Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Zwei junge Müllabfuhrfrauen stellen einen Männerverein auf den Kopf

Mit Anna Gfreiner und Karolina Lokajova stehen erstmals zwei Frauen im Dienst der Müllabfuhr in Klagenfurt. Die Ferialpraktikantinnen sorgen dort für frischen Wind.

Noch bis 4. September halten Lokajova (links) und Gfreiner Klagenfurt sauber
© Thomas Hude
Noch bis 4. September halten Lokajova (links) und Gfreiner Klagenfurt sauber
Marco-William Ninaus
Teamleiter Regionalredaktion Klagenfurt

Oranges T-Shirt, kurze Hose, dicke, schwarze Arbeitsschuhe und Reflektoren, die nicht zu übersehen sind. Es ist ein Outfit, das vielfach am Gelände der Klagenfurter Müllabfuhr in der Koningsbergerstraße zu sehen ist, in dem zwei Personen aber hervorstechen. Nämlich Anna Gfreiner und Karolina Lokajova – die ersten Damen, die im operativen Team der Müllabfuhr im Einsatz stehen.

Ausschlafen ist seit knapp drei Wochen ein Fremdwort für sie. Um 3 Uhr läutet Gfreiners Wecker, die pünktlich um 5.30 Uhr den Dienst antritt. Warum die Villacherin ihre Sommerferien bei der Klagenfurter Müllabfuhr verbringt? „Warum nicht?“, sagt die 18-Jährige ganz pragmatisch. Die Arbeitszeiten stimmen und der Verdienst passt. Rund 1800 Euro brutto erhalten Ferialpraktikanten, um 13.30 Uhr ist Feierabend.

Unübliche Gegenstände fischten die Frauen zum Glück noch nicht aus den Tonnen. „Und an den Gestank gewöhnt man sich schnell“, sagt Lokajova
© Thomas Hude
Unübliche Gegenstände fischten die Frauen zum Glück noch nicht aus den Tonnen. „Und an den Gestank gewöhnt man sich schnell“, sagt Lokajova

Von der Schule in den Müllwagen

„Ich wollte schon immer mit einem Müllfahrzeug mitfahren und auf dem Trittbrett stehen“, erzählt Lokajova. Die 25-Jährige stammt ursprünglich aus Tschechien, lebt aber seit vielen Jahren in Klagenfurt. Dort verfolgt sie eigentlich einen ganz anderen Karriereweg, studiert Englisch und Geografie auf Lehramt. „Aber die Arbeit hat cool geklungen. Eigentlich wollte ich es schon letztes Jahr probieren, heuer hat es geklappt“, sagt Lokajova.

Mit ihren Kollegen entleert sie hauptsächlich die Restmüllbehälter in der Innenstadt. Sie nimmt die Tonne, schiebt sie zum Lkw, entleert sie und stellt sie wieder an die Grundstücksgrenze zurück. Ein Vorgang, den sie schätzungsweise 700 Mal am Tag wiederholt. „Am Anfang ist das körperlich anstrengend, man benötigt Ausdauer und Kraft“, sagt Lokajova. „Aber es ist eine Aufgabe, die eine Frau locker schafft“, ergänzt Gfreiner. Rund 100 Personen arbeiten in der städtischen Müllabfuhr, im klassischen Außendienst ausschließlich Männer. Das merkt man, sagen die Frauen.

Man braucht ein dickes Fell, sollte selbstbewusst und schlagfertig sein.

— Karolina Lokajova

Kritik an Infrastruktur und Umgangston

Nicht nur an mangelnden Umkleiden, ausbaufähigen Sanitäranlagen oder fehlender Arbeitskleidung für Frauen. Auch der Umgangston entspreche dem eines Männervereins. Lokajova und Gfreiner mussten schon mehrere Kommentare über sich ergehen lassen. „Man braucht ein dickes Fell, sollte selbstbewusst und schlagfertig sein“, sagt Lokajova, die dennoch lobende Worte für ihre Kollegen findet. „Sie sind hilfsbereit, nett und behandeln uns gut.“

Die Damen sind sichtlich stolz, die Männerdomäne aufzumischen. Auch auf den Straßen würde ihre Präsenz auffallen. „Viele Frauen freuen sich sehr, uns zu sehen“, sagt Gfreiner, die vom Kampf für bessere Bedingungen in männerdominierten Feldern überzeugt ist. „Frauen können und schaffen viel mehr, als manche vielleicht noch immer glauben“, meint auch Lokajova.

„Diese zwei Vorbilder bereiten mir eine große Freude“, sagt Wassermann über die weibliche Unterstützung. Insgesamt helfen heuer 14 Ferialpraktikanten in der Müllabfuhr aus
© Büro Stadträtin Wassermann/KK
„Diese zwei Vorbilder bereiten mir eine große Freude“, sagt Wassermann über die weibliche Unterstützung. Insgesamt helfen heuer 14 Ferialpraktikanten in der Müllabfuhr aus

„Wir müssen im Magistrat den Schwerpunkt darauf legen und Frauen bessere Chancen bereiten“, sagt auch Entsorgungsreferentin Sandra Wassermann (FPÖ), die Gfreiner und Lokajova für wahre Vorbilder hält. „Sie haben die Arbeit bravourös gemeistert und die Kollegen freuen sich.“ Die Kritikpunkte nimmt sie auf, an den „Stammtisch-Ton“ müsse man sich in handwerklichen Sparten aber gewöhnen.

Bis 4. September halten Gfreiner und Lokajova die Landeshauptstadt noch sauber. Ob es für sie ein Job für die Zukunft ist? „Ich schließe es nicht aus“, sagt Lokajova.