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Aufregung um Führungsstil von steirischer Mittelschul-Direktorin

Diskriminierung, Schikane und die Preisgabe sensibler Daten werden einer Direktorin von Kritikern aus dem eigenen Lehrkörper vorgeworfen. Die Bildungsdirektion lässt prüfen. Aber es gibt nicht nur Gegenwind.

Zwischen einer steirischen Direktorin und einem Teil ihrer Lehrerschaft kriselt es. Die Unruhe zieht weite Kreise über die Gemeindegrenzen hinaus (Sujet)
© APA / Herbert Neubauer
Zwischen einer steirischen Direktorin und einem Teil ihrer Lehrerschaft kriselt es. Die Unruhe zieht weite Kreise über die Gemeindegrenzen hinaus (Sujet)
Julia Schuster
Teamleiterin Regionalredaktion Feldbach

Seit geraumer Zeit brodelt es an einer steirischen Mittelschule. Im Visier einer Gruppe aus dem Lehrkörper steht die eigene Direktorin, gegen die man schwere Geschütze auffährt. In einem anonymen Schreiben an die Bildungsdirektion und die Personalvertretung – es liegt auch der Kleinen Zeitung vor – überzieht man die Vorgesetzte mit einem Schwall an Vorwürfen.

Die Kritik wiegt schwer: Die Direktorin schaffe mit geschlechtsspezifischen Bemerkungen ein diskriminierendes Arbeitsumfeld, wird behauptet, sie benachteilige Quereinsteiger, kritisiere Mütter mit Betreuungspflichten, verbreite sensible persönliche Informationen, grenze aus und schikaniere. Penibelst genau werden die Vorwürfe mit angeblichen Vorkommnissen untermauert. Die Anschuldigungen will eine Lehrkraft gemeinsam mit fünf weiteren Lehrpersonen zusammengetragen haben. Inhaltlich dahinter stünden weitere.

Angst vor Konsequenzen

Die Lehrkraft, die sich mit dem Schreiben an die Kleine Zeitung gewandt hat, möchte anonym bleiben – zu groß sei die Angst vor beruflichen Konsequenzen. Einige Lehrerinnen und Lehrer hätten die Schule schon verlassen, weil sie mit den Folgen des verschlechterten Schulklimas zu kämpfen gehabt hätten. Vor weiteren Abgängen wird gewarnt.

Die Auseinandersetzung hat mittlerweile die Mauern des Konferenzzimmers verlassen. Auch „besorgte Elternteile“ beklagen sich bitter bei der Bildungsdirektion. Sie beschreiben den Umgang der Direktorin in einem Brief, der auch der Kleinen Zeitung vorliegt, als „respektlos, wenig lösungsorientiert und teilweise unangemessen im Kontakt mit Eltern und Schülern“.

Bildungsdirektion prüft

Was ist dran an den Anschuldigungen? Auf Anfrage der Kleinen Zeitung weist die betroffene Direktorin die Vorwürfe zurück und beruft sich auf ein Presseverbot – zuständig sei die Bildungsdirektion. Einen Anwalt habe sie bereits eingeschaltet.

Der Bildungsdirektion sind die Vorwürfe bekannt. „Die zuständige Abteilungsleiterin wurde beauftragt, die Vorwürfe zu prüfen und auch die Dienstrechtsabteilung in der Bildungsdirektion ist damit befasst“, heißt es aus dem Büro.

Direktorenkollege will „moralisch unterstützen“

Dass die Lage an der Mittelschule eskaliert ist, wird bereits in der Gemeindebevölkerung kolportiert. Aber auch darüber hinaus schlägt die Causa Wellen. Als die Kleine Zeitung Donnerstagnachmittag gerade mitten in Recherchen war, meldete sich ein steirischer Direktor, um seine Kollegin „moralisch zu unterstützen“. Er übte harsche Kritik an den Beschwerdeführern: „Das ist eine Schweinerei und unfair.“ Es werde versucht, die Direktorin abzumontieren, dabei würde sie nur „gescheit arbeiten“. Ausgangspunkt der Krise seien maximal fünf Lehrpersonen, die nicht bekämen, was sie wollten.

Auch aus der Schule selbst kommt nicht ausschließlich Kritik. Wenn man tief hineinhorcht, wird die Direktorin auch verteidigt. Sie arbeite transparent und betrachte die Kinder sowie die Qualität des Unterrichts als oberste Priorität. Spannend ist, dass auch von den Verteidigern niemand wagt, mit seinem Namen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Ins Gericht mit den Kritikern geht auch die Elternvereinsobfrau. „Weil immer wieder auf die Direktorin losgegangen wird“, habe sie ebenfalls eine Stellungnahme an die Bildungsdirektion geschickt. Im Schreiben ist von einem „insgesamt sehr positiven Eindruck und einem guten Miteinander“ die Rede. Dass es zwischen Lehrkörper und Leiterin immer wieder Probleme gebe, habe die Obfrau auch mitbekommen, kalmiert aber: „Das ist nichts Aufregendes.“

Auch Titel wird geprüft

Der Streit gipfelt vorerst in einer schwerwiegenden Behauptung, die schon einmal die Runde machte und nun von der Gruppe erneut in den Raum gestellt wird: Die Direktorin habe ihren akademischen Titel im Ausland erworben und dürfe ihn womöglich in Österreich gar nicht rechtsgültig führen. Bereits vor einigen Jahren wurde dieser Vorwurf erhoben und der umstrittene „Plagiatsjäger“ Stefan Weber mit einer Titelprüfung beauftragt. Ein stichhaltiges Ergebnis kam nicht zustande. Die Bildungsdirektion will jetzt auf Nummer sicher gehen und hat eine Prüfung angekündigt.