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Warum unsere Welt Star Trek heute mehr denn je braucht

Star Trek wird 60: Was am 8. September 1966 begann, hat sich heute zum unkaputtbaren Kult entwickelt. Humanismus und Diversität zeichnen die Serie seit Anbeginn aus.

Familienaufstellung: Captain Kirk (Mitte) mit seiner Crew der Ur-Enterprise
© Imago
Familienaufstellung: Captain Kirk (Mitte) mit seiner Crew der Ur-Enterprise
Andreas Kanatschnig
Redakteur Kultur- und Medienressort

Sie kennen vielleicht diese Szene aus „Big Bang Theory“, als Amy ihre Freundin Penny fragt, was denn der Unterschied zwischen Star Trek und Star Wars sei. Penny antwortet darauf: „Es gibt absolut keinen.“

Ganz so einfach ist es aber nicht, denn das von Gene Roddenberry (1921-1991) geschaffene Star Trek-Universum ­– das man bis weit in die 1980er-Jahre hierzulande Raumschiff Enterprise nannte – war so greifbar, wie Science Fiction nur sein konnte. Diese Mischung aus unendlichen Weiten, Technik wie Warp-Antrieb,  Phaser, Holodeck und Transporter-Raum sowie ganz menschlicher Romantik, Komik und Dramatik machte Raumschiff Enterprise zum Erfolg. Nicht unmittelbar, aber dafür sehr schnell und anhaltend.

Sphärische „Go-West-Science-Fiction“

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung . . .“ Mit diesen Worten beginnt jede Folge der von 1966 bis 1969 ausgestrahlten ersten drei Staffeln. Die sphärischen Klänge der von Alexander Courage komponierten Titelmelodie entführten in fremde Welten: Man hockte am Boden vor dem Fernseher und wurde in eine Welt gezogen, die so faszinierend war, wie Captain James T. Kirk, sein Erster Offizier Spock oder der unbeherrschte Schiffsarzt Dr. Leonard McCoy. Die im deutschen Sprachraum erst ab 1972 ausgestrahlte Serie entwickelte sich nicht gleich zum Hit (NBC stellte sie aufgrund mangelnden Erfolges ein): Erst nach und nach zeigte sich das Potential von Star Trek.

Nichelle Nichols als Lieutenant Uhura und William Shatner als Captain James T. Kirk
© IMAGO/CAP/PLF
Nichelle Nichols als Lieutenant Uhura und William Shatner als Captain James T. Kirk

Wunderbare Besetzung

Ohne die grandiose Besetzung der Ur-Enterprise wäre ein anhaltender Erfolg vielleicht gar nicht gelungen. Sternzeit 1513,1. In unserer Zeitrechnung schrieb man den 8. September 1966, als das Raumschiff Enterprise das erste Mal „in Galaxien vordringt, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat“. Im ersten Pilotfilm für das Science Fiction-Spektakel schlüpfte Jeffrey Hunter in die Rolle des Captain Pike, kam jedoch beim Publikum nicht gut an. Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry wollte nach dem misslungenen Auftakt einen Captain, der etwas weniger hölzern wirkte. In der Folge „Das Letzte seiner Art“ wurde schließlich William Shatner zum legendären Captain der USS Enterprise NCC-1701. Shatner machte aus Kirk einen charmanten Weltraum-Helden mit Witz und Hang zur Romantik.

Gar nicht so leicht zum Nachmachen: Leonard Nimoy spreizt seine Finger zum vulkanischen Gruß
© Imago/ Paramount Television
Gar nicht so leicht zum Nachmachen: Leonard Nimoy spreizt seine Finger zum vulkanischen Gruß

Leonard Nimoy verkörperte den genialen Vulkanier Spock, der zwar Logik über alles stellte, aber auf eine sehr eindringliche Art und Weise Menschlichkeit bewies. Sein Ausspruch „Faszinierend“ ist zum geflügelten Wort geworden. Das weitere Ensemble bestand aus Schiffsarzt Leonard „Pille“ McCoy (DeForest Kelley), Chefingenieur Montgomery Scott (James Doohan), Steuermann Hikaru Sulu (George Takei), Kommunikationsoffizierin Uhura (Nichelle Nichols) und Navigator Pavel Chekov (Walter Koenig). Die Enterprise war ein Forschungsschiff und so stand Humanität im Zentrum ihrer Reisen, auch wenn viel mit Phasern geschossen wurde.

Der ausgesprochen diverse und internationale Charakter der Serie hatte wenig mit dem von Rassismus geprägten Amerika von damals zu tun: Erst 1964 wurde in den USA ein Gesetz beschlossen, das Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Religion oder Geschlecht verbot. Es waren unruhige Zeiten, als die Enterprise zu den Sternen reiste: Bürgerrechtler Martin Luther King wurde 1968 ermordet. Mitten im Kalten Krieg saß auch der Russe Chekov an Bord der Enterprise und Uhura, die von Martin Luther King sogar zu einem Weitermachen bei Star Trek überredet wurde, küsste Captain James T. Kirk – in den USA ein Skandal.

George Takei, Nichelle Nichols, Walter Koenig & James Doohan im Transporterraum: Hier wurde gebeamt
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George Takei, Nichelle Nichols, Walter Koenig & James Doohan im Transporterraum: Hier wurde gebeamt

Mit dem Start der Kino-Reihe ab Ende der 1970er-Jahre und spätestens seit „Star Trek – Das nächste Jahrhundert“ wurde das Science-Fiction-Theater zum Franchise: „Deep Space Nine“, „Voyager“ und viele mehr bis herauf zu „Star Trek Picard“ oder „Starfleet Academy“ machten aus einer „normalen“ Serie ein popkulturelles Phänomen. Die Ur-Enterprise war eine Art Western im Science-Fiction-Kleid und durchaus als fantastische Allegorie auf das engstirnige Amerika zu lesen.

Die USS Enterprise NCC-1701 flog zwischen 1966 und 1969 in drei Staffeln in unbekannte Welten
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Die USS Enterprise NCC-1701 flog zwischen 1966 und 1969 in drei Staffeln in unbekannte Welten

Star Trek ist nicht wie Star Wars, aber beide eint der große Traum von einer Welt, in der das Gute am Ende die Oberhand behält. Während bei Star Wars das verwandtschaftliche Geflecht tiefenpsychologische Sogwirkung entwickelt, besticht Star Trek durch seinen humanistisch-humoristischen Eskapismus. Tagtäglich holen Trekkies diese „unendlichen Welten“ in unsere Welt, wenn sie ihre Hände zum Spock-Gruß spreizen oder „Beam me up Scotty“ (Beam mich hoch, Scotty) rufen. Unsere Welt braucht gerade in einer als krisenhaft wahrgenommenen Gegenwart den Mut und die Entschlossenheit sowie den Humor und den unbändigen Glauben an das Gute. „Faszinierend.“ Nicht?

Die Captains im Star Trek-Universum

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William Shatner war Captain James T. Kirk in der Ur-Serie und den späteren Kinofilmen
William Shatner war Captain James T. Kirk in der Ur-Serie und den späteren Kinofilmen © Imago