„Dirndl mit Geschichte“: Tracht trifft auf Trend zu Second-Hand
Die Wertschätzung der Jungen für traditionelle Tracht ist zwar groß, der Geldbeutel dafür aber oft zu klein. Die Lösung: hochwertige Tracht, nur Second-Hand.

Die Kirtagssaison ist in vollem Gange. Erst kürzlich stand Villach im Rahmen des Kirchtags ganz im Zeichen der Tracht, in wenigen Wochen werden auch die Straßen der Grazer Innenstadt im Rahmen des Aufsteirerns mit Tausenden Dirndln jeder Art gefüllt sein. Doch nicht nur auf Brauchtumsfesten hat die traditionsreiche Kleidung in den Bundesländern einen festen Platz, wie Anita Schmid, Leiterin des „Steirischen Heimatwerks“, weiß. „Ob Hochzeiten, Familienfeiern oder Veranstaltungen wie die Weinwoche, Tracht ist ein lebendiger Teil des Lebens. Die Menschen lieben es, Tracht zu tragen.“
Was Schmid besonders freut, sei die hohe Wertschätzung gegenüber traditioneller Tracht, vor allem bei jungen Frauen. „Viele greifen zu günstigen ‚Kitsch-Dirndln‘, weil ihnen das Budget für eine hochwertige Tracht noch fehlt“, teilt sie ihre Beobachtungen. „Wir erleben es ganz oft, wie groß die Freude bei den jungen Frauen dann ist, wenn sie mit ihren Großeltern für ein traditionelles Dirndl zu uns kommen, weil sie es ihnen schenken wollen. Die sind meist selbst schon jahrelang Kunden bei uns.“

„Dirndl mit Geschichte“: Hochwertige Tracht aus zweiter Hand
Trotz landläufiger Meinung sei laut Schmid das Bewusstsein für den Wert hochwertiger Tracht bei der jungen Generation stark verankert – auch wenn die Leiterin Unterschiede zwischen Männern und Frauen bemerkt. „Das liegt vor allem daran, dass junge Burschen es leichter haben. Eine qualitativ weniger hochwertige Lederhose fällt weniger auf als ein schlecht gemachtes Modedirndl.“ Schmid warnt ausdrücklich vor dem Griff zur Billig-Ledernen: Viele der Hosen kommen aus dem Ausland, werden unter schlechten Bedingungen hergestellt und mit Giftstoffen gegerbt. „Diese liegen dann direkt auf der Haut.“ Die Investition in eine hochwertige Lederne lohnt sich deshalb immer, so Schmid. „Sie hält dann nämlich meist ewig.“
Wir erleben es ganz oft, wie groß die Freude bei den jungen Frauen dann ist, wenn sie mit ihren Großeltern für ein traditionelles Dirndl zu uns kommen.
— Anita Schmid, Leiterin Steirisches Heimatwerk
750 Euro aufwärts kostet eine klassische steirische Alltagstracht, bei Festtagstrachten muss tiefer in die Tasche gegriffen werden. Wer auf Materialien wie Seide setzt, muss mit einer Rechnung über 1800 Euro rechnen. Das klassische Ausseer-Dirndl führt das Ranking der beliebtesten Trachten immer noch an, auch zum steirischen Leibkittel wird gerne gegriffen, so Schmid. Dass Tracht nicht für jede Brieftasche erschwinglich ist, ist Schmid deshalb bewusst. Um Menschen also den Zugang zu hochwertiger Tracht zu erleichtern, hat das Steirische Heimatwerk die Aktion „Dirndl mit Geschichte“ ins Leben gerufen.

Selbstgeschneiderte oder jahrzehntealte traditionelle Dirndl, die nicht mehr gebraucht werden, können ins Heimatwerk gebracht werden, dafür erhalten die Spender dann Gutscheine, die für neue Tracht ausgegeben werden können. Die alten Dirndl werden unterdessen zu einem stark vergünstigten Preis angeboten, um im besten Fall ein neues Zuhause zu finden. „Da bringen Leute unter anderem Hochzeitstracht, die nicht mehr passt, oder alte Trachten von den Großeltern, für die man keine Verwendung mehr hat – und jemand anderes hat dann eine Freude damit.“ Die Prämisse: Die „Second-Hand-Tracht“ muss gereinigt sein und darf keine Mottenlöcher haben.

Zweitblusen: Ein Dirndl, verschiedene Looks
Ein weiterer Trend, der sich durchsetzt: Zweitschürzen und -blusen. „Damit kann man das Dirndl in unterschiedlichen Kombinationen tragen.“ Besonders beliebt seien laut Schmid im Moment hochgeschlossene Blusen, wie sie erzählt. „Aufgrund der edlen Optik.“ In naher Zukunft erweitert sich die Liste der insgesamt 315 steirischen Damentrachten zudem um einen Neuzugang. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit entwickelt eine Modeschülerin gerade in Zusammenarbeit mit dem Heimatwerk die „Leutschacher Alltagstracht“. „Das wäre dann Nummer 316“, freut sich Schmid.
Bei den Kärntner Nachbarn sind unterdessen im Moment 80 Trachten dokumentiert, nahezu jedes Tal pflegt dort eine eigene Farb- und Mustervariation. Was in der Steiermark das Ausseer-Dirndl ist, ist in Kärnten das Blaupunkt-Dirndl. Der Leibkittel aus dunkelblauem Baumwollstoff und weißen Tupfen gehört zu den bekanntesten Dirndlvariationen.