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Am Grazer Kunsthaus-Dach wächst eine experimentelle Klimaanlage

Auf der Dachterrasse des Eisernen Hauses beim Kunsthaus Graz ranken sich Pflanzen, Wasser verdunstet über eine Gradieranlage. Der „Expanded Garden“ von Künstler Markus Jeschaunig versteht sich auch als Experiment.

Markus Jeschaunig sitzt auf den Pflanzbeeten über dem Eisernen Haus. Eines der Hauptprobleme: die Pflanzen dazu zu bringen, nach unten zu klettern
© Kunsthaus Graz/J. J. Kucek
Markus Jeschaunig sitzt auf den Pflanzbeeten über dem Eisernen Haus. Eines der Hauptprobleme: die Pflanzen dazu zu bringen, nach unten zu klettern
Nina Müller
Bundesland Steiermark | Graz

Der wilde Wein, Hopfen, Geißblatt und die schwarzäugige Susanne sind schon fleißig geklettert, nur der Akebia hat die Gluthitze im Sommer zugesetzt. Sie alle wachsen als Teil eines ganz besonderen Projekts: Auf einer Pergola sollen sie am Dach über dem Eisernen Haus beim Kunsthaus Graz Schatten spenden. Die Struktur ist eine Hälfte des „Expanded Gardens“, den Künstler Markus Jeschaunig hier im Rahmen des diesjährigen „Bloom“-Schwerpunkts errichtet hat.

Der Garten ist eine Art „experimentelle Klimaanlage“. Erträglichere Temperaturen sollen nicht nur die Pflanzen, sondern auch ein Verdunstungssystem schaffen: Ein Holzgerüst, das Schülerinnen und Schüler der Ortweinschule aus Abfallholz gebaut haben, lässt nach dem Prinzip von Gradieranlagen die Flüssigkeit verdunsten. Die Luft rund um die zwischen den Gestellen postierte Sitzgruppe wird merkbar kühler. Das Wasser für beide Teile des „Expanded Gardens“ ist kein Trinkwasser, sondern stammt aus der Grundwasserzisterne des Kunsthauses.

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Katrin Bucher Trantow, Markus Jeschaunig
Katrin Bucher Trantow, Markus Jeschaunig © Kunsthaus Graz/J. J. Kucek

Der Garten versteht sich als Kunstprojekt, aber vor allem als Forschungsprototyp für klimaverantwortliches Bauen. „Es ist auch Teil meiner Dissertation am Institut für Architekturtechnologie“, erzählt Jeschaunig. Gleich mehrfach wird das Projekt wissenschaftlich begleitet, das TU-Institut für Siedlungswasserwirtschaft führt Messungen durch, der Botanische Garten der Uni Graz begleitete bei der Auswahl der Bepflanzung: „Die wichtigsten Kriterien waren hier, dass sie große Hitze aushalten müssen und dass sie auch – wider ihre Natur – nach unten ranken können.“

In seinen Arbeiten beschäftigt sich der Künstler und Architekt schon lange mit Klima- und Umweltthemen in urbanen Räumen. In Graz kennt man ihn unter anderem durch seine Arbeit „Oase No 8“, ein Abwärmegewächshaus für Bananen auf einem Dach beim Jakominiplatz, und vor allem durch den „Klima Kultur Pavillon“ – einen kleinen Stadtwald, der im Kulturjahr am Freiheitsplatz wuchs. Dieser wurde gemeinsam mit dem interdisziplinären Breathe Earth Collective, dem er angehört, umgesetzt – wie auch eine Arbeit in St. Pölten, die ebenfalls das Gradieranlagen-Prinzip umsetzt: der „Windfänger“. Was ihn dabei stets antreibt: „Mir ist es ganz besonders wichtig, Aha-Erlebnisse zu erzeugen, die auch ein Bewusstsein für Klimathemen schaffen.“

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Mit dem Breathe Earth Collective setzte Jeschaunig (l.) den Windfänger in St. Pölten um …
Mit dem Breathe Earth Collective setzte Jeschaunig (l.) den Windfänger in St. Pölten um … © Joanna Pianka

Der „Expanded Garden“ am Kunsthaus sei eine künstlerische Intervention mit großem Potenzial, freut sich Kunsthaus-Chefkuratorin Katrin Bucher Trantow: „Wir haben hier am Dach ein großes Hitzeproblem, gerade heuer im Sommer hat man das stark gesehen.“ Jede kleine Verbesserung, wie zuletzt ein Sonnensegel, muss mit dem Denkmalamt abgesprochen werden. Der „Expanded Garden“ – der Name bezieht sich übrigens auf die utopischen Architekturkonzeptionen der „Haus-Rucker-Co“ in den 1970er und 80er Jahren – ist als temporäres Kunstprojekt zunächst einmal für drei Jahre angelegt, mit der Option auf Verlängerung.

Zugänglich ist der Dachgarten aufgrund der Fluchtwegssituation übrigens nur im Rahmen der Architekturführungen und im Rahmen von Workshops.