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Warum Armin Assinger die Millionenshow an die Mausefalle erinnert

Ex-Skiprofi und Millionenshow-Moderator Armin Assinger erzählt, warum Graz für ihn perfekt ist, was er über ein mögliches Aus des ORF-Erfolgsformats denkt und was man von der Streif fürs Leben lernen kann.

Gerade aus dem Flieger gehüpft, schon beim Kleine-Zeitung-Interview: Armin Assinger
© Klz / Stefan Pajman
Gerade aus dem Flieger gehüpft, schon beim Kleine-Zeitung-Interview: Armin Assinger
Nina Müller
Bundesland Steiermark | Graz

Herr Assinger, wir haben uns fürs Sommergespräch hier am Grazer Flughafen verabredet. Wie viel Zeit verbringen Sie hier?

Das Reisen bringt halt der Job mit sich. Die Millionenshow wird in Köln aufgezeichnet, von dort fahre ich mit dem Zug nach Frankfurt und fliege nach Graz. Dafür ist mein zweiter Wohnsitz, hier mit meiner Frau Sandra im Süden von Graz, einfach perfekt. Wir wohnen nur ein paar Minuten vom Flughafen entfernt.

Jetzt sind Sie gerade mit einer Maschine aus Wien angekommen. Tangiert es Sie, dass die Verbindung bald eingestellt wird?

Ja, schon, ist aber eine wirtschaftliche Frage für die AUA. Die Zugverbindung über den Semmering dauert halt wirklich lange, drei Stunden ab Graz. Das wird sich aber mit dem Semmeringtunnel sicherlich deutlich verbessern.

Sie sind in Graz geboren, aber in Hermagor aufgewachsen. Darf man Sie als Grazer bezeichnen?

Wenn man gebürtiger Grazer ist, hat man irgendwie steirisches Blut in den Adern. Meine Eltern waren beruflich bedingt in Graz, mit einem Jahr sind wir zurück nach Kärnten. Vielleicht bezeichnet man mich am besten als Wahlgrazer oder so. Seit zwölf Jahren habe ich hier einen Zweitwohnsitz und mir taugt‘s sehr.

Was taugt ihnen an Graz?

Graz ist noch überschaubar. Ich bin ja kein Großstadtmensch, das halte ich überhaupt nicht aus. Graz ist … jetzt muss ich aufpassen, was ich sag‘ … Graz liegt vielleicht in der Provinz, ist aber nicht provinziell, meines Erachtens. Und es ist einfach schön da, du hast sämtliche Angebote kultureller Natur, ein tolles Sportangebot mit zwei Bundesligavereinen und den 99ers, verkehrstechnisch liegst du gut: Perfekt für meine Frau und mich.

Kann man sagen, dass Graz mittlerweile die heimliche Hauptstadt von Kärnten geworden ist?

Es sind natürlich sehr viele Kärntner da, ja. Durch das Zusammenführen mit der Koralmbahn könnte man sagen, Graz ist die Vorstadt von Klagenfurt. Oder: Klagenfurt ist die Vorstadt von Graz. Jetzt hab‘ ich die Kurve noch gut gekratzt, oder?

Die Millionenshow moderiert Armin Assinger seit 2002 (!). Im Bild: Christoph Götzendorfer, der 2020 der bislang letzte Millionär in der Show wurde
© ORF/Günther Pichlkostner
Die Millionenshow moderiert Armin Assinger seit 2002 (!). Im Bild: Christoph Götzendorfer, der 2020 der bislang letzte Millionär in der Show wurde

Gerade kommen Sie von einer Aufzeichnung der Millionenshow zurück – seit 2002 haben Sie acht Menschen quasi zum Millionär gemacht? Muss ein gutes Gefühl sein, oder?

