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Sind die Preise jetzt zu hoch oder zu niedrig?

Während Landwirt Andreas Klingbacher sagt, die Lebensmittel im Supermarkt seien viel zu günstig, können sich immer mehr Konsumenten die Produkte nicht mehr leisten.

Bei der Lebensmittelausgabe der Caritas werden wöchentlich rund 300 Familien versorgt.
© Klz / Daniel Winter
Bei der Lebensmittelausgabe der Caritas werden wöchentlich rund 300 Familien versorgt.

Auf 830 Meter Seehöhe auf seinem Bauernhof mit Hund, Katze und Kühen sagt Andreas Klingbacher: „Die Gesellschaft misst unseren Lebensmitteln einfach nicht den richtigen Wert bei, das zeigen die Preise im Supermarkt.“ Und während Klingbacher von Kosten, Ausgaben und Inflation erzählt, schiebt sich eine Kuh nach der anderen durch den Stall. Sie alle warten auf die zehn Minuten am Tag, die für den Landwirt in St. Radegund die Existenz bedeuten – die Melkzeit. 8000 Euro im Monat verdient Klingbacher mit seinem Milchbetrieb. „Nach Abzug aller Kosten für den Betrieb kann ich froh sein, wenn 1000 Euro für mich überbleiben“, sagt er. In manchen Monaten steigt er mit einer glatten Null aus, in anderen macht er einen Verlust. Von der Landwirtschaftskammer heißt es, dass Bauern in der Steiermark nach Abzug der Sozialversicherung 11,30 Euro pro Stunde verdienen. Reich werden Bauern mit ihren Produkten also nicht. 

Und trotzdem sagt Wilma Lehner (Name von der Redaktion geändert) bei der Lebensmittelausgabe der Caritas Graz: Lebensmittel sind seit den gestiegenen Miet- und Energiekosten für sie unleistbar geworden. „Das merkt man schon bei Alltäglichem. Als die Butter drei Euro gekostet hat, konnte ich sie mir einfach nicht leisten.“ Lehner bezieht Mindestpension und ist eine von rund 170.000 armutsbetroffenen Menschen in der Steiermark, für die das tägliche Essen am Teller zur Herausforderung geworden ist. Ihre Miete hat sich innerhalb der letzten zwanzig Jahre fast verdoppelt. „Ich zahle fast 700 Euro. Das ist mehr als die Hälfte meiner Pension. Ich komme nur aufgrund dieser Hilfe hier über die Runden“, sagt Lehner, die zwei Bündel Petersilie miteinander vergleicht. Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: „Ganz am Anfang habe ich mich so geschämt, hierherzukommen. Aber mittlerweile bin ich einfach nur dankbar.“

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Bauer Andreas Klingbacher steht im Stall vor seinen Kühen.
Nach dem Melken füttert Andreas Klingbacher die Kühe mit Heu. © Klz / Daniel Winter

Knochenjob in der Landwirtschaft

Klingbacher und Lehner haben etwas gemeinsam: Für beide sind die Preise im Supermarkt eine Belastung. Für Lehner sind sie viel zu hoch, für Klingbacher zu niedrig. Vor 25 Jahren hat Klingbacher den Hof von seinen Großeltern übernommen. Seither heißt es: Montag bis Samstag von 5.30 bis 19 Uhr Stall putzen, Kühe melken, Tiere versorgen und vieles mehr. Am Sonntag wird nur der Stall gemacht. „Vier Stunden, mehr nicht. Der Rest vom Tag gehört der Familie.“

© Klz / Daniel Winter

Es bleibt wenig Zeit für Erholung. Klingbacher greift sich eine Schaufel, das graue T-Shirt hat er in seine Hose gesteckt, die Gummistiefel hat er seit Stunden über die Schienbeine gezogen. „Jetzt gibt es Leckerlis für unsere Damen“, sagt er und schiebt eine Fuhr Getreide in das Heu. Die Kühe schlecken es auf, während allmählich die Sonnenstrahlen über den Stall wandern. Es ist 7.30 Uhr und Klingbacher achtet penibel darauf, dass jede seiner 17 Kühe, von denen er Namen, Geschmäcker und Besonderheiten kennt, genug bekommt.

Immer mehr haben mit den Preisen zu kämpfen

Lehner packt währenddessen 18,8 Kilometer weiter südlich in Graz Spargel, Petersilie und Pilzravioli in ihren hüfthohen Einkaufstrolley. Sie ist nicht die Einzige, die an diesem Tag ein Lebensmittelpaket abholt, das von Ehrenamtlichen geprüft, sortiert und ausgeteilt wird. Laut Caritas-Abteilungsleiterin Eva Bakalli merke man seit einem Dreivierteljahr, dass immer mehr Personen um eine Berechtigung zur Lebensmittelverteilung bei der Caritas anfragen. „Es sind vorwiegend Alleinerzieherinnen, Familien und Mindestpensionsbezieher, die zu uns kommen.“ Die Lebensmittel werden von Supermärkten, Unternehmen und Bäckern zur Verfügung gestellt, die sonst im Müll landen würden. Auch kleine landwirtschaftliche Betriebe spenden immer wieder jene Lebensmittel, die in gutem Zustand sind, aber vom Handel aufgrund einer Größe oder Farbe außerhalb der Norm nicht angenommen werden. Die Caritas versorgt am Standort rund 300 Familien wöchentlich mit Lebensmittelpaketen.

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Blick von oben auf die Lebensmittelausgabe der Caritas.
In der Essensausgabe der Caritas werden alle Lebensmittel sortiert und fair ausgeteilt. © Klz / Daniel Winter

Es verschiebt sich also etwas. Zahlen der AMA zeigen: Im Jahr 1996 lag der Preis für ein Kilogramm Milch in Österreich bei 27 Cent, im Jahr 2026 bei 45 Cent. Berücksichtigt man gestiegene Kosten in anderen Bereichen der Landwirtschaft, bekommt der Bauer mittlerweile weniger für seine Milch. Biobauer Klingbacher sagt: „Meine Großeltern konnten mit fünf Kühen am Hof beide leben, heute habe ich 17 Kühe und meine Partnerin geht arbeiten.“ Eine Studie des WIFO von Dezember 2025 zeigt: Nur vier von 100 Euro für Lebensmittel landen bei Bauern. Mehr als ein Drittel landen direkt oder indirekt im Ausland. Klingbacher sagt: Alle, die es sich leisten können, sollen bitte regional kaufen. Und Lehner? Sie geht einmal wöchentlich zur Lebensmittelvergabe der Caritas, die ihr den Speiseplan für die gesamte Woche vorgibt.