Brand in Tolmezzo: „Niemand geht hinaus, der Rauch brennt in den Augen“
Seit Tagen brennen ganze Berge in Friaul, der Rauch zieht bis Kärnten und in die Südsteiermark. Eine Kärntnerin war vor Ort und schildert ihre Erlebnisse.

„Wir hatten diese Reise schon lange geplant und gebucht, aber als wir von den Waldbränden hörten, fragten wir natürlich nach, ob nicht jemand dringender unser Zimmer braucht“, erzählt Kleine Zeitung-Mitarbeiterin Livia Steiner. Sie war am Wochenende in Illegio, Luftlinie etwa fünf Kilometer von Tolmezzo entfernt, wo seit Tagen schwere Waldbrände wüten.
Die Ortschaft war nicht von Evakuierungen betroffen und das Zimmer war frei. Dennoch belastete der Rauch, der von den Bränden immer wieder einmal herzog, die Bewohner schwer. „Die Leute gingen kaum noch ins Freie, der Rauch brennt zu sehr in den Augen“, erzählt sie. Die Geruchsbelästigung sei enorm, generell bemerke man, dass sich momentan niemand zu lange draußen aufhält.
Es sei wie ein „Lotteriespiel“ – je nachdem, wohin der Wind sich dreht, zieht immer wieder dichter Rauch über den Ort. Teilweise sei deshalb die Belastung in Tolmezzo sogar geringer als in Illegio. In den vergangenen Tagen waren Rauchschwaden sogar bis Kärnten und in die Südsteiermark gezogen. Zahlreiche besorgte Bürger riefen bei der Feuerwehr an, im Gailtal etwa waren Fahrzeuge mit Ruß bedeckt.

In Illegio regnete es Asche, erzählt Steiner. Der Ruß, der vom Himmel fällt, ist dort so dicht, dass es unmöglich ist, Wäsche im Freien aufzuhängen oder die Zimmer durchzulüften, sagte die Hotelierin. Eine schwere Situation für einen Beherbergungsbetrieb. Doch mehr als um sich oder die Leute im eigenen Dorf sorgt die Frau sich um Freunde in Tolmezzo oder in den mittlerweile evakuierten Dörfern. Die zahlreichen Wildtiere tun ihr leid, aber auch um ihre eigenen Katzen macht sie sich Sorgen. „Ich war ja nur einen Abend lang dort. Aber es ist unvorstellbar, welcher Dauerbelastung die Menschen dort seit Tagen ausgesetzt sind“, sagt Steiner.
Entwarnung konnte auch am Wochenende nicht gegeben werden. Denn das Gewitter, das in Friaul durchzog, entlud sich über Grado und Monfalcone, in Tolmezzo kam kein Regen. Am Montag hoffen die Einsatzkräfte aber auf Hilfe von oben, denn da soll es auch im Brandgebiet regnen. Laut italienischen Nachrichten geht man mittlerweile davon aus, dass der Brand am Berg Dobis gelegt worden sei, während das Feuer am Monte Amariana durch einen Blitzeinschlag in einen Baum ausgelöst worden sein dürfte.
