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Seit fast 30 Jahren rettet er am Wörthersee Leben

Gerald Glanznig ist seit 1999 Wasserretter aus Leidenschaft. Der 40-Jährige aus Pörtschach bildet Schiffsführer aus, koordiniert Einsätze und ist auch dann zur Stelle, wenn jede Hilfe zu spät kommt.

Gerald Glanznig, Mitglied der Wasserrettung Pörtschach
© Peter Rass
Gerald Glanznig, Mitglied der Wasserrettung Pörtschach
Peter Rass

Sechs Tage Schichtdienst, danach drei Tage frei. Wobei „frei“ bei Gerald Glanznig ein dehnbarer Begriff ist. Oft ist er dann bereits wieder für die Wasserrettung in Pörtschach unterwegs. „Ich habe wohl ein Helfersyndrom“, sagt er lächelnd. Seine Selbstdiagnose bedeutet: 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr bereit zu sein, wenn Menschen Hilfe brauchen.

Glanznig wuchs in Pörtschach auf und kam 1999 zur Österreichischen Wasserrettung (ÖWR). Boote faszinierten ihn bereits als Kind. Was lag also näher, als diese Leidenschaft mit seinem Wunsch zu helfen zu verbinden? Mit zahlreichen Prüfungen arbeitete er sich zum stellvertretenden Einsatzstellenleiter hoch. Als Nautikinstruktor bildet er in ganz Kärnten angehende ÖWR-Schiffsführer aus und nimmt deren Prüfungen ab.

So arbeitet die Wasserrettung

Teamgeist motiviert, an die Grenzen zu gehen

Im Vorstand der Pörtschacher Wasserrettung ist er für die Koordination von 69 Ehrenamtlichen mitverantwortlich. „Es sei der starke Teamgeist, der alle motiviert, auch in schwierigen Situationen an ihre Grenzen zu gehen, das ist Voraussetzung für gemeinsame Erfolge“, sagt Glanznig. Wie viel dahintersteckt, zeigen die Zahlen: bis Mitte August rückte die ÖWR Pörtschach heuer bereits 40 Mal aus und leistete rund 10.000 freiwillige Stunden. Im gesamten Vorjahr waren es 35 Einsätze. Warum nimmt Glanznig das alles auf sich? Er möchte Menschen Sicherheit geben und ihnen zeigen, dass jemand da ist, wenn ein unbeschwerter Tag am See plötzlich zur Notsituation wird.

Auch beruflich ist der gelernte Mechatroniker gefordert. Bei Infineon leitet er in der Instandhaltung ein Team von fünf Mitarbeitern. Viele seiner drei freien Tage nach jeweils sechs Arbeitstagen gehören dennoch der Wasserrettung. Seine Frau Angelika hält ihm dafür den Rücken frei. Tochter Valentina hat seine Begeisterung bereits geerbt: Die Zehnjährige gehört mit zehn weiteren Kindern zur nächsten Generation der Wasserretterinnen in Pörtschach.

Wasserrettung Pörtschach

69 Ehrenamtliche sind Teil der Einheit in Pörtschach. Bis Mitte August rückte die ÖWR Pörtschach heuer bereits 40 Mal aus und leistete rund 10.000 freiwillige Stunden. Im gesamten Vorjahr waren es 35 Einsätze.

Viele Einsätze prägen

Bei der Erinnerung an seinen schwierigsten Einsatz wird der sonst so kommunikative Wasserretter still. Vor mehr als 20 Jahren stürzte während eines Kindergeburtstags auf einem Motorboot die Mutter über die Reling. Sie geriet unter das Boot und überlebte nicht. Geblieben sind Glanznig die fassungslosen, leeren Blicke der Kinder. Solche Erlebnisse bewältige man nur, indem man im Team darüber spricht und professionelle Unterstützung annimmt.

Auch tagelange, erfolglose Suchen nach Vermissten bringen die Helfer an ihre psychischen und körperlichen Grenzen. Der Wunsch, den Angehörigen Gewissheit zu geben, lässt sie dennoch weitermachen. Zum Glück, sagt Glanznig, gehen die meisten Einsätze glimpflich aus. Dann genügt oft ein erleichterter Blick oder ein aufrichtiges Danke. In solchen Momenten wird ihm wieder bewusst, warum er seine Freizeit dafür einsetzt. Nicht für Anerkennung und nicht für Applaus – sondern weil es ihm wichtig ist, da zu sein, wenn Hilfe gebraucht wird.