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Wasserretter am Wörthersee: „Wir sind ja kein Tauchclub“

Sommer, Sonne, Badespaß – ein heißer Sommertag bedeutet für die Wasserrettung absolute Hochkonjunktur. Die Kleine Zeitung schaute einen Tag den Einsatzkräften in Krumpendorf über die Schulter.

Gerade, wenn Schlechtwetter aufzieht, werfen die Krumpendorfer Wasserretter ein Auge mehr auf das Wasser
© Thomas Hude
Gerade, wenn Schlechtwetter aufzieht, werfen die Krumpendorfer Wasserretter ein Auge mehr auf das Wasser
Petra Eggerer
Redakteurin Regionalredaktion Klagenfurt

Es steht ein weiterer heißer Sommertag bevor. Die Meteorologen sagen Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Grenze und am späten Nachmittag Wärmegewitter voraus. Dementsprechend gut besucht ist an einem solchen Tag das Parkbad in Krumpendorf am Wörthersee – vor allem am Wochenende. „Da zählen wir schon 2500 Badegäste und mehr“, weiß Roman Pohovnikar – er leitet das gemeindeeigene Bad – aus Erfahrung. Die Einsatzkräfte der Wasserrettung Krumpendorf können von einem erholsamen Tag am Ufer des Wörthersees aber nur träumen. Von ihnen fordert dieser Tag höchste Aufmerksamkeit, von der „Baywatch“-Idylle bleibt wenig übrig.

Gegen 10 Uhr morgens – das Parkbad ist bereits gut gefüllt – melden sich die eingeteilten Wasserretter zum Dienst. „Unter der Woche sind wir nur auf Bereitschaft. Über einen Alarm am Handy werden wir informiert. Wer in der Nähe ist und Zeit hat, rückt dann aus“, erklärt Rudolf Beschliesser, Leiter der Einsatzstelle, die rund 60 aktive Mitglieder zählt – die Frauenquote lässt allerdings zu wünschen übrig. „Wir sind ja alle Ehrenamtliche, die unter der Woche einer Arbeit nachgehen. Am Wochenende gibt es ein Dienstrad.“ Auch Thomas Kornprat ist an diesem Wochenende eingeteilt, der Familienvater hat an diesem Tag sogar die Verantwortung übernommen.

Wasserretter im Einsatz: Thomas Kornprat, Johanna und Bernhard Sumper, Martin Rupacher, Rudolf Beschliesser sowie Roman Pohovnikar, der ebenfalls Mitglied der Österreichischen Wasserrettung ist
© Thomas Hude
Wasserretter im Einsatz: Thomas Kornprat, Johanna und Bernhard Sumper, Martin Rupacher, Rudolf Beschliesser sowie Roman Pohovnikar, der ebenfalls Mitglied der Österreichischen Wasserrettung ist

Noch ist alles ruhig. Mit einem wachsamen Auge auf das Geschehen im Wasser kontrolliert der 42-Jährige das Boot, das im Bootshaus der Wasserrettung direkt im Bad liegt. „Ich schau, ob es einsatzfähig ist und alles vollständig ist“, wirft er einen genauen Blick auf die beiden Schnelltauchgeräte, den Erste-Hilfe-Koffer, den Defibrillator und das Sauerstoffgerät an Bord. Mittlerweile ist auch Martin Rupacher vor Ort. Trotz seiner erst 24 Jahre darf sich Rupacher bereits Einsatzstellenleiter-Stellvertreter nennen. Ihm wurde die Liebe zur Wasserrettung sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Der Krumpendorfer durchlief die klassische Karriere eines Wasserretters. Im Alter von 13 Jahren absolvierte er den Helferschein, zwei Jahre den Retterschein, danach das Einsatzseminar und in weitere Folge diverse Spezialausbildungen zum Basistaucher, Schwimmlehrer, Fließwasserretter, Rettungsschwimmlehrer und Schiffsführer.

Immer mehr Boote am Wasser

Rupacher und Kornprat unternehmen die erste Kontrollfahrt im Einsatzgebiet, das vom Kropfitschbad bis Walterskirchen reicht. Zwei weitere dieser Fahrten folgen noch an diesem Tag. Es ist der Bootsverkehr am Wasser, der in den letzten Jahren stark zugenommen hat und den Einsatzkräften vermehrt Kopfzerbrechen bereitet. Und nicht nur das. „Es sind die Stand-up-Paddler und Wing-Surfer, die immer öfter in die Uferzonen fahren“, erzählt Beschliesser, der im Jahr 1982 durch seine Ehefrau Helga als Quereinsteiger zur Wasserrettung stieß und heute für die organisatorischen Belange der Einsatzstelle verantwortlich ist.