Seit der 112. Folge habe ich die Ehre. Das ist schon brutal lange, ein Vierteljahrhundert, wenn man so denkt. Das ist irre. Man darf nie vergessen, dass die Sendung ja das Leben eines Menschen komplett verändern kann. Das hat bei mir immer eine gewisse Demut erzeugt in meinem Job. Sehr unangenehm ist es mir, wenn jemand auf Null hinunterzufallen droht. Das versuche ich abzuwenden. Ist mir leider zwei, drei Mal nicht gelungen, weil ich beim Helfen auch falsch gelegen bin. Der letzte Nuller ist aber schon mehr als 20 Jahre her, doch merken tu ich es mir ewig.

Längst kann man sich die Show nicht ohne Sie vorstellen, am Anfang haben Sie aber als eher ungewöhnlicher Kandidat für den Job gegolten. Wie ist es dazu gekommen?

Es gab ein internes ORF-Casting, da wurde ein breites Spektrum an Leuten abgetestet. Der Dieter Chmelar, der Robert Kratky, der Dorian Steidl, Wolfram Pirchner, Oliver Auspitz, ich und Roland Adrowitzer. Glücklicherweise für mich bin ich da als Erstgereihter hervorgegangen.

Hätten Sie sich das jemals gedacht, dass das dann so lange geht?

Niemals. Ich bin mit der Vorstellung hingefahren, eine Duftmarke zu setzen. Eine kleine Unterhaltungssendung namens „Glück gehabt“ habe ich damals schon moderiert. Vielleicht war das auch der richtige Zugang. Ich hatte noch eine Sommergrippe, zwei Parkemed intus. Meine Art war was Neues, Mundart hat in einer Prime-Time-Show keiner gekannt, ich habe halt geredet, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

Gerade gibt es Gerüchte, dass der ORF die Millionenshow möglicherweise einspart …

Ehrlicherweise kann ich da gar nichts dazu sagen. 2027 läuft es auf jeden Fall noch weiter, weil wir heuer vier Aufzeichnungen ins nächste Jahr gezogen haben. Dann schauen wir einmal, was passiert. Man kann ja nicht mehr tun als abwarten und Kaffee trinken in diesem Fall. Es wäre jedenfalls schade – dann hätte der ORF gar kein eigenes Quiz mehr. Das Format ist am Montagabend etabliert, was bringt man da als Ersatzprogramm, noch mehr Landkrimis? Und wenn man etwas Neues entwickelt, kostet das viel Geld, und man weiß nicht, ob es besser funktioniert.

„Da pfeifen die Komantschen“: Nach seiner Skikarriere dockte Assinger beim ORF als Co-Kommentator an – mit ORF-Sportmoderator Robert Seeger trat er als kongeniales Duo auf (hier bei der Alpinen Ski-WM St. Anton 2001)
© APA / Thomas Ramstorfer
„Da pfeifen die Komantschen“: Nach seiner Skikarriere dockte Assinger beim ORF als Co-Kommentator an – mit ORF-Sportmoderator Robert Seeger trat er als kongeniales Duo auf (hier bei der Alpinen Ski-WM St. Anton 2001)

Statt der Zukunft springen wir weiter in die Vergangenheit. Wie Sie als Co-Kommentator begonnen haben, ist auch spannend – denn das gab es in der Form davor gar nicht, oder?

Bis dahin hat es nur anlassbezogen Co-Kommentatoren gegeben, aber da war keine Kontinuität drinnen. In den USA haben sie das schon länger gemacht. Ich habe das dem damaligen Sportchef Elmar Oberhauser vorgeschlagen und er hat „ja“ gesagt. Ich will mich da nicht hervortun, aber ich glaube, dass ich schon zu einem gewissen Teil ein Wegbereiter war.

Und zu den Helmkamera-Pionieren haben Sie auch gehört, oder?

Das war keine Helmkamera, sondern eine zwölf Kilo schwere, die ich in der Hand gehalten habe. Ein Gürtel mit den Akkus drauf und dann bin ich heruntergefahren. Heute haben sie eine leichte GoPro oder so etwas Ähnliches.

