„Soll ich mir das noch antun?“ – Jakob Mandlbauer steigt wieder in den Bob
Bobpilot Jakob Mandlbauer (27) denkt nicht an ein Ende seiner Karriere. Der Sturz von Olympia ist verarbeitet und er blickt bereits in Richtung Winter.

170 Kilogramm wiegt die Langhantel, die Jakob Mandlbauer in seinem Stiernacken platziert. Der Koloss von 93 Kilogramm geht mit dem Gewicht auf seinen Schultern fünf Mal tief in die Knie. Ein Satz ist erledigt, weitere folgen. Mandlbauers Körper wirkt noch definierter als in der Vorsaison. Auf zehn, elf Prozent Körperfettanteil hat er sich heruntertrainiert und ist trotz seiner Größe noch spritziger geworden. Elf Trainingseinheiten stehen im salzburgischen Rif auf dem Plan, nur sonntags hat er frei. Meist sind es sechs harte und fünf regenerative Einheiten. „Da werden die Schwachstellen bearbeitet", sagt der Athlet aus Mürzzuschlag mit einem Grinsen bei dem Gedanken an Beinachsen- und Hüftrotationstrainings, während sein Oberschenkel so massiv anmutet, als hätte er sich eine eigene Postleitzahl verdient. „Ich passe schon noch in eine Jeans, aber da muss ich eh nicht rein. Ich habe eh immer nur Sportgewand an", sagt er.

Die Stimmung passt in der Sommervorbereitung der Bobfahrer – und nicht nur die. „Die Leistungswerte sind sehr gut, es ist auch sprinttechnisch viel weitergegangen, und so können wir am Start noch mehr rausholen", sagt er. Aktuell pendelt der Korporal des Bundesheers immer wieder über die Grenze nach Berchtesgaden. In der dortigen Kaserne steht die Schubanlage, auf der die Bobfahrer die erste Phase des Rennens wieder und wieder trainieren. Die nahe Anlage „Königssee" wird heuer wieder in den Rennkalender (Jänner) aufgenommen. Die Kunsteisbahn Königssee wurde im Jahr 2021 bei einem schweren Unwetter vollständig zerstört.
Nach Sturz bei Olympia: „Soll ich mir das noch antun?“

Das Sommertraining ist körperlich hart, doch musste der Mürzzuschlager heuer auch mental enorme Stärke beweisen. Bei den Olympischen Spielen in Cortina kam es nach einem Fahrfehler zu einem Sturz. In Kurve neun des Eiskanals „Eugenio Monti" von Cortina d'Ampezzo kippte der Bob um und schlitterte nahezu ungebremst weiter. Mandlbauer konnte sich nicht vollständig in den Bob ducken. Schläge auf den Helm durch die Bande während der sehr langen und ruppigen Rutschphase drückten ihm den Kopf immer wieder mit voller Kraft zur Brust. „Kurz nach dem Sturz, als ich noch Schmerzen hatte, habe ich schon überlegt, ob ich es bleiben lassen soll", erzählt er. Er stellte sich die Frage: „Soll ich mir das noch antun? Waren es nicht schon zu viele Stürze?"
Doch die Unsicherheit über seine sportliche Zukunft wich rasch. „Ich habe schnell gewusst, dass ich noch einmal in einem Bob sitzen muss, und wenn das Gefühl dann gut ist, fahre ich weiter.“ Im Bob saß er bislang noch nicht, doch mit dem anfänglichen leichten Training in der Rekonvaleszenzphase kehrten auch die Motivation und die Freude zurück. „Als ich wieder schmerzfrei war, habe ich mit Übungen begonnen, die mir zu dem Zeitpunkt möglich waren, um die Muskulatur wieder aufzuwecken und zu aktivieren."

Unterstützung vom heimischen Verband
Auch der heimische Verband hat ihm immer wieder sein Vertrauen ausgesprochen und unterstrichen, dass er mit ihm für die Winterspiele 2030 plant, erzählt er und fügt an: „Und außerdem haben ganz viele Leute zu mir gesagt: ‚Gell, du machst schon weiter.' Da kann man dann ja gar nicht aufhören. Ich habe enormes Vertrauen erfahren." Das hat der geschundenen Sportlerseele gutgetan. Intensive Gespräche mit einem Mentaltrainer halfen, den Fokus wiederzufinden. Dabei ging es nicht nur darum, Erlebtes zu verarbeiten. „Es ist sehr wichtig, auch eine andere Perspektive auf die Dinge zu bekommen. Ich habe das Angebot sehr intensiv in Anspruch genommen – auch, um künftig mental das Maximum an Konzentration herausholen zu können."
Los geht die Saison im Eiskanal erst am 3. November. Zuvor stehen Trainings, Leistungstests und zwei Wochen auf der Bahn auf dem Programm. Den Weltcup in Cortina wird er in dieser Saison allerdings auslassen – einerseits wegen des Sturzes, andererseits, um sich in Winterberg beim Europacup auf der EM-Bahn den Feinschliff zu holen.