Arktisches Klagenfurt und 108 Stühle: Siegerprojekte der Kulturstiftung
Was verbindet Klagenfurt mit dem Franz-Josef-Land? Und wie können 108 Stühle zum Ort für Dialog werden? Die beiden Siegerprojekte des vierten Calls der Kärntner Kulturstiftung gehen diesen Fragen auf ganz unterschiedliche Weise nach.

Im Jahr 1872 stach die Tegetthoff mit einer 24-köpfigen Mannschaft in See, um das Nordpolarmeer zu erforschen. Nachdem das Schiff im Packeis eingeschlossen wurde, begann die Mannschaft, das Land zu erforschen und entdeckte ein unbewohntes Archipel, das sie Franz-Josef-Land taufte. Als Dank für die Unterstützung der Expedition durch die Kärntner Landeshauptstadt benannten sie außerdem eine der Inseln Klagenfurt. Diese Ereignisse sind Ausgangspunkt des Projekts „Von Klagenfurt nach Klagenfurt“, mit dem Nicole Six, Paul Petritsch und Jeanette Pacher die Jury beim vierten Call der Kärntner Kulturstiftung überzeugten.
Klagenfurt am Polarkreis
Ausgeschrieben war dieser Call zum Thema „Peripherien im Wandel“, insgesamt 64 Einreichungen wurden in einem zweistufigen Verfahren gesichtet, zwei Projekte werden nun mit insgesamt 140.000 Euro unterstützt. Das Künstlerduo Six/Petritsch will gemeinsam mit der Kuratorin Pacher mittels unterschiedlicher Zugänge – Gespräche, Kartografie, Reisejournal, Fotografie, Akustik oder körperliche Erfahrungen – erforschen, was das Kärntner und das arktische Klagenfurt heute verbindet.
Den Auftakt soll eine temporäre Bodenzeichnung des Franz-Josef-Lands (das heute zu Russland gehört) im öffentlichen Raum in Klagenfurt machen – Ausgangspunkt für die weiteren künstlerischen Expeditionen. Das Projekt würde mit einer Vielfalt an künstlerischen und medialen Instrumentarien die Erfahrungen von „Nähe und Ferne, Eigenem und Fremden sowie Zentrum und Peripherie“ beleuchten, begründete die Jury unter Vorsitz von Barbara Putz-Plecko.

Sinnbildlich in einen Sesselkreis lädt das zweite Siegerprojekt: Die Architekten Stefan Breuer und Sebastian Hicks haben mit ihrem „HolzOval“ eine mobile Bühne geschaffen, bei der 108 Stühle zugleich die Wände bilden und zu Sitzplätzen werden können – eine Einladung zum Zuhören, Empfinden, Austauschen und Diskutieren. Damit soll auch die „Beziehung zwischen Kultur, Wissenschaft und Demokratie“ gestärkt werden, erklärt der gebürtige Villacher Breuer.
Erfahrungsräume
Die mobile Bühne wird ab Mai kommenden Jahres an verschiedenen Orten in Kärnten mit Interventionen, Gesprächen und öffentlichen Veranstaltungen bespielt und unter anderem in der Musikschule Villach oder beim Forum Anthropozän in Heiligenblut Station machen. Sie lädt aber auch abseits der Veranstaltungen dazu ein, sich Faltstühle aus der Wand zu nehmen, ins Gespräch zu kommen oder einfach nur einmal ein Buch mitten in dieser Installation zu lesen. „Wir wollen Erfahrungs- und Möglichkeitsräume öffnen, um den Dialog zwischen den Menschen anzuregen. Denn wenn man zusammenkommt, fallen Wände“, so Breuer.

Wie nachhaltig die Förderung wirken kann, zeigt das Projekt „Die Bühne der Macht“ in St. Daniel im Gailtal, das bereits überregional auf Interesse stößt und zugleich fest in der Region verankert ist. Die Kulturstiftung will diese Entwicklung weiter begleiten und unterstützt das Festival bis 2028. Bei der Pressekonferenz zog Stiftungsvorständin Monika Kircher auch Bilanz über die bisherige Arbeit der 2019 gegründeten Stiftung: Insgesamt wurden seither 1,5 Millionen Euro an Kunstschaffende vergeben.
Kärntner Kulturstiftung
Die Kärntner Kulturstiftung hat es sich – als erste allgemeine gemeinnützige Kulturstiftung in Österreich – zur Aufgabe gemacht, Kärnten als Kreativraum mit herausragenden Talenten national und international besser sichtbar zu machen. Sie ermöglichst Kulturprojekte, versteht sich als Plattform und Kulturbotschfterin und will die kulturelle Identität und Zukunft Kärntens positiv mitgestalten.
Stiftungsvorstand: Monika Kircher, Ina Maria Lerchbaumer, Gabriele Semmelrock-Werzer
www.kulturstiftung.at