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28-Jährige tot: „Was sich dort abspielt, ist ein Wahnsinn“

Nach dem Tod einer 28-Jährigen rückt die Draulände in Villach in den Fokus. Betriebe und Passanten berichten von aggressiver Stimmung, insbesondere innerhalb einer Gruppe.

Blick auf die Draulände in Villach mit seinen Hochhäusern
© KLZ/Alexandra Pöcher
Entlang der Drau im Bereich der Stadtbrücke trifft sich seit Jahren regelmäßig eine Gruppe. Nach dem Tötungsdelikt ist die Situation dort erneut in den Fokus gerückt.
Autorenbild Alexandra Pöcher
Regionalbüro Villach

Zehn Tage lang blieb der Tod einer 28-jährigen Villacherin unter der Stadtbrücke öffentlich unbekannt. Seit Montag ist klar: Die Frau starb nach massiver Gewalteinwirkung. Ihr 39 Jahre alter Freund gilt als dringend tatverdächtig und befindet sich in Untersuchungshaft. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Das Tötungsdelikt lenkt den Blick auf einen Bereich der Villacher Innenstadt, über den schon länger diskutiert wird – die Draulände.

Ein Mann, der nach eigenen Angaben täglich in der Nähe des Tatorts vorbeikommt, berichtet von erheblichem Alkoholkonsum und häufigen Auseinandersetzungen. Die Gruppe habe „kistenweise Bier“ dabei, auch Passanten würden mitunter angepöbelt: „Was sich dort abspielt, ist ein Wahnsinn“, sagt der Mann, der anonym bleiben möchte.

Die Drau ist seit jeher nicht nur Ort der Erholung, sondern auch Treffpunkt für Trinker und Drogenabhängige
© KLZ/Julia Wiesflecker
Die Drau ist seit jeher nicht nur Ort der Erholung, sondern auch Treffpunkt für Trinker und Drogenabhängige

Die Schilderungen umliegender Betriebe fallen differenzierter aus. Sie bestätigen Lärm und Konflikte innerhalb der Gruppe, berichten aber kaum von Problemen mit Gästen oder Passanten. Die Betreiber des direkt an der Drau gelegenen Cafés „Draurast“ wollen sich auf Anfrage nicht zu der Gruppe äußern.

„Die Gruppe gibt es schon ewig“

Auch Tina Mosser, Betreiberin des Hotels Mosser, kennt die Gruppe, das Thema sei für das Viertel keineswegs neu. Die Gruppe treffe sich dort schon seit vielen Jahren. Ähnlich beschreibt Alina Kirchner die Situation. Gemeinsam mit ihrem Schwager Thomas Stießen betreibt sie seit Oktober 2023 das „Biest Coffee“ an der Draulände. Die Gruppe, der Männer und Frauen unterschiedlichen Alters angehören, halte sich dort regelmäßig vom Morgen bis zum Abend auf. Neben Alkoholkonsum nehme sie immer wieder Marihuana-Geruch wahr. Unter den Mitgliedern komme es häufig zu Beschimpfungen, Geschrei und Raufereien, auch öffentliches Urinieren sei ein Thema. Seit der Eröffnung des Lokals habe sich der Treffpunkt allerdings ohne Aufforderung der Betreiber in Richtung des ehemaligen Fahrzeugmuseums verlagert.

Der Treffpunkt der Gruppe hat sich in den vergangenen Monaten Richtung Fahrzeugmuseum verlagert
© KLZ/Alexandra Pöcher
Der Treffpunkt der Gruppe hat sich in den vergangenen Monaten Richtung Fahrzeugmuseum verlagert

Gäste wurden nie belästigt

Kirchner warnt dennoch davor, den Eindruck eines generell unsicheren Viertels zu vermitteln. Weder sie noch ihre Mitarbeitenden oder Gäste seien jemals von der Gruppe belästigt worden. Die Probleme spielten sich nach ihrer Wahrnehmung innerhalb der Gruppe ab. Auch Alex Weiß, Geschäftsführer von Isola Trachten, berichtet von keinen direkten Problemen. Die Gruppe sei gelegentlich lauter, darüber hinaus gebe es keine Berührungspunkte.

