Klimakrise fordert selbst wasserreiche Gemeinden wie Selzthal
SPÖ-Abordnung rund um die rote Umweltsprecherin Julia Herr blickte am Mittwoch hinter die Kulissen der Trinkwasserversorgung der Eisenbahnergemeinde.
Das etwas mehr als 1700 Meter hohe Dürrenschöberl ist Selzthals Wasserberg. Rund 75 Meter über dem Eisenbahnerort steht hier der Hochbehälter der Gemeinde. Er wird von vier Quellen gespeist, seine beiden Kammern umfassen insgesamt 300 Kubikmeter des kostbaren Nasses.
Normal, berichtet Bürgermeisterin Andrea Freisinger der SPÖ-Abordnung rund um Julia Herr, habe man hier einen Zulauf von 2,2 Liter pro Sekunde. Momentan seien es aber nur 1,9. Die rote Umweltsprecherin tourt aktuell durch ganz Österreich, um sich einen Überblick in puncto Trinkwasserversorgung zu verschaffen, an diesem Mittwoch ist sie in der Eisenbahnergemeinde im Bezirk Liezen zu Gast.
Zulauf nicht ausreichend
„Wir haben grundsätzlich genug Wasser“, sagt Gerhard Schüßler, der als Bauhofleiter für die Trinkwasserversorgung zuständig ist. Der erwähnte Zulauf von 1,9 Litern pro Sekunde sei für die Versorgung aber nicht ausreichend. Man müsse deshalb zusätzliches Wasser ins Netz pumpen. Was aber – im Gegensatz zum Hochbehälter, wo die Schwerkraft die Arbeit erledige – Strom koste. Diesen will man in der Eisenbahnergemeinde künftig selbst produzieren und wird deshalb eine Photovoltaikanlage errichten.
Ausschlaggebend für den Rückgang des Zulaufs seien nicht die hohen Temperaturen im heurigen Jahr, sondern der fehlende Niederschlag, dass am Dürrenschöberl in den beiden letzten Wintern kaum Schnee gelegen sei, erklärt Schüßler. „Die Wasserversorgung lebt von der Schneeschmelze.“ Und der Regen der beiden letzten Tage? Werde sich erst in einigen Wochen auf die Schüttung der Quellen auswirken.
„Haben großen Handlungsbedarf“
„Wir haben großen Handlungsbedarf“, sagt Nationalrat und Bezirksparteivorsitzender Mario Lindner, der Herr begleitet. Die Größe des Bezirks sei eine Herausforderung, die eine Lösung für alle 29 Gemeinden gebe es nicht. Aber sowohl Bund als auch Land würden die Sicherung der Trinkwasserversorgung unterstützen. Die Gemeinden müssten jetzt Projekte vorbereiten und sich bereitstehende Fördermittel sichern.
Projekte wie die Sanierung von Leitungsnetzen. Das sei enorm wichtig, bestätigt Bauhofleiter Schüßler, durch Lecks gehe viel verloren. Er wisse von Gemeinden, die einen Zulauf von neun Litern pro Sekunde in ihrem Hochbehälter und trotzdem Probleme bei der Wasserversorgung hätten– weil deren Leitungen desolat seien. In Selzthal sei in dieser Hinsicht in den letzten zehn Jahren zum Glück viel passiert.
Klimagesetz und Entnahmeregister
„Klimaschutz und Wassersicherheit sind untrennbar miteinander verbunden“, sagt Herr. „Wir brauchen deshalb ein Klimaschutzgesetz mit ambitionierten Zielen.“ Die Umweltsprecherin der SPÖ fordert außerdem die rasche Umsetzung eines Wasserentnahmeregisters und dass Wasser vor Privatisierung geschützt wird. Nationalrat Wolfgang Moitzi, der ebenfalls Teil der Abordnung ist, pocht auch auf Landesebene auf eine Strategie hinsichtlich Wasserversorgung und Hitzeschutz.