Großes Kino für die Ohren in der Klosterruine Arnoldstein
Die dritte Auflage des Un:Wucht-Festivals bot ein musikalisches Abenteuer zwischen Industrial-Rock und Post-Punk.

Am Eingang gab es zwar Gratis-Ohrenstöpsel, aber seien wir uns ehrlich – wer sich auf ein Festival begibt, das ausdrücklich mit Musik nur für trainierte Ohren wirbt, sollte sich schon auf das Abenteuer einlassen, dass es in den Gehörwindungen einmal so ordentlich kracht und dröhnt und das Trommelfell dabei gehörig im Rhythmus mitvibrieren darf.
Alle Erwartungen erfüllt
Auch die dritte Auflage des „Un:Wucht-Festivals“ auf der Klosterruine Arnoldstein, organisiert vom Verein Aktion Mutante unter Obmann Christian Pöschl, hat diesbezüglich alle Erwartungen erfüllt. Den Auftakt machte das Duo Utschnih aus Kärnten, das auch schon im Vorjahr mit dabei war. Ein wuchtiger Einstieg in den Abend, bei dem sich die beiden maskierten Musiker die Seele aus dem Leib spielten und sangen, gefolgt von der grandiosen Formation Moving as a Giant aus Slowenien rund um Gitarristin und Sängerin Bojana Pejanovic. Beeindruckend, wie sie es mit ihrer Stimme schaffte, trotz zwischenzeitlichem Höllenlärm – großartig am Schlagzeug Martin Kramberger – dem Ganzen eine fast meditative Aura zu verleihen.
Wenig Erholung
Erholungsphasen für die Ohren gab es zwischen den Acts, dank zweier Bühnen, jeweils nur wenige Minuten. Gut so, man will ja nicht aus der Übung kommen. Den wohl skurrilsten und powervollsten Auftritt legte dann das Duo Pulverin mit Sänger Ottó Horváth und Daniel Schnatz (Electronic) hin. Unglaublich, was die beiden da an muskalischer Experimentierfreude ablieferten, inklusive Posaune. Ein Ereignis, kann man da nur sagen. Das war zweifellos auch die Formation „OvO“ mit Stefania Pederetti (Gesang, Gitarre) und Bruno Dorella am Schlagzeug. Dunkel, kraftvoll, roh und äußerst sympathisch. Bei der letzten Nummer mischte sich Stefania auch unter das Publikum, um zur eigenen Musik so richtig abzufeiern. Gewaltig. Mit Industrial-Rock, Electro-Punk und Goth-Pop überzeugte dann Christian Fetish mit den beiden Gitarristinnen Medina Rekic und Mikala Norgaard, die zum Abschluss ein tolles Cover von John Lennons „Imagine“ ablieferten. Zu guter Letzt enterte schließlich der Austrofred die Bühne. Was soll man dazu sagen – Austrofred eben. Toller Abend, man darf sich aufs nächste Jahr freuen.
