Größter Apfelproduzent Österreichs in St. Georgen vor schwieriger Ernte
In einer Woche beginnt bei Schweiggl in St. Georgen an der Stiefing die Ernte. Hitze und steigende Kosten setzen Österreichs größten Apfelproduzenten unter Druck.

Noch hängen die Äpfel an den rund 500.000 Bäumen auf Gut Neudorf, doch eines steht für Dietmar Schweiggl schon fest: Die Ernte wird heuer spürbar geringer ausfallen. Nicht nur mengenmäßig. Die wochenlange Hitze lässt die Äpfel heuer deutlich kleiner bleiben. „Im Schnitt reden wir im Moment von ungefähr 20 Millimetern weniger, die Trockenheit hat das Wachstum massiv gebremst“, sagt der Obstproduzent.
In rund einer Woche beginnt beim größten Apfelproduzenten Österreichs mit rund 50 Mitarbeitern die Ernte. Und die bestimmt den Betrieb: Rund 95 Prozent des Geschäfts entfallen auf Äpfel, fast die gesamte Ernte bleibt in Österreich, nur geringe Mengen werden nach Deutschland und Italien exportiert. Wichtigster Abnehmer ist REWE.

Die kleineren Früchte schmecken durch die konzentrierten Inhaltsstoffe zwar intensiv, wirtschaftlich sind sie aber schwierig. „Für Premium-Gebinde im Handel fehlt die nötige Größe“, schildert Dietmar Schweiggl. „Wenn der Apfel zehn Millimeter kleiner ist, bedeutet das gleich 20 Prozent weniger Gewicht.“ Entsprechend rechnet Schweiggl mit spürbaren Mengeneinbußen. Ein Trend, der die gesamte Branche trifft: Österreichweit würden heuer geschätzt rund 90.000 Tonnen Äpfel geerntet – nach 138.000 Tonnen im Vorjahr ein Rückgang um rund 35 Prozent.

Besonders deutlich wird der wirtschaftliche Druck beim Preis. Dietmar Schweiggl, der neben dem Familienbetrieb auch Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark und Regionalstellenobmann der Südsteiermark ist, beziffert die Produktionskosten für ein Kilogramm Äpfel mittlerweile mit rund 65 Cent. Muss die Ware als Pressobst verkauft werden, bringt sie heuer voraussichtlich nur 15 bis 18 Cent pro Kilo. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Gala-Äpfel kostet im Handel derzeit etwa 2,66 Euro.
Gleichzeitig hätten sich die Stromkosten des Betriebs binnen fünf Jahren verdreifacht, die Lohnkosten seien um 33 Prozent gestiegen. Hinzu kommt eine Unwetterversicherung, für die Schweiggl nach eigenen Angaben mehr als 2000 Euro pro Tag bezahlt.
Ohne Netz für mehr Geschmack
Im Betrieb verzichtet man bewusst auf Hagelnetze. „Ein Hagelnetz ist ein bisschen wie eine Sonnenbrille. Es nimmt Sonne weg und damit auch ein bisschen Geschmack.“ Die Früchte bleiben länger am Baum und werden möglichst geschmacksreif geerntet. Das Risiko zeigte sich heuer ausgerechnet beim Rubelit: Die Anlagen der exklusiv in Österreich vermarkteten Sorte wurden von Hagel getroffen.

Rubelit ist eine der Zukunftshoffnungen des Betriebs, saftig, ausgewogen süß-säuerlich und für Schweiggl eine „moderne Neuinterpretation eines Kronprinz Rudolf“. Insgesamt setzt das Unternehmen heute nur noch auf sechs Apfelsorten – früher waren es mehr als 25.
Für Schweiggl steht und fällt der Obstbau mit der wirtschaftlichen Perspektive. Nur wenn Apfelbauern wieder angemessen verdienen, lasse sich auch die nächste Generation dafür gewinnen: „Wir müssen schauen, dass der Apfel wieder eine gerechte Wertigkeit für unsere Produzenten bekommt.“
