110. Geburtstag: Oststeirerin ist die älteste Österreicherin
Erika Strohrigel ist die einzige lebende Österreicherin, die im Jahr 1916 zur Welt gekommen ist. Mit Torte, einem Konzert der „Stoakogler“ und Eierlikör wurde im Seniorenhaus Menda in Hartberg gefeiert.

Ihr Geburtsjahr hat Seltenheitswert: Erika Strohrigel ist die einzige lebende Person in Österreich, die im Jahr 1916 geboren wurde. Damit ist die Oststeirerin, die am heutigen 18. August ihren 110. Geburtstag begeht, die älteste Österreicherin. Dieser besondere Ehrentag wurde stilecht gefeiert: mit Torte, einem Konzert der „Stoakogler“, einer großen Gratulantenschar. Und Eierlikör. „Es ist alles da, wobei sie beim Eierlikör schon nachgelassen hat“, erzählt ihr Sohn Werner Klenner, „früher hat sie zwei, drei Gläser getrunken, heute nur noch eines“.
Früher, als sie noch jünger war: So bekam Strohrigel zu ihrem 107. Geburtstag gleich mehrere Flaschen des Likörs als Präsent überreicht. Auch heute wird damit angestoßen. Im Rollstuhl am Kopfende der großen Tafel erlebt sie die Feier mit, erzählt ihr Sohn, selbst schon 84 Jahre alt. Er ist mit seiner Frau Edeltraude Klenner samt Sohn und Schwiegertochter ins Seniorenhaus Menda in Hartberg gekommen, das seit zehn Jahren das Zuhause von Strohrigel ist.

Zur Information
Laut Auskunft der Demographie-Abteilung der Statistik Austria ist Erika Strohrigel aus Hartberg die älteste derzeit in Österreich lebende Person. Sie ist zugleich die einzige Person in Österreich, die noch im Jahr 1916 geboren worden ist. Die aktuell zweitälteste Person ist bereits 1917 geboren.
Zu Jahresbeginn 2026 gab es laut Statistik Austria noch zwei Personen, die älter waren als Strohrigel. Diese sind jedoch im zweiten Quartal verstorben.
Mit 100 Jahren ins Pflegeheim
Ihre starke Fehlsichtigkeit ließ sie 2016 vom Eigenheim ins Seniorenhaus ziehen. „Jetzt bin ich 100 Jahre alt, jetzt geh ich halt ins Menda“, erinnerte sie sich vor drei Jahren im Gespräch mit der Kleinen Zeitung zurück. Nicht nur das Sehen, sondern auch das Hören falle ihr mittlerweile sehr schwer, erzählt ihr Sohn.

Sie schlafe viel, sei oft müde, unterhalten könne man sich aber zum Teil nach wie vor mit ihr. Alle 14 Tage besucht er seine Mutter, für jede Minute mit ihr ist er dankbar. Für Strohrigel war ihr Sohn das schönste Geschenk in ihrem Leben, erzählte sie zu ihrem 109. Geburtstag. Ein Jahr später gehe es ihr „im Großen und Ganzen gut“, so Klenner: „110 Jahre sind 110 Jahre.“ Auch einen Oberschenkelhalsbruch im Vorjahr hat die Jubilarin überstanden.

So wie vieles in ihrem bemerkenswerten Leben. Vor allem die Nachkriegsjahre seien eine schwierige Zeit gewesen, weiß ihr Sohn. Unterkriegen ließ sich Strohrigel, die als jüngstes von vier Kindern in Preßguts bei Weiz geboren wurde, aber nie. Im Gegenteil. Sie ging mit 14 Jahren nach Wien, um Lehrerin zu werden, heiratete zwei Mal und ist viel herumgekommen, wie sie selbst vor drei Jahren erzählte. Von Amsterdam über Monaco bis nach Rom. „Zum Papst, der sei aber nicht daheim gewesen“, merkte sie zu ihrem 107. Geburtstag schelmisch an.
Zur Person
Erika Strohrigel wurde am 18. August 1916 in Preßguts bei Weiz als jüngstes von vier Kindern geboren. Nach der Volksschule in Preßguts besuchte sie die Hauptschule in Hartberg.
Danach machte sie in Wien die Ausbildung zur Lehrerin. Strohrigel war zweimal verheiratet und lebte jahrelang in Wien, ehe sie in den 1940er-Jahren zurück nach Hartberg zog. Sie hat einen Sohn und ein Enkelkind.
Seit dem Jahr 2016 lebt sie im Seniorenhaus Menda in Hartberg.
Drei Jahre später, zum 110. Geburtstag, haben „Die Stoakogler“ extra für sie aufgespielt – auf Initiative der Menda-Geschäftsführung. Ein solcher Geburtstag steht schließlich nicht alle Jahrzehnte ins Haus. Es seiner Mutter nachzumachen und ein derart hohes Alter zu erreichen, strebt Klenner gar nicht an, verrät der 84-Jährige: „Die Frage ist immer, unter welchen Umständen man so alt wird. Bei diesem Alter ist jedes Jahr ein Wahnsinn, dass man älter wird.“
Und was wünscht man sich zum 110. Geburtstag? Sie habe keine Wünsche geäußert, erzählt Klenner. Er weiß aber genau, was er seiner Mutter vergönnt: „Ich wünsche ihr, dass sie halbwegs ohne Schmerzen, die restliche Zeit, die sie zu leben hat, leben kann.“





