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Daydrinking statt Disko? So verändert sich Villachs Nachtleben

Der größte Club Kärntens ist Geschichte. Während neue Veranstalter auf Day-Partys setzen, wünschen sich Jugendliche weiterhin einen Ort zum Tanzen.

Eine volle Diskothek mit feierenden Menschen
© KK
Die Nachfrage nach Daydrinking-Events steigt auch in Villach
Autorenbild Alexandra Pöcher
Regionalbüro Villach

18 Jahre lang war der V-Club für viele Villacherinnen und Villacher ein Fixpunkt des Wochenendes. Rund 1,2 Millionen Gäste besuchten die Diskothek, bevor am Kirchtagssonntag endgültig Schluss war. Mit dem V-Club verschwindet damit auch ein wichtiger Treffpunkt der Villacher Ausgehkultur. Die Frage ist: Was kommt danach?

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Denn während junge Menschen einen Ort zum Tanzen vermissen, verändert sich gleichzeitig das Ausgehverhalten. Veranstaltungen werden früher angesetzt, Daydrinking beliebter. Gleichzeitig kämpfen klassische Nachtlokale mit steigenden Kosten und einem veränderten Konsumverhalten.

Kärntens größter Club ist Geschichte
© KLZ/Klaus Steiner
Kärntens größter Club ist Geschichte

Feiern ja, aber früher

„Der klassische Club hat ausgedient“, ist Nicco Huber (24) überzeugt. Er ist einer der Organisatoren der Partyreihe „Eve Sessions“ in Villach. Seine Generation wolle sich weiterhin zum Feiern treffen, aber nicht mehr unbedingt bis in die frühen Morgenstunden. Stattdessen seien Veranstaltungen am Nachmittag oder frühen Abend gefragt. Huber sieht darin auch den Ausdruck eines veränderten Lebensstils: „Sport und Gesundheit spielen für viele junge Menschen eine immer größere Rolle“, sagt er. Dass dieses Modell nicht auf eine bestimmte Altersgruppe beschränkt ist, zeige laut Huber auch das Publikum der „Eve Sessions“: Es reicht von etwa 20-Jährigen bis zu Gästen über 50 Jahre.

Nicco Huber ist DJ und Party-Organisator
© KK/David Tributsch
Nicco Huber ist DJ und Party-Organisator

Auch der Gastronom Marcus Frohnwieser, der 18 Jahre lang das Nachtlokal „Soho“ betrieb und heute die „Anna Neumann Bar“ am Hauptplatz führt, beobachtet diesen Wandel. Der klassische Club sei europaweit auf dem Rückzug. Für die Jugend seien heute Kirchtage und Bälle wichtige Treffpunkte: „Es ist nicht mehr wie anno dazumal, wo man wusste: Wenn man samstags in die Stadt geht, dann trifft man in dieser Bar den und in der anderen den“, sagt Frohnwieser.

Bars ersetzen keinen Club

Für Jugendliche bleibt trotzdem ein Bedarf nach einem Ort, an dem sie abends tanzen können. Der 17-jährige Schüler Stefan aus Wernberg etwa erzählt, dass er früher regelmäßig Gast im V-Club war, besonders bei Veranstaltungen zum Villacher Fasching oder Halloween. Heute fehle in Villach ein vergleichbarer Ort: „Wir gehen gerne ins McMullen‘s, aber das ist halt nicht das Gleiche wie ein Club.“

Auch die Schülerin Olivia (18) aus Villach besucht derzeit Bars wie die „Anna Neumann Bar“ oder die „Waschers Bar“. Für richtiges Clubbing seien diese aber kein Ersatz. Den V-Club selbst sieht sie durchaus kritisch: „Es war dort oft zu voll und die Türsteher interessierte es nicht, wenn man ein Problem hatte.“ Sie sei vor allem wegen ihrer Freundinnen und Freunde hingegangen. Ein neuer Club müsste aus ihrer Sicht mehr Platz, abwechslungsreiche Musik und gute Veranstaltungen bieten.

Die Nachfrage ist auf jeden Fall da, es gibt für uns nur kein Angebot.

— Olivia, Schülerin

Schwierige Bedingungen für Nachtlokale

Ob diese Nachfrage nach einem neuen Club auch tatsächlich zu einem neuen Angebot führt, ist allerdings offen. Denn die wirtschaftlichen Bedingungen für die Nachtgastronomie haben sich verändert. Frohnwieser bezeichnet das Geschäft als „irrsinnig schwierig“. Während früher vor allem hohe Mieten ein Thema gewesen seien, seien heute die Personalkosten die große Belastung. Besonders die Zuschläge für Mitarbeiter in den späten Nachtstunden würden ins Gewicht fallen. Auch Günter Egger, Betreiber der Havanna Bar und seit 22 Jahren in der Villacher Nachtgastronomie tätig, spricht von schwierigen Zeiten. Das Ausgehverhalten habe sich massiv verändert, junge Gäste würden auch weniger konsumieren.

Günter Egger führte zeitweise mehrere Nachtlokale gleichzeitig
© Fertschey
Günter Egger führte zeitweise mehrere Nachtlokale gleichzeitig

Chance für die Innenstadt?

Für Stadtrat Christian Pober (ÖVP), zuständig für Gewerbe und Veranstaltungen, kann die Schließung des V-Clubs zugleich eine Chance für die Innenstadt sein. Er bedauert das Aus, kann die wirtschaftliche Entscheidung aber nachvollziehen. Junge Menschen „müssen sich nun neu orientieren und nach anderen Möglichkeiten zum Ausgehen suchen“, sagt er im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.

Grundsätzlich belebt jede Konkurrenz das Geschäft.

— Christian Pober (ÖVP), Stadtrat
Christian Pober schließt einen neuen Club in Villach nicht aus
© KK/Marta Gillner
Christian Pober schließt einen neuen Club in Villach nicht aus

Nun gehe es darum, „mit der bestehenden Nachtgastronomie und jungen Veranstaltern Synergien zu finden“ und die verschiedenen Angebote miteinander zu verbinden. Einen neuen großen Club schließt er übrigens nicht aus: „Es gibt immer wieder Anfragen von Betreibern, die neue und innovative Konzepte umsetzen wollten.“ Konkretes gebe es derzeit allerdings noch nicht zu sagen.

Für die Stadt ist die Entwicklung ebenfalls Anlass, neue Wege auszuloten. Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) verweist darauf, dass sich Nachfrage und Angebot verändert hätten und dies grundsätzlich der Markt regeln müsse. Nach Gesprächen mit jungen Menschen und Gastronomen habe sich die Stadt Villach gemeinsam mit der Wirtschaftskammer auf eine „Türöffner-Funktion“ verständigt. Ziel seien neue Angebote. „Derzeit feilen wir gemeinsam an einem Konzept“, sagt Albel. Dieses soll im Herbst präsentiert werden.

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