Thomas Kornprat kontrolliert seine Tauchausrüstung täglich
© Thomas Hude
Thomas Kornprat kontrolliert seine Tauchausrüstung täglich

Zurück auf das Boot, das mittlerweile wieder zurück ist. Vom Bootssteg aus beobachten Rupacher und Kornprat das Treiben im Wasser, das während ihrer Ausfahrt stark zugenommen hat. Die Einsatzkräfte sind gefordert. „Wir dürfen aber niemanden daran hindern, in das Wasser zu gehen“, erklärt Kornprat – auch nicht, wenn dieser offensichtlich (aus welchen Gründen auch immer) nicht mehr dazu in der Lage ist. Erst in einer Notsituation – wenn die Person zu ertrinken droht – dürfen die Wasserretter aktiv werden.

Aktiv werden sie aber um 15.24 Uhr, als die erste Alarmierung durch die Landesalarm- und Warnzentrale (kurz LAWZ). „Ein Elektroboot ist manövrierunfähig“, erklärt Kornprat und springt in das Boot. Diesmal sind auch Johanna und Bernhard Sumper dabei. Mitten am See, zwischen Maiernigg und dem Kropfitschbad warten zwei Personen schon sehnsüchtig auf Hilfe, ihnen ist der Strom ausgegangen. Die Helfer binden das Boot an und ziehen es zurück zum Kropfitschbad, von wo aus die beiden den Ausflug gestartet haben.

Gerettete sind nicht immer dankbar

Nur 31 Minuten später folgt die nächste Alarmierung. In einer Bucht ist ebenfalls einem Elektroboot der Strom ausgegangen. Der Fahrer wartet aber schon länger auf Hilfe und ein Gewitter ist im Anmarsch. Deshalb holen die Helfer den Mann auf das Einsatzboot und ziehen das Boot zurück in die Marina. Der Gerettete bedankt sich. „Das ist aber nicht immer so“, weiß Kornprat aus eigener Erfahrung. Er wollte einen Kitesurfer bei starkem Wind vom Wasser holen – vergebens.

Rund 60 Einsätze absolvieren die Mitglieder der Krumpendorfer Wasserrettung pro Jahr. Nicht alle gehen immer gut aus. So rückten sie beispielsweise vor wenigen Tagen aus, als eine deutsche Urlauberin nach einer Schwimmrunde im Wörthersee nicht mehr zurückkam. Die 79-Jährige trieb leblos im Wasser, für sie kam jede Hilfe zu spät. An ihre Grenzen gingen die Krumpendorfer Einsatzkräfte im Sommer des Vorjahres als ein Gast von einer fahrenden Schwimmplattform im Wörthersee stürzte und starb. „Die Suche war sehr aufwendig und anstrengend, weil das Gebiet, in dem die Leiche vermutet wurde, sehr groß war“, erinnert sich Kornprat. Maximal 20 Minuten darf ein Tauchgang pro Retter dauern, dann kommt der nächste Taucher zum Einsatz. Rund 40 Rettungstaucher waren damals im Einsatz. Zur körperlichen Anstrengung – körperlicher Fitness ist ein Muss – kommt in solchen Fällen die mentale dazu. Zur Verarbeitung solcher Situationen kann aber professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. „Ich mache das aber mit mir selbst aus“, erzählt Rupacher. Übrigens: „Ist eine mögliche Leiche im Spiel, kommt kein Retter unter 18 Jahren zum Einsatz“, erklärt Einsatzstellen-Leiter Beschliesser.

Am späten Nachmittag rücken die Wasserretter noch einmal aus, um einen ermüdeten SUP-Fahrer zu retten
© Thomas Hude
Am späten Nachmittag rücken die Wasserretter noch einmal aus, um einen ermüdeten SUP-Fahrer zu retten

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Das Bad hat sich aufgrund des Wetters geleert und dennoch kommt noch eine Alarmierung. Ein junger SUP-Fahrer hat es aufgrund des Windes nicht mehr zurück geschafft. Noch einmal fährt das Boot aus und bringt den Wassersportler zurück an Land. Offizieller Dienstschluss ist um 19 Uhr. Das Boot wird im Bootshaus gesichert, alles noch einmal gecheckt. „Feierabend“ ist für die Wasserretter dennoch nicht, denn Einsätze gibt es auch in der Nacht.

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