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Obstbauern im Lavanttal: „Regen war ein Tropfen auf den heißen Stein“

Langsam beginnen die Vorbereitungen für die Obsternte. Trotz voller Bäume überwiegt das Fallobst – aktuell noch zu früh. So steht es um die Qualität der Früchte.

Ein Traktor lässt viele Äpfel aus dem Anhänger laden
© Grössing
Die Ernte im Lavanttal wird in diesem Jahr mindestens zwei Wochen früher stattfinden
Eva Kapeller
Redakteurin der Regionalredaktion Völkermarkt/Lavanttal

Im Lavanttal laufen langsam die Vorbereitungen für die heurige Obsternte an – doch die außergewöhnliche Hitze stellt die Bauern vor Herausforderungen. Eine Hitzewelle jagt die nächste, Regen bleibt vielerorts Mangelware. Zwar brachte der Sonntag, 16. August, ab späten Nachmittag etwas Niederschlag, für eine nachhaltige Entspannung der Situation reichte das allerdings nicht. „Der Regen war nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Hans Köstinger, Obmann des Vereins „Mostbarkeiten“. Für die Obstbauern wäre vor allem länger anhaltender Regen wichtig: „Gut wäre eine ganze Woche, in der es gemütlich dahinregnet. Aber wir nehmen natürlich gerne, was wir bekommen.“

Volle Bäume - zu viel Fallobst

Auf den Streuobstwiesen zeigt sich aktuell jenes Bild: Die Bäume tragen extrem viel Obst. Gleichzeitig fällt bereits jetzt auffallend viel davon zu Boden. Von einer normalen Reife könne allerdings noch keine Rede sein. „Es fällt ungewöhnlich viel runter – aber das ist Notreife. Von Reife keine Spur“, so Köstinger. Auch bei den Zwetschken, die üblicherweise früher reif werden als Äpfel, sei der vorzeitige Fruchtfall deutlich zu beobachten. Die Ursache liegt vor allem im enormen Wasserstress. Unter den Bäumen sei die Vegetation teilweise bereits abgestorben. Die tief wurzelnden Bäume würden das noch vorhandene Wasser zuerst selbst aufnehmen.

Fallobst: Durch die Hitze fällt ein Teil der Früchte vorzeitig von den Bäumen
© Markus Traussnig
Fallobst: Durch die Hitze fällt ein Teil der Früchte vorzeitig von den Bäumen

Auch Markus Grantner, Betriebsleiter von Lavanttaler Obst, beobachtet die Auswirkungen der Hitze: „Heuer hat sich das ein bisschen verschärft. Und das sieht man auch in den Obstgärten.“ Besonders beim Fallobst gebe es bereits zahlreiche Anfragen. Durch die Hitze fällt ein Teil der Früchte vorzeitig von den Bäumen. Die Ernte dürfte heuer früher starten als in einem durchschnittlichen Jahr. Bei Lavanttaler Obst rechnet man derzeit mit einer ersten Fallobstübernahme ab Ende August oder Anfang September. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Apfelernte früher als sonst

Martina und Hans Köstinger vom Verein „Mostbarkeiten“
© Weichselbraun Helmuth
Martina und Hans Köstinger vom Verein „Mostbarkeiten“

Auch auf den Streuobstwiesen könnte die Apfelernte deutlich früher als gewohnt einsetzen. Köstinger rechnet – sofern sich die Bedingungen nicht grundlegend ändern – mit einem Erntebeginn bereits im September: „Sicher drei Wochen früher, wenn es wirklich gut geht, Mitte September. Früher war das Mitte Oktober.“ Die Verschiebung des Erntezeitpunktes sei allerdings keine völlig neue Entwicklung. In den vergangenen Jahren habe sich die Ernte bereits um ein bis zwei Wochen nach vorne verlagert.

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Betriebsleiter Lavanttaler Obst, Markus Grantner
Betriebsleiter Lavanttaler Obst, Markus Grantner © Ramona Steiner

Welche Sorte tatsächlich wann erntereif wird, lässt sich heuer besonders schwer vorhersagen. Die einzelnen Apfelsorten reagieren sehr unterschiedlich auf die Bedingungen. Als Beispiel nennt Köstinger den Boskop: „Früher war das so ziemlich der letzte Apfel, jetzt muss man froh sein, dort eine Ernte zu bekommen.“ Der Kronprinz Rudolf wiederum bleibe in den vergangenen Jahren teilweise länger am Baum.

Kühle Nächte

Trotz der schwierigen Bedingungen sehen die Obstbauern nicht ausschließlich schwarz. Die Früchte, die derzeit noch an den Bäumen hängen, machen laut Grantner einen guten Eindruck. Man erwarte grundsätzlich eine gute Qualität. Entscheidend könnten dabei die kommenden Wochen werden. Für die Qualität des Obstes sind laut Köstinger vor allem die Unterschiede zwischen den Temperaturen am Tag und in der Nacht wichtig. Dadurch könne Zucker aufgebaut werden, während andere Inhaltsstoffe erhalten blieben. In diesem Jahr gebe es trotz der hohen Tagestemperaturen immerhin vergleichsweise kühle Nächte – eine Entwicklung, die Köstinger positiv bewertet.

Produzenten vom Verein „Mostbarkeiten“
© Markus Traussnig
Produzenten vom Verein „Mostbarkeiten“

Sollte nun ausreichend Regen kommen und es gleichzeitig in der Nacht deutlich abkühlen, könnten sich die Äpfel noch entsprechend entwickeln. Auch bei der erwarteten Menge gibt es Grund für Optimismus. Grantner spricht von einem insgesamt sehr ertragreichen Obstjahr. Von Kirschen und Marillen über Zwetschken bis hin zu Birnen seien die Erträge heuer gut. Für die Saftproduktion hofft man bei Lavanttaler Obst auf rund 800.000 Liter oder sogar mehr. „Es kommt auf den Herbst drauf an. Aber wir gehen davon aus, dass wir an diese Zahl rankommen werden“, sagt Grantner. Die große Zahl an Früchten ist allerdings nicht ausschließlich ein Vorteil. Die Äste stehen unter erheblicher Last, erste Brüche gibt es bereits.

Jetzt schauen wir, was die nächsten zwei bis drei Wochen passiert.

— Hans Köstinger, Obmann „Mostbarkeiten“

Damit zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Die Obstbauern haben heuer grundsätzlich sehr viele Früchte an den Bäumen, gleichzeitig sorgt die extreme Witterung dafür, dass ein Teil davon gar nicht bis zur gewünschten Reife kommt. Ob aus dem derzeitigen hohen Fruchtansatz tatsächlich eine gute Apfelernte wird, entscheidet sich damit vor allem in den nächsten Wochen. Köstinger will die Entwicklung genau beobachten: „Jetzt schauen wir und warten, was in den nächsten 14 Tage bis drei Wochen passiert.“

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