Ich würde mir strengere Kontrollen und mehr Polizeipräsenz wünschen.

— Alina Kirchner, Biest Coffee
Thomas Stießen und Alina Kirchner betreiben das „Biest Coffee“
© KK/Biest Coffee
Thomas Stießen und Alina Kirchner betreiben das „Biest Coffee“

Kirchner, Stießen und ihr Team verständigten dennoch mehrfach die Polizei, wenn Auseinandersetzungen zu eskalieren drohten. Mit deren Reaktion ist die Gastronomin nicht immer zufrieden. Die Personen und deren Aufenthaltsort seien der Polizei bekannt. Dennoch würden bei Anrufen zunächst zahlreiche Fragen gestellt. Bis eine Streife eintreffe, habe sich die Situation mitunter bereits beruhigt. Kirchner plädiert deshalb für mehr Polizeipräsenz, auch durch Beamte in Zivil, und für ein Alkoholverbot. Zugleich fragt sie sich, ob Mitglieder der Gruppe von Sozialarbeitern oder Suchthilfeeinrichtungen betreut werden.

Stadt: „Gruppe ist bekannt“

Dass es sich für die Stadt um kein unbekanntes Phänomen handelt, bestätigt Sozialreferentin und Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser (SPÖ): „Die betreffende Gruppe ist der Stadt Villach selbstverständlich bekannt.“ Bei Alkohol- und Drogenkonsum sowie aggressivem Verhalten verweist sie allerdings auf die Zuständigkeit der Polizei, die für die öffentliche Sicherheit verantwortlich sei. Die Stadt stehe mit Hilfsorganisationen und Einrichtungen wie Streetwork, Caritas und Suchthilfe in engem Kontakt. Auch ein dichtes soziales Netz könne aber nicht gewährleisten, dass Hilfsangebote angenommen werden. Sandriesser betont zugleich: „Auch Menschen mit Alkohol- oder Drogenproblemen haben das Recht, sich im öffentlichen Raum zu bewegen.“

Sollte die Polizei weitere Sicherheitsmaßnahmen für notwendig halten, werde sich die Stadt diesen nicht verschließen. Eine der neuen Überwachungskameras sei auf Wunsch der Stadt im Bereich der Draubrücke angebracht worden. Weitere Konsequenzen aus dem Todesfall seien derzeit verfrüht: Es gebe noch zu wenige gesicherte Fakten, um daraus verantwortungsvoll konkrete Forderungen abzuleiten.

Debatte über Gewaltprävention

Unabhängig von der Diskussion um den Treffpunkt an der Drau rückt der Vorfall auch den Gewaltschutz in Villach in den Fokus. Sandriesser fordert, Warnsignale wie Kontrolle, Abwertung und Besitzdenken früher ernst zu nehmen. Die Grüne Gemeinderätin Karin Herkner verlangt eine dauerhafte finanzielle Absicherung von Gewaltschutz und Prävention.

Als Gesellschaft sind wir gefordert hinzuschauen. Zivilcourage bedeutet, Haltung zu zeigen: Abwertende Sprache über Frauen nicht hinzunehmen, kontrollierendes Verhalten nicht als Eifersucht zu romantisieren und einzugreifen oder Hilfe zu holen, wenn eine Situation kippt.

— Gerda Sandriesser, Vizebürgermeisterin

Als konkrete Maßnahme kündigte Vizebürgermeisterin Sarah Katholnig (SPÖ) für den Herbst Präventionsworkshops in Villacher Kindergärten an. Dabei sollen der Umgang mit Gefühlen, gegenseitiger Respekt und persönliche Grenzen vermittelt werden.