Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Anonyme Schreiben belasten Kindergarten in Villach, Prüfung läuft

Anonyme Schreiben erheben schwere Vorwürfe gegen den Kindergarten in Bad Bleiberg. Gemeinde, Land und Träger gingen Hinweisen nach. Bestätigt haben sie sich nicht.

Ein Raum in einem Kindergarten mit einem kleinen Tisch und zwei kleinen Stühlen
© KLZ/Stefan Pajman
Anonyme Schreiben behaupten Mobbing und Missachtung der Kinderrechte im Kindergarten Bad Bleiberg (Symbolbild)
Autorenbild Alexandra Pöcher
Regionalbüro Villach

Gestern, Dienstag, begann im Kindergarten Bad Bleiberg das neue Betreuungsjahr für 56 Kinder aus der Gemeinde. Überschattet wird der Start von schweren Vorwürfen, zwei anonymen Briefen – einer davon liegt der Kleinen Zeitung vor – und verunsicherten Eltern. Laut den Schreiben soll es sowohl im Umgang mit den Kindern als auch innerhalb des Teams Missstände geben. Gemeinde, Land und die St. Hemma-Stiftung als Trägerin gingen den Anschuldigungen nach. Bei den bisherigen Überprüfungen konnten sie nicht bestätigt werden.

Bereits nach dem ersten anonymen Schreiben, das laut Bad Bleibergs Bürgermeister Christian Hecher (ULB) vor dem Sommer einging, zog die Gemeinde externe Unterstützung bei, die mit der Supervision des Kindergartenteams beauftragt wurde. Die angesprochenen Probleme sollten intern aufgearbeitet werden. Trotz dieser Maßnahmen langte vor rund drei Wochen ein zweites anonymes Schreiben ein.

Es gab umfassende externe Überprüfungen. Dabei konnte keiner der Vorwürfe bestätigt werden.

— Christian Hecher, Bürgermeister
Bad Bleibergs Bürgermeister Christian Hecher
© KK
Bad Bleibergs Bürgermeister Christian Hecher

Land überprüfte den Kindergarten

Die St. Hemma-Stiftung leitete beide Briefe an die Abteilung 6 des Landes Kärnten weiter und stellte nach eigenen Angaben auch interne Nachforschungen an. Darüber hinaus führte das Land eine externe Überprüfung anhand eines standardisierten Beobachtungsinstruments durch. „Die in der Beschwerde erhobenen Vorwürfe, soweit sie pädagogische Tätigkeiten betreffen, konnten dabei nicht bestätigt werden“, sagt Elisabeth Mattitsch, Geschäftsführerin der St. Hemma-Stiftung. Die Verantwortlichen hätten die Hinweise dennoch sehr ernst genommen. Es gehe gleichermaßen um das Wohl der Kinder und um einen fairen Umgang mit den Mitarbeiterinnen.

Bürgermeister Hecher kommt nach den bisherigen Kontrollen zum selben Ergebnis. Er fordert den Urheber oder die Urheberin der anonymen Schreiben auf, sich direkt an ihn zu wenden. „Der Verfasser dieses Briefes soll sich bei mir melden, weil sich sämtliche Anschuldigungen nicht bestätigt haben“, sagt Hecher. Solange die Vorwürfe anonym blieben, könnten einzelne Angaben weder konkretisiert noch unmittelbar mit ihrem Urheber besprochen werden.

Zurückhaltender äußert sich die zuständige Fachabteilung des Landes. Sie bestätigt, dass anonyme Beschwerden eingelangt seien und bearbeitet würden. Hinweise auf eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls würden nach einem festgelegten Prozess geprüft. Eine abschließende Beurteilung gibt das Land vorerst nicht ab. Aufgrund der laufenden Bearbeitung seien auch keine detaillierten Auskünfte zum konkreten Fall möglich.

Rund 50 Eltern im Knappenhaus

Am Montagabend informierten Gemeinde und Stiftung die Eltern über die bisherigen Erhebungen. Neben Bürgermeister Hecher nahmen Vertreterinnen der St. Hemma-Stiftung, der Abteilung 6 des Landes und des Kinderschutzzentrums Delfi teil. Die Gemeinde hatte bereits zuvor eine eigene E-Mail-Adresse für Rückmeldungen eingerichtet. Hecher bot den Eltern außerdem persönliche Gespräche an. Rund zehn Eltern hätten davon Gebrauch gemacht. Sie hätten jedoch keine Missstände gemeldet sondern erklärt, die Vorwürfe nicht nachvollziehen zu können.

Kritik an Rolle der Gemeinde

Der Bad Bleiberger Gemeinderat Sepp Götz (Verantwortung Erde) kritisiert, dass das Kuratorium des Kindergartens beim Informationsabend nicht vertreten gewesen sei. Dessen Mitglieder werden von der ULB gestellt. „Es ist erbärmlich, dass nicht einer dort war und mitdiskutiert hätte“, sagt Götz. Nach eigenen Angaben sei ihm von der Gemeinde ein jährlicher Abgang von rund 70.000 Euro genannt worden. Dennoch habe die Gemeinde gegenüber der St. Hemma-Stiftung kaum Mitspracherecht, kritisiert Götz.

Auch die anonymen Schreiben verurteilt Götz: Es sei nicht vertretbar, darin einzelne Mitarbeiterinnen namentlich zu beschuldigen. Beim Elternabend überwog unterdessen die Sorge, dass pädagogische Fachkräfte wegen der wiederholten Vorwürfe kündigen könnten. In diesem Fall wäre laut Hecher auch das Betreuungsangebot gefährdet. Neue konkrete Hinweise sollen weiterhin geprüft werden, die Bearbeitung durch das Land ist noch nicht abgeschlossen.