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Kann Kommunismus auch in Kärnten funktionieren, Frau Kahr?

Die KPÖ möchte 2027 in den Klagenfurter Gemeinderat. KPÖ-Frontfrau und Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr über die Zusammenarbeit mit Klagenfurt, das Thema Wohnen und die Koralmbahn.

„Ich sehe und höre natürlich viele Dinge“, sagt Kahr über die Klagenfurter Stadtpolitik
© Peter Rass
„Ich sehe und höre natürlich viele Dinge“, sagt Kahr über die Klagenfurter Stadtpolitik
Marco-William Ninaus
Teamleiter Regionalredaktion Klagenfurt

Wie gut ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Klagenfurt?

Elke Kahr: Sie läuft gut. Zwischen der Steiermark und Kärnten besteht eine enge Beziehung und die Sorgen und Probleme sind in den Landeshauptstädten ähnlich gelagert. Auf Verwaltungsebene funktioniert die Zusammenarbeit.

Und mit Bürgermeister Christian Scheider?

Ich kenne ihn nicht gut. Es gab zwar Treffen, bei denen wir nach Synergien und Potenzialen gesucht haben, aber die fanden auch eher auf der Beamtenebene statt. Ich sehe und höre natürlich viele Dinge, aber ich bewerte und kommentiere die Arbeit der Politik hier nicht. Mit Scheider selbst habe ich kein Problem. Wenn er etwas braucht, kann er mich selbstverständlich anrufen.

Die KPÖ in Klagenfurt

Wäre die Zusammenarbeit einfacher, gäbe es in Klagenfurt nicht diese politischen Probleme?

Die Arbeit der Politik sollen die Menschen vor Ort bewerten. Aber natürlich tun sich alle leichter, wenn politische Kräfte begreifen, dass sie auf kommunaler Ebene für das Gemeinwohl und die Daseinsvorsorge verantwortlich sind und den Menschen in den Fokus stellen müssen. Daher bin ich der Kärntner und Klagenfurter KPÖ dankbar, dass sie das auch so sieht und sich dafür einsetzt.

Sie waren bei der Präsentation von Spitzenkandidatin Bea Samwald in Klagenfurt dabei. Um ein Zeichen zu setzen?

Wir helfen einander, das war beim Grazer Wahlkampf aber nicht anders, als die Kärntner uns unterstützten. Diesen Zusammenhalt leben wir und nur weil ich die Frau Bürgermeisterin bin, greife ich trotzdem überall an. Wenn wir gebraucht werden, sind wir da.

Funktioniert die KPÖ in Graz wegen Kommunismus oder Kahr?

Unsere Partei zeichnet die Haltung aus, die seit Jahrzehnten überprüfbar ist. Wir machen uns die Sorgen und Nöte der Menschen zu den eigenen und versuchen, sie zu lösen. Aber natürlich braucht es dafür auch die entsprechenden Personen. Fehlen diese, nützen die besten Ideen nichts. In der Kommunalpolitik beschäftigen die Menschen aber nicht immer nur die großen Dinge. Oft geht es einfach nur um ein neues Bankerl auf einem Spielplatz.

Nach dem neuerlichen Wahlerfolg wird die Grazer KPÖ eine Koalition mit den Grünen eingehen
© APA / Hans Klaus Techt
Nach dem neuerlichen Wahlerfolg wird die Grazer KPÖ eine Koalition mit den Grünen eingehen

Und die KPÖ-Herangehensweise funktioniert auch in Kärnten?

Das funktioniert überall dort, wo Menschen, die in die Politik gehen, das auch so sehen.

Die KPÖ setzt ihren Fokus auf das Thema Wohnen. Laut einer Analyse von „ImmoScout24“ ist der Quadratmeterpreis von Mietwohnungen in Klagenfurt um fast zwei Euro höher als in Graz. Macht die Kärntner Landeshauptstadt zu wenig?

In Graz kommen zwei Dinge zusammen: Viele private Bauträger sorgten für ein Überangebot, das in Kombination mit dem gemeinnützigen Sektor zu moderaten Preise führt. Und wir bauen seit 15 Jahren neue Gemeindewohnungen, weshalb es quasi keine Wartezeiten gibt. Und dieser Kreislauf bleibt immer derselbe: Zuerst müssen wir Grundstücke sichern und dann Wohnungen, abhängig vom Budget, entweder selbst bauen oder das Baurecht an eine Genossenschaft übertragen. Diese baut mit Fördermittel des Landes die Einheiten und läuft das Baurecht nach 30 bis 40 Jahren aus, geht das Gebäude ins Eigentum der Stadt über. Diese Lösung hilft einer Kommune und bewährte sich.

SPÖ, Grünen oder die Neos stürzen sich in Klagenfurt ebenfalls auf das Wohnthema. Geht die KPÖ hier damit nicht unter?

Nein, weil die anderen das Thema erst jetzt aufgreifen. Und die Neos sind überhaupt die größten Verkäufer, Privatisierer und haben als neoliberale Partei für öffentlichen Wohnraum nichts übrig. Dabei vergessen viele, dass Gemeindewohnungen keine Sozialwohnungen sind. Sie sind öffentlicher Wohnraum, der Menschen mit mittleren Einkommen genauso zugänglich sein soll. So entstehen keine sozialen Ghettos, sondern eine Durchmischung. Öffentlicher Wohnraum muss im gesamten Stadtgebiet verteilt sein.

Die Menschen wissen die Koralmbahn zu schätzen und sehen sie als Bereicherung.

— Elke Kahr

Thema in Klagenfurt ist auch die Koralmbahn. Spürt man sie in Graz?

Sicher. Die Menschen in Graz freuen sich und in den Straßen sieht man, wie viele Kärntner sich unsere Stadt ansehen. Umgekehrt saßen im Zug nach Klagenfurt viele Grazer und Weststeirer, die mit dem Schiff am Wörthersee oder auf den Pyramidenkogel fahren. Die Menschen wissen die Koralmbahn zu schätzen und sehen sie als Bereicherung.

Blickt die KPÖ auch schon auf die Kärntner Landtagswahl 2028?

Kärnten ist unsere zweite Heimat. Wenn unsere Leute hier Hilfe brauchen, sind wir da.

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