Fiebern Sie privat vor dem Fernseher auch so mit?

Live fängt dich die Atmosphäre natürlich noch viel mehr ein, aber bei den Pflichtterminen werden die Daumen natürlich gedrückt, bis sie blau werden.

Woher kam eigentlich der Spruch „Da pfeifen die Komantschen“?

Ich weiß gar nicht, ob man den Ausdruck heutzutage noch verwenden darf, es ist einfach eine Bezeichnung für Situationen, in denen es zur Sache geht. Ich habe ihn von Charly Kahr (Cheftrainer der ÖSV-Abfahrer von 1976 bis 1985, Anm.) übernommen. Er war einer meiner ersten Trainer, insofern war das vielleicht sogar eine Hommage an ihn. Ich glaube, er hat eine Freude gehabt, dass der Spruch weiterhin im Skizirkus bestanden hat.

Was bedeutet es für das spätere Leben, wenn man ein Hochleistungssportler war? Bleibt man das von der Einstellung her ein Leben lang?

Eine Lebensgefahr wie beim Skifahren nimmt man natürlich nicht mehr in Kauf. Aber der Leistungsgedanke spielt natürlich weiterhin eine Rolle. Man ist zielgerichtet unterwegs, gibt 100 Prozent. Das hat mir der Hochleistungssport beigebracht, wie auch vielen anderen. Wenn es halbwegs gelingt, den Geist mitzunehmen ins normale Leben, wird man auch dort halbwegs erfolgreich sein. Deshalb ist der Sport auch die beste Lebensschule, ganz besonders für unsere Kinder: Sie lernen diszipliniert zu sein, den Gegner zu achten, lernen, was es heißt, sich gegen Widerstände zu behaupten, durchzuhalten und vor allem lernen sie verlieren. Niederlagen sind wesentlich lehrreicher als Siege. All diese und noch einige mehr Eigenschaften und Attribute sind Bestandteil unseres Lebens. Deshalb nochmals: Kinder zum Sport – und es kann dabei ruhig um etwas gehen.

Sie arbeiten auch als Motivations-Vortragender, was wollen Sie den Menschen da mitgeben?

Ich vergleiche dabei eine Fahrt auf der Streif mit unser aller Leben. Wie startet man in eine Herausforderung, wie behält man seine persönliche Lebenslinie auch bei widrigen Verhältnissen bei, wann kann man durchatmen, wann muss man sich überwinden und wie komme ich durch all die Mausefallen, die das Leben mir aufstellt? Studium oder Arbeit, Heirat, Familiengründung, Jobwechsel oder gar Jobverlust, Verlust eines geliebten Menschen oder auch der Gang in die Pension, das alles sind Mausefallen wie auf der Streif. Da müssen wir durch!

Wo auf der Streif sind Sie gerade im Leben unterwegs?

Ich könnte vom Alter her sagen, dass ich eigentlich schon im Zielschuss bin. Andererseits glaube ich, dass ich immer wieder am Start stehe und dass immer wieder eine neue Streif auf mich zukommt! Die Situation um die Millionenshow ist auch ähnlich der Mausefalle: Ich weiß nicht genau, wie es weitergeht, aber ich bin bereit, sie zu bestehen.

Aber Richtung Pension denken Sie mit 62 noch nicht, oder?

Was ist das, Pension?

Zur Person

Armin Assinger erreichte als Skirennläufer vier Weltcupsiege in Super-G und Abfahrt. 1995 beendete er seine Karriere, seither ist er Co-Kommentator bei Skirennen. Seit 1999 moderiert er verschiedene Fernsehshows im ORF, unter anderem die Millionenshow, zu sehen. Er wurde achtmal mit dem Fernsehpreis Romy ausgezeichnet. Assinger wurde 1964 in Graz geboren, wuchs aber in Hermagor auf. Er lebt in Hermagor und im Süden von Graz.