Bodenschutz der Bundesländer ist bestenfalls "lückenhaft
Ein "klares Versagen der Bodenpolitik" lautet kurz zusammengefasst das Resümee des "WWF-Bodenreports 2026", für den die österreichischen Bundesländer und ihre Bemühungen im Bodenschutz analysiert worden sind. Salzburg schnitt dabei mit Note 3,1 auf der fünfstufigen Bewertungsskala noch am besten ab, bekam aber trotzdem nur die Einstufung "lückenhaft". Kärnten und Oberösterreich landeten hingegen auf den hinteren Rängen und bekamen das insgesamt fünfmal vergebene "kritisch".

Die Note "vorbildlich" oder "solide" wurde in keinem Fall vergeben, ein "lückenhaft" und somit einen "Dreier" konnten zumindest noch Niederösterreich, die Steiermark ("gute Ziele, große Umsetzungslücken") und das Burgenland ergattern. Kein einziges Bundesland habe aber ein verbindliches, in Zahlen festgelegtes Ziel zur Senkung des Bodenverbrauchs. Der WWF ortete in seinem Fazit daher ein "strukturelles Problem" der Raumplanung, hieß es am Mittwoch anlässlich der Publikation des Reports. "Unsere Analyse zeigt ein klares Versagen der Bodenpolitik. Wertvolle Böden werden trotz Hitzerekorden weiter verbaut und versiegelt, während wirksame Grenzen weitestgehend fehlen", hielt WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories fest.
Der WWF wies auf die großen Unterschiede beim Bodenverbrauch pro Kopf in den einzelnen Bundesländern hin, der im Burgenland mit 1.251 Quadratmetern am höchsten ausfällt und damit das Doppelte des österreichischen Durchschnitts von 618 Quadratmetern ausmacht. Insgesamt werde in großen und mehreren östlichen Flächenländern besonders viel Boden pro Kopf beansprucht, während in den alpinen Bundesländern sowie in Wien der Druck auf den begrenzten Dauersiedlungsraum steige. "Rund die Hälfte der verbrauchten Böden ist versiegelt. Das bedeutet, dass die Fläche mit einer weitgehend wasser- und luftundurchlässigen Schicht bedeckt ist, etwa durch Gebäude, Straßen oder Parkplätze", heißt es im "WWF-Bodenreport" - und auch bei der Versiegelung pro Kopf liegen Burgenland, Niederösterreich und Kärnten an den vorderen Plätzen.
Zu den einzelnen Bundesländern berichtet der WWF zum bestplatzierten Salzburg (Bewertung 3,1), dass umfangreiche Ziele in der Raumordnung und konkrete Kriterien für kompakte Bauweisen in der Wohnbauförderung das Land positiv hervorheben. Kritisiert wurden jedoch Ausnahmen und unklare Vorgaben in vielen anderen Bereichen. "Auch der Schutz landwirtschaftlicher und naturnaher Flächen kann vielfach umgangen werden", wurde bemängelt.
Niederösterreich folgt mit 3,2 knapp dahinter und wurde für "regionale Raumordnungsprogramme, Siedlungsgrenzen und agrarische Schwerpunkträume" gelobt, die grundsätzlich wichtige Schutzinstrumente seien. Negativ wurde jedoch hervorgehoben, dass hier mit durchschnittlich 1,9 Hektar pro Tag nicht nur der höchste absolute Bodenverbrauch aller Bundesländer auftrete, auch beim Verbrauch pro Kopf nehme das Bundesland mit 952 Quadratmetern die zweite Stelle hinter dem Burgenland ein.
Oberösterreich nahm in der Bewertung der NGO indes den letzten Platz ein (4,2). "Abgesehen von allgemeinen Zielen und einzelnen Ansätzen in der Wohnbauförderung werden die untersuchten Handlungsfelder durchgehend als 'kritisch' oder 'ungenügend' eingestuft", lautete die Begründung dafür. Besonders bemängelt wurden die Bodenpolitik im Fall von Betriebsgebieten, Rechen- und Logistikzentren, touristischen Projekten und beim Straßenbau.
Zum als Vorletzten gereihten Bundesland Kärnten (4,0) hieß es, dass hier sechs der elf untersuchten Handlungsfelder als "ungenügend" eingestuft wurden. "Das Land hat weder übergeordnete Siedlungsgrenzen noch verbindliche Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur festgelegt", schrieb der WWF dazu. Doch auch positive Ansätze zeigten sich im südlichsten Bundesland, nämlich bei der Rückwidmung ungeeigneter Baulandüberhänge.
Hinter Kärnten findet sich im Ranking dann Wien (3,9), das als flächenmäßig kleinstes Bundesland und Stadt beim Bodenverbrauch eine Sonderstellung einnimmt. Kritik setzte es unter anderem für den "Wien-Plan" mit vielen Zielen und Maßnahmen, aber ohne eine rechtliche Bindung. Auch enthalte die Bauordnung nur wenige konkrete Bodenschutz-Vorgaben, wie Siedlungsgrenzen und ein übergeordneter rechtlicher Schutz wertvoller Agrar- und Grünflächen fehlen würden.
Für ganz Österreich fordert der WWF von Bund und Ländern verbindliche und in Zahlen gegossene Bodenschutz-Ziele, klare Grenzen für neue Betriebsflächen und Straßen, eine Stärkung der Ortskerne sowie einen besseren Schutz unverbauter Böden. Vorrang vor neuer Versiegelung solle die Nutzung von Leerstand, die Revitalisierung bereits verbauter Flächen sowie die Sicherung landwirtschaftlicher Böden, Grünräume und wertvoller Naturflächen haben.
(S E R V I C E - "WWF-Bodenreport 2026" unter: https://go.apa.at/a5i6QeG7)