Erfolgreiche Wiederaufforstung nach Waldbrand im Raxgebiet
Knapp fünf Jahre nach einem der größten Waldbrände in Österreich sind die Spuren in Hirschwang in der Marktgemeinde Reichenau an der Rax (Bezirk Neunkirchen) nach wie vor zu sehen. Die Wiederaufforstung - gesetzt wird auf Mischwald und resiliente Arten - läuft bisher erfolgreich. "Wir hoffen, dass viel Biodiversität entsteht", sagte Wiens Forstdirektorin Petra Wagner. Bis sich der Wald von dem Brand erholt hat, wird es aber noch mehrere Jahrzehnte dauern.

Am 25. Oktober 2021 war am Mittagsteig in Hirschwang ein Feuer ausgebrochen, das sich auf rund 115 Hektar ausbreitete. In steilem und felsigem Gelände wurde laut Feuerwehrangaben einer der aufwendigsten Einsätze zur Waldbrandbekämpfung der vergangenen Jahrzehnte durchgeführt. Fast 9.000 Helfer waren beteiligt. Erst am 6. November 2021 konnte "Brand aus" gegeben werden. Die betroffene Fläche steht im Eigentum der Stadt Wien und dient als Quellenschutzwald. Durch Bodenfeuer wurden Sträucher und Jungpflanzen zerstört. Teilweise kam es auch zu Kronenfeuer, wodurch zahlreiche ältere Bäume abstarben. Bestandslücken, die schon vor dem Brand zur Waldverjüngung angelegt wurden, sorgten jedoch dafür, dass die Brandintensität geringer war, sagte Georg Gratzer vom Institut für Waldökologie an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien.
"Das gesamte Ausmaß war unmittelbar nach dem Brand noch nicht zu erkennen", sagte Wagner. Zunächst hatten viele Bäume "wieder ausgetrieben und vital gewirkt", berichtete auch Gratzer. Nach einem heißen und trockenen Sommer starben einige aber ab - vor allem Buchen, die nicht so eine dicke Rinde wie die dort vorherrschenden Schwarzkiefern als Schutz für die sensible Wachstumszone haben.
Ziel der Wiederaufforstung ist, den Wald wiederherzustellen und resilienter zu machen. Waren bisher vor allem Schwarzkiefern vorherrschend, so setzt man nun auf mehr Laubholz und verschiedene Arten - etwa Walnuss, Zitterpappel, Bergahorn, Mehlbeere, Sal-Weide und Birke. "Mischwald ist 'klimafitter' und resilienter gegenüber Krankheiten", erläuterte Wagner.
Nach dem Brand wurden abgestorbene Bäume gefällt sowie als Erosionsschutz und zur Verminderung von Steinschlägen im Wald liegen gelassen. Totholz spiele auch eine wichtige Rolle für die Biodiversität, betonte Gratzer. 2022 wurden rund 500 Kilo an Saatgut mit verschiedenen Grasarten ausgesät. Die Mischung sei "sehr gut angewachsen", berichtete Wagner. Ausgebracht wurde das Saatgut händisch, zum Teil kamen dabei auch Pferde zum Einsatz.
"Wir haben bereits sehr viel aufgeforstet", zog Wagner eine Zwischenbilanz. 10.000 Pflanzen wurden gesetzt. Teilweise wurden Walnüsse in den Boden gesteckt, teilweise wurden auch Nüsse in der Region gesammelt, zum Keimen gebracht und gepflanzt. Aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe bleibt diese Baumart oft von Wildverbiss verschont. Durch Schwerpunktbejagung sollen Schäden durch zu viel Verbiss an Laubblättern - etwa durch Gams und Reh - auf den Flächen reduziert werden.
