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Tapferes Herz, motorisierte Verlässlichkeit: Wiedersehen mit Braveheart

Wir waren schon gemeinsam in Schottland, jetzt ging es mit dem Ineos Grenadier durch England und Wales. Einiges hat sich verändert, die Zuneigung ist geblieben.

Mit „Braveheart“ ging es diesmal durch England und Wales
© Melichar
Mit „Braveheart“ ging es diesmal durch England und Wales
Bernd Melichar
Redakteur Kultur & Medien

Man sieht sich immer zwei Mal. Vor drei Jahren bin ich mit dem Ineos Grenadier durch die schottischen Highlands gekurvt und habe den mächtigen und prächtigen Kerl nach diesem Roadtrip den Namen „Braveheart“ gegeben. Denn dieses Auto hat ein tapferes Herz und ist die motorisierte Verlässlichkeit.

Und jetzt das Wiedersehen! Bilde ich mir das nur ein oder hat mir „Braveheart“ zugezwinkert? Egal. Die Freude war jedenfalls auf beiden Seiten und statt in die moorigen Hochländer Schottlands ging es diesmal in Richtung South Downs, diesem wunderbaren Stück England südlich von London. Sanfte Hügel, Kreidefelsen, Schafweiden, Hecken, dazwischen putzige Dörfer mit strohgedeckten Häusern. Mehr „Englishness“ geht fast nicht. Im Pub wird man mit „Love“ angesprochen, auf dem Dorfplatz wird Cricket gespielt.

Beachy Head an der englischen Südküste
© Melichar
Beachy Head an der englischen Südküste

Obwohl der Grenadier noch immer ein kantiger, charaktervoller Kraftlackl ist, fährt es sich mit ihm jetzt irgendwie geschmeidiger. „Braveheart“ hat sich offenbar die Hörner abgestoßen, ohne aber seine DNA einzubüßen. Es gibt Autos, die bringen einen von A nach B. Und es gibt Autos, die verändern die Art, wie man eine Landschaft wahrnimmt. Der Ineos Grenadier gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Vielleicht liegt das auch daran, dass er aussieht, als wäre er nicht entworfen, sondern aus einem britischen Werkzeugschuppen gerollt worden: kantig, robust, ein bisschen eigensinnig und völlig unbeeindruckt von modischen Verrücktheiten.

Wobei, Werkzeugschuppen stimmt nicht ganz. Der Grenadier kam als Ur-Idee in einem Pub mit diesem Namen zur Welt. Als Land Rover seinen (alten) Defender einmottete, ließ das den Selfmade-Millionär Jim Ratcliffe keine Ruhe. ER wollte aber keine Kopie bauen, sondern eine Hommage, eine Verneigung vor dem Briten-Klassiker, einen Alleskönner ohne viel Schnickschnack. Und der Grenadier hat auch Grazer Wurzeln und wurde gemeinsam mit Magna Steyr entwickelt.

Britisches Lebensgefühl

Weiter geht es ins Exmoor – England mit zerzaustem Haar. Heideflächen ziehen sich über Hochplateaus, Ponys stehen am Straßenrand, dazwischen ein Eiswagen. Hinter einer Kuppe leuchtet plötzlich der Bristol Channel, dann verschwindet das Meer wieder. Mühelos erklimmt der Grenadier die mitunter steilen Straßen durchs Exmoor. Spätestens hier merkt man, dass der Grenadier zwar britisches Lebensgefühl verkörpert, aber britische Straßen offenbar nicht immer mit ihm gerechnet haben. Man sitzt hoch über der Fahrbahn, links kratzt beinahe die Hecke am Außenspiegel, rechts wartet eine jahrhundertealte Steinmauer. Kommt Gegenverkehr, beginnt ein Ritual, das man auf dem Kontinent vielleicht als Verkehrshindernis bezeichnen würde und das hier eher als gesellschaftliche Begegnung verstanden wird. Einer fährt zurück, der andere wartet, beide winken, beide bedanken sich. Niemand hupt. Man fährt weiter. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Pragmatismus, Höflichkeit und einer gewissen Lust am Unbequemen, die Großbritannien so britisch macht. Warum eine Straße verbreitern, wenn sie seit 200 Jahren funktioniert? Warum ein Haus perfekt isolieren, wenn man einen Pullover besitzt? Und warum sollte ein Geländewagen windschnittig aussehen?

