Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

„Beispielloser“ El Niño bringt Extremwetter und Hitzerekorde

Im Südpazifik baut sich ein El Niño auf, der alle Rekorde brechen soll. Staaten bereiten sich auf schwere Dürren vor, der Klimawandel treibt das Phänomen laut Forschern an.

Menschen unter Sonnenschirmen gehen auf ausgetrocknetem Erdboden entlang eines Flusses
© AP/Ivan Valencia
Vor allem in den Staaten Mittelamerikas macht sich El Niño bereits mit Dürren bemerkbar
Günter Pilch
Redakteur Bundesland Steiermark / Umwelt

Niedrige Wasserstände, Ernteausfälle, Viehsterben: Honduras hat für den Großteil seines Staatsgebiets Dürre-Alarm ausgerufen. Dasselbe gilt inzwischen für El Salvador und Panama, wo auch der Schiffsverkehr durch den gleichnamigen Kanal aufgrund des geringen Wasserpegels eingeschränkt werden muss. Das UN-Welternährungsprogramm warnt vor Ernteschäden, Hunger und steigenden Preisen für Agrarrohstoffe.

Vor allem Zentralamerika leidet derzeit unter extremer Trockenheit und die Situation soll noch schlimmer werden. Hauptgrund ist das Klimaphänomen El Niño, das sich gerade mit besonderer Wucht aufbaut. Die wiederkehrende Anomalie des Klimasystems im äquatorialen Pazifik verschiebt sozusagen die tropische Regenmaschine. Teile Mittelamerikas, aber auch Australien und Südostasien werden in der Folge von Hitzewellen und Trockenheit heimgesucht, während Peru, Ecuador und Teile Kolumbiens mit schweren Niederschlägen rechnen müssen (siehe Factobox unten).

Weltkarte zeigt die Temperaturabweichungen der Weltmeere vom langjährigen Mittel
© C3S/ECMWF
Die starke Temperaturanomalie des Pazifiks vor der Küste Südamerikas ist deutlich zu erkennen

El Niño schlägt „beispiellos“ zu

Diesmal fällt El Niño allerdings weit stärker aus als üblich. Die britische Wetterbehörde Met Office erwartet eine Ausprägung historischen Ausmaßes. Steigt die Ozeantemperatur vor Südamerika bei einem moderaten El-Niño-Ereignis um 0,5 bis 1,5 Grad über Normal, wird diesmal mit einem Plus von mehr als drei Grad gerechnet. „Das ist in den modernen Klimaaufzeichnungen beispiellos“, so der britische Meteorologe und Met-Office-Analyst Adam Scaife auf BBC.

Auf einen Blick: El Niño

Dass das an sich natürliche Klimaphänomen diesmal so extrem ausfällt, könnte wiederum alles andere als natürliche Ursachen haben. Eine neue, im Fachjournal „Science“ veröffentlichte Untersuchung, kommt anhand von Korallendaten zum Ergebnis, dass El-Niño-Ereignisse mit dem menschenverursachten Klimawandel deutlich intensiver geworden sind. Den stärksten Anstieg gab es demnach in den vergangenen 40 Jahren, als auch die globale Erwärmung an Fahrt aufgenommen hat.

Folgen für das Weltklima bleiben nicht aus

Auf Europas Wettergeschehen wirkt sich El Niño kaum aus. „Es wird immer wieder untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt. Es ist jedenfalls kein unmittelbar direkter, wonach uns ein stärkerer El Niño automatisch mehr Schnee im Winter bringen würde“, weist Ulrich Foelsche, Atmosphärenphysiker an der Uni Graz, entsprechende kursierende Spekulationen zurück.

Allerdings dürfte El Niño der Welt schon bald einen neuen globalen Wärmerekord bescheren. Denn während der menschenverursachte Klimawandel die Temperaturen der Atmosphäre und der Meere ohnedies stetig in die Höhe treibt, sorgen El-Niño-Phasen zwischenzeitlich für zusätzliche Hitzeschübe. „Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass wir spätestens 2027 das global wärmste Jahr der Messgeschichte erleben“, sagt Foelsche.

El Niño tobt auf immer höherem Niveau

Die menschengemachte Erwärmung ist es auch, die die Temperaturen nach Ende von El-Niño-Ereignissen nicht mehr auf das Ausgangsniveau zurücksinken lässt. „Inzwischen sind die kühleren La-Niña-Jahre bereits heißer sind als es früher die El-Niño-Phasen waren“, sagt Foelsche. Ein Ende dieser fatalen Entwicklung wird es erst geben, wenn die Treibhausgasemissionen absinken.