"Wir vertrauen auch auf Naturverjüngung", erläuterte Wagner. Gebaut wurden "Häher-Tankstellen" - dazu wurden Holzkisten mit Saatgut an Baumstämmen angebracht, damit die Vögel beim Verbreiten der Samen helfen. Die Verjüngung sei recht artenreich. "Die Aufforstung war bisher absolut erfolgreich", man habe "alles richtig gemacht nach dem Feuer", sagte Gratzer.
"Der Wald wird sich sicher wieder erholen", ist Wagner überzeugt. Bis der Zustand vor dem Feuer wiederhergestellt ist, werde es aber wohl beinahe 100 Jahre dauern. Die Entwicklung wird - aufgrund des unwegsamen Geländes zum Teil auch mittels Drohnen - laufend beobachtet. In 20 bis 30 Jahren werden acht bis zehn Meter hohe Bäume gewachsen sein, so Gratzer.
Heuer wurden bereits deutlich mehr Waldbrände in Österreich verzeichnet als im gesamten Vorjahr: Rund 400 waren es laut der entsprechenden Datenbank der BOKU bereits in diesem Jahr, 2025 in Summe 196. Eine erhöhte bis hohe Gefährdung besteht laut der Risikokarte vor allem für das östliche Niederösterreich, Teile Kärntens sowie inneralpine Trockentäler Tirols. In den meisten Bezirken Österreichs sind bereits Waldbrandverordnungen in Kraft, bei einem Verstoß droht eine Geld- oder Freiheitsstrafe.
Trockenheit und Hitze schaffen zwar besonders gefährliche Bedingungen für die Entstehung und Ausbreitung der Flammen - verursacht werden 83 Prozent aller Waldbrände in Österreich jedoch durch menschliches Verhalten, hieß es kürzlich vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. "Es ist ganz wichtig, in die Köpfe zu bringen, dass man sprichwörtlich nicht mit dem Feuer spielen soll", verwies Wagner auf die Bedeutung von Aufklärung und Prävention - speziell auch für Ausflügler ins Höllental. Um für den Fall eines Waldbrandes noch besser gerüstet zu sein, wurden Zisternen und Wasserwerfer angeschafft. Vonseiten des Landes Niederösterreich und der Feuerwehr wurden Spezialfahrzeuge und -ausrüstung in den Dienst gestellt, gezielt Spezialkräfte ausgebildet und Waldfachpläne für effiziente Waldbrandbekämpfung ausgearbeitet. Im Rahmen einer vor kurzem präsentierten Schwerpunkt-Kampagne zur Prävention werden Gemeinden Warn-Transparente zur Verfügung gestellt.
Derzeit verursachen laut Gratzer Borkenkäfer und Stürme mehr Schäden als Waldbrände in Österreich. Feuer werde in Weltgegenden, wo es häufig vorkommt und zum Ökosystem gehört, stark unterdrückt, sei aber prinzipiell ein Teil des Kreislaufs, hielt er fest. "Waldökosysteme, die sich über lange Zeiträume an Feuer angepasst haben, können mit solchen Störungen umgehen", sagte der Experte. In anderen Ländern wie etwa in Australien sei ein kontrolliertes Abbrennen üblich, um das Brennmaterial zu reduzieren. Der Klimawandel verlängert allerdings den Zeitraum, in dem Feuer entstehen können. Hitze und Trockenheit würden künftig "so massiv werden, dass es herausfordernd wird - gerade im Osten Österreichs", warnte der Professor, der betonte: "Alle Maßnahmen, die die Ursachenbekämpfung von Klimawandel verzögern, sind unverantwortlich."
Als mögliche Ursachen für den Brand in Hirschwang wurden Zigarettenglut oder ein schlecht gelöschtes offenes Feuer ermittelt. Nach einer Funkzellenauswertung wurden Handybesitzer kontaktiert, die sich beim Ausbruch der Flammen in der Gegend befunden hatten. Dennoch konnte kein Verdächtiger ausgeforscht werden. Das Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter wurde im April 2023 abgebrochen, sagte Markus Bauer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt.