Saatzucht Gleisdorf. Pro Sorte fließen etwa eine Million Euro in den Entwicklungsprozess, dieser dauert 10 bis 15 Jahre. Spannend: Um die Züchtungsdauer zu verkürzen, werden alljährlich Wintergenerationen in Chile, Mexiko und Teneriffa angebaut.

Am Nachbarfeld läuft gerade ein EU-Projekt zur Gartenbohne
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Am Nachbarfeld läuft gerade ein EU-Projekt zur Gartenbohne

Neue Käferbohnensorte

Neben Ölkürbis wird an neuen Sorten bei Mais, Ackerbohne, Sojabohne, Körnerhirse, Buchweizen und Käferbohne geforscht. Bei letzterer steht man kurz vor dem Durchbruch. Denn gerade die Käferbohne hat es durch den Klimawandel in der Steiermark immer schwerer. Heuer ist sie besonders gezeichnet, auf vielen Äckern in der Oststeiermark gibt es Totalausfälle.

Seit 2012 entwickelt die Zuchtleiterin eine neue Käferbohnensorte
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Seit 2012 entwickelt die Zuchtleiterin eine neue Käferbohnensorte

Damit die Käferbohne als Kulturpflanze nicht aus der Oststeiermark verschwindet, tüfteln Adam und ihr Team seit 14 Jahren an einer hitzetoleranten Sorte.

Eveline Adam über ihre neue Käferbohnensorte:

Der Erfolg zeichnet sich ab. Im Versuchsgarten direkt neben dem Kürbisacker ranken sich die Bohnen gen Himmel. „Das ist unsere Trionella“, erklärt Adam. „Wir haben sie darauf hingezüchtet, dass sie hitzetoleranter ist und auch in trockenen Jahren mehr Ertragsstabilität zusammenbringt.“

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Im Gegensatz zur Ursprungssorte „Bonella“ bildete die Trionella trotz Trockenheit schöne Hülsen aus
Im Gegensatz zur Ursprungssorte „Bonella“ bildete die Trionella trotz Trockenheit schöne Hülsen aus © KLZ / Veronika Teubl-Lafer

Trotz Dürre hat sie schöne Hülsen ausgebildet, die Blätter sind teilweise noch grün. Ob des Ausnahmejahres, zeigt sich Adam mit dem Ergebnis zufrieden. Sie öffnet eine Hülse: Zum Vorschein kommen violett-schwarze Bohnen.

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Neben Ölkürbis, wird auch an neuen Sorten bei Mais, Ackerbohne, Sojabohne, Körnerhirse, Buchweizen und Käferbohne geforscht. 
Neben Ölkürbis, wird auch an neuen Sorten bei Mais, Ackerbohne, Sojabohne, Körnerhirse, Buchweizen und Käferbohne geforscht.  © KLZ / Veronika Teubl-Lafer

Bis die neue Sorte flächendeckend in der Oststeiermark angebaut werden kann, wird es allerdings noch dauern. „Wir werden sie sicher noch ein bis zwei Jahre vermehren müssen, dann bringen wir die Sorte zur Registrierung und anschließend in den Verkauf“, blickt Adam voraus. Ziel ist es, dass Trionella die alte, 1980 gezüchtete „Bonela“ ablöst, damit der Käferbohnenanbau in der Steiermark auch in Zukunft gesichert ist.

Saatzucht Gleisdorf

Begonnen hat alles 1947 mit einer Maiszucht auf einem Pachtgut von Schloss Kornberg bei Feldbach. In den 80er-Jahren wechselte man an den Standort Gleisdorf, nachdem sich die Eigentümerstruktur neu aufgestellt hatte.

Die Saatzucht Gleisdorf ist im Besitz der RWA Raiffeisen Ware Austria AG, ALWERA AG und die Landwirtschaftskammer Steiermark

Rund um den Tieberhof in Gleisdorf werden auf 70 Hektar Pflanzenzüchtung von Mais, Ölkürbis, Ackerbohne, Sojabohne, Körnerhirse, Buchweizen, Käferbohne und Zwischenfrüchten sowie die Produktion von Basissaatgut durchgeführt.

In den letzten Jahren wurden Zuchtprogramme erweitert und angepasst. Am Standort Gleisdorf werden auch nationale und internationale Forschungsprojekten im Rahmen der Pflanzenzüchtung durchgeführt.

Rund 300 Hektar Ackerflächen werden österreichweit zur Prüfung, Selektion und Produktion von Ausgangssaatgut herangezogen. Prüfungsaustausch gibt es mit ausländischen Züchtungsfirmen. Zur Verkürzung der langen Züchtungsdauer werden alljährlich Wintergenerationen in Chile, Mexiko und Teneriffa angebaut.