Faszination Waffenrad: „Es gibt drei Gänge – sitzend, stehend und schiebend“
Am 5. September dreht sich im Murtal wieder alles um die Kult-Räder von damals: Die „Freunde der Waffenräder“ laden zum 10. Treffen, erwartet werden 300 Teilnehmer aus dem In- und Ausland.

„Mit diesem Rad komm‘ ich überall hin – zumindest, wenn ich schiebe“, grinst Heinz Karner und zeigt stolz sein „Woffenradl“. Liebevoll gepflegt ist es, ein Dasein im Hobbykeller soll es nicht führen. Gemeinsam mit seinen Vereinskollegen der „Freunde der Waffenräder Knittelfeld“ holt Karner sein altes Rad regelmäßig hervor. „Die gemeinsamen Ausfahrten sind etwas Besonderes“, betont auch Obmann Gernot Marcher.

25 aktive Mitglieder gehören dem 2007 gegründeten obersteirischen Verein an. „Entstanden ist alles aus Zufall. Ein paar von uns hatten Waffenräder daheim, irgendwann sind wir gemeinsam damit gefahren. Es hat allen Spaß gemacht – und diese Tradition wollten wir pflegen“, schildert Marcher, der von der alten Technik fasziniert ist. „Viele Räder hier sind über 100 Jahre alt und wahnsinnig robust. Mit ihnen zu fahren ist entspannend und entschleunigend.“ Mit modernen Bikes kann man die Waffenräder freilich nicht vergleichen. Die meisten haben nicht einmal eine Gangschaltung, „bergauf ist es zach“, bestätigt Karner. Obwohl: „Manche sagen, die Räder haben drei Gänge: sitzend, stehend und schiebend“, scherzt Marcher. Bis Zell am See sei man damit trotzdem schon gefahren. „Wir haben ja keinen Stress.“
Die Geschichte der Waffenräder
Aber was ist eigentlich ein Waffenrad? „Das ist in Österreich eigentlich ein Synonym für jedes alte, schwere, schwarze Fahrrad. Ursprünglich war es aber der Markenname der Firma Steyr für ihre Räder“, erklärt Gernot Marcher. Die Geschichte der „Waffenräder“ geht bis Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Die Waffenfabrik Steyr verzeichnete in Friedenszeiten Rückgänge im Waffengeschäft und begann mit der Produktion von Fahrrädern. 1896 verließen dann die ersten Waffenräder die Fabrik, produziert wurde mehr als 100 Jahre lang, ehe 1997 das Aus kam.
Was so ein Rad kostet, das hängt vom Alter ab. „Es beginnt ab 100 Euro, nach oben gibt es aber fast keine Grenze“, erklärt der Vereinsobmann. „Ich kenne auch Waffenräder, die um 9000 Euro und mehr verkauft wurden.“ Jedes Vereinsmitglied besitzt mindestens ein historisches Rad, manche haben sogar zwei oder drei im Keller stehen. „Oft findet man die Räder auch in alten Ställen oder alten Gebäuden“, erzählt Marcher von besonderen Glücksfällen.
Waffenrad-Treffen steht vor der Tür
Um die Kult-Räder nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, treffen sich die Murtaler Waffenrad-Fans auch regelmäßig mit Gleichgesinnten in ganz Österreich. Höhepunkt im Vereinsjahr ist das selbst organisierte Murtaler Waffenrad-Treffen. Zum zehnten Mal treffen sich Waffenrad-Besitzer aus dem In- und Ausland heuer in Kobenz und fahren rund zehn Kilometer durch die Region, 300 Teilnehmer werden am 5. September erwartet. Entlang der Strecke gibt es mehrere Stationen mit Geschicklichkeitsspielen sowie Labestationen.
Zu den Ausfahrten gehört auch die richtige Bekleidung – aufs Waffenrad setzt man sich stilecht mit historischer Originalkleidung oder alternativ steirischer Tracht. „Um Schnelligkeit geht es bei uns nicht, im Vordergrund steht immer der Spaß“, sind sich die Vereinsmitglieder einig.
Spezielle Aufnahmeprüfung
Wer Mitglied im Verein werden will, braucht entsprechend eine große Portion Humor: Eine Aufnahmeprüfung muss absolviert werden, „da suchen wir uns was Spezielles aus“, lachen die Waffenrad-Freunde. Beim großen Jubiläumstreffen sind freilich alle willkommen, beim Fest auch Nicht-Radfahrer.
Wer kein eigenes Waffenrad besitzt, kann sich beim Verein auch eines borgen. Mehr als 30 stehen im Keller des Vereinsheims. Gleich neben ist die Werkstatt: „Die alte Technik ist faszinierend, man kann alles noch selbst reparieren“, schwärmt Heinz Karner. „Die Räder halten noch was aus. Einzigartig ist der Rahmen, den bringst du nicht um. Auch die Felgen sind robust, und hier, die Linien am Reifen, die sind noch handgemalt.“ Dass der Verein heute nur rund 25 Mitglieder hat, ist übrigens Absicht: „Wir waren schon auf über 50, haben dann aber reduziert. Es geht nicht nur um die Gaude, sondern um die Tradition, die erhalten werden soll.“ Denn bei der Tradition, da hört sich der Spaß auf.
10. Murtaler Waffenrad-Treffen
Am 5. September 2026 ab 8.30 Uhr beim Gasthaus Rainer in Kobenz. Start der Rundfahrt um 10.30 Uhr. Die Siegerehrung beginnt um 19.30 Uhr, im Anschluss Ausklang mit Live-Musik (auch für Nicht-Radler).
Die Teilnehmerzahl ist auf 300 begrenzt. Anmeldung online unter www.fdwk.at/