Mit dem Grenadier durch das Exmoor im Südwesten Englands
© Melichar
Mit dem Grenadier durch das Exmoor im Südwesten Englands

Dann Wales. Schon hinter der Grenze scheint jemand den Regler für Landschaft aufgedreht zu haben. Im Brecon-Beacons-Nationalpark werden die Täler tiefer, die Hänge steiler, der Himmel größer, und an den Ortsnamen in Landessprache verstaucht man sich regelmäßig die Zunge. Straßen ziehen sich in schmalen Bändern durch sattes Grün. Schafe stehen überall, gerne auch mitten auf der Fahrbahn. Der Grenadier fühlt sich hier zu Hause. Nicht als Statussymbol, eher wie ein Paar schwere Wanderschuhe auf Rädern. Er rumpelt über Nebenstraßen, zwängt sich furchtlos durch Heckentunnel – und all das mit jener stoischen Gelassenheit und sympathischen Widerspenstigkeit, die auch die Briten auszeichnet.

Im Inneren des Grenadier
© Ineos
Im Inneren des Grenadier

Aus der walischen Abgeschiedenheit geht es zum Abschluss ins brodelnde Bristol, wo wir den Grenadier einige Tage auf einem Parkplatz verschnaufen lassen. Bei der Rückkehr stellt sich heraus, dass auch „Braveheart“ in der Zwischenzeit einiges erlebt hat. Leichte Kratzspuren weisen auf einen Einbruchsversuch hin. Aber natürlich haben sich die bösen Buben (und/oder Mädchen) an diesem Wagen die Zähne ausgebissen.

Abstecher nach Glastonbury
© Melichar
Abstecher nach Glastonbury

Der Abschied von „Braveheart“ – ich werde bei diesem Namen bleiben – fällt schwer. Aber es wird hoffentlich ein Wiedersehen geben. Man sieht sich immer mindestens drei Mal. Bilde ich mir das ein, oder hat mir mein zuverlässiger Kumpel zugezwinkert? Fare thee well!

Reisetipps

South Downs. Die South Downs sind eine sanft gewellte Hügellandschaft im Süden Englands, die sich von Winchester bis zur Küste bei Eastbourne erstreckt. Charakteristisch sind weite Kreidehügel, sattgrüne Weiden, Heckenlandschaften und kleine Dörfer, dazwischen Schafherden, alte Pubs und schmale, von Hecken eingefasste Straßen. Besonders spektakulär wird die Landschaft an der Küste, wo die weißen Kreideklippen der Seven Sisters steil in den Ärmelkanal fallen.

Exmoor National Park. Der Exmoor National Park im Südwesten Englands ist eine Landschaft von rauer, stiller Schönheit. Weite Hochmoore und sanfte Hügel gehen in tiefe bewaldete Täler über, an der Küste fallen dramatische Klippen zum Bristolkanal ab. Schmale Straßen winden sich zwischen Hecken und Heideflächen, auf denen Schafe und die berühmten Exmoor-Ponys grasen. Kleine Dörfer, alte Steinbrücken und einsame Pubs sorgen für jene typisch englische Mischung aus Wildnis und gepflegter Idylle.

Brecon Beacon National Park. Der Brecon-Beacons-Nationalpark, seit 2023 offiziell Bannau Brycheiniog National Park, liegt im Süden von Wales und zählt zu den eindrucksvollsten Landschaften des Landes. Weite, baumlose Hochflächen, grüne Täler, schroffe Bergrücken und zahlreiche Wasserfälle prägen den Park. Höchster Gipfel ist der Pen y Fan mit 886 Metern. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen sanften, von Schafen beweideten Hügeln und den dramatischen Kanten der Black Mountains.

Bristol. Bristol ist eine lebendige Hafenstadt im Südwesten Englands, die historischen Charme mit kreativer Gegenwart verbindet. Einst bedeutendes Zentrum des britischen Seehandels, prägen heute die alten Docks, umgebaute Lagerhäuser und moderne Kulturstätten das Stadtbild.

Glastonbury. Glastonbury im Südwesten Englands ist ein kleiner Ort mit großer mythischer Strahlkraft. Die Stadt in Somerset gilt als Zentrum keltischer Legenden und wird eng mit König Artus und der sagenhaften Insel Avalon verbunden. Über dem Ort erhebt sich der markante Glastonbury Tor, während die Ruinen der einst mächtigen Glastonbury Abbey von der langen religiösen Geschichte erzählen. Heute prägen Esoterikläden, alternative Cafés, Pilger und übriggebliebene Hippies das Stadtbild. Das berühmte Glastonbury Festival findet übrigens einige Kilometer entfernt bei Pilton statt.

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