Stärkste Trockenheit seit Messbeginn setzt der Steiermark zu
Die vergangenen zwölf Monate haben ganz Österreich eine nie dagewesene Trockenheit gebracht. In der Steiermark fehlt teils mehr als die Hälfte der Regenmenge – mit weitreichenden Folgen.

Minus 45 Prozent in Bad Radkersburg, minus 24 Prozent in Graz, minus 58 Prozent in Mariazell: Die Defizite beim Niederschlag im heurigen Sommer unterscheiden sich je nach Ort, haben aber eines gemeinsam: Vor den jeweiligen Messwerten der Geosphere Austria steht stets ein dickes Minus. Es gibt keine Gegend im Bundesland, in der es in den vergangenen Monaten nicht deutlich zu wenig geregnet hätte. Und das nicht erst seit Sommerbeginn.
Betrachtet man die Gesamtheit der vergangenen zwölf Monate, hat es in ganz Österreich noch nie in 176 Jahren Messgeschichte eine so trockene Periode gegeben, wie eine neue Auswertung der Geosphere zeigt. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Steiermark (bis inklusive 12. August) demnach im Flächenmittel ein Regendefizit von 29 Prozent. Auch hier variieren die Werte je nach Standort. Irdning und Zeltweg halten bei jeweils 24 Prozent weniger Regen als üblich, Bad Gleichenberg bei minus 28, Mariazell bei minus 48 Prozent.
Wie der Klimawandel die Trockenheit antreibt
Der ausgebliebene Regen ist aber nur eine Komponente, die die aktuelle Trockenheit befeuert, wie Geosphere-Klimaforscher Klaus Haslinger erläutert. „Die zweite ist die Verdunstung. Je wärmer die Atmosphäre, desto mehr vermag sie dem Boden Feuchtigkeit zu entziehen.“ Dieser „Durst der Atmosphäre“ steigt, je mehr der Klimawandel das Temperaturgefüge nach oben treibt. In Zahlen ausgedrückt: Für jedes Grad mehr Hitze können die Luftschichten um sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen – Feuchtigkeit, die dem Boden und der Vegetation dann nicht mehr zur Verfügung steht. Und in der Steiermark hat der menschengemachte Klimawandel die mittleren Temperaturen bereits um mehr als drei Grad nach oben getrieben.
Landwirtschaft leidet unter Hitze und Wassermangel
Im Sommer wird dieser Umstand besonders spürbar. Heuer jagte eine Hitzewelle die nächste, in Graz war es seit Juni durchschnittlich 4,3 Grad wärmer als noch im Schnitt der Jahre 1961 bis 1990, in Bad Gleichenberg um 4,1 Grad. Die Folgen lassen sich überall im Land sehen. So lassen Hitze und Trockenheit die heurige Apfelernte in der Steiermark um mehr als ein Drittel einbrechen. Den Grünlandbauern geht das Futter für ihre Rinder aus, Winterreserven müssen frühzeitig aufgebraucht werden. Ebenso schwer betroffen sind laut Landwirtschaftskammer Mais, Kürbis, Soja und Kartoffeln. Die Hagelversicherung geht heuer von insgesamt 140 Millionen Euro an Dürreschäden in der steirischen Landwirtschaft aus.
Die Dürre macht auch die Wälder anfälliger für Brände. Extrembrände nehmen zu, den steirischen Feuerwehren ist seit Wochen kaum eine Verschnaufpause gegönnt. In den vergangenen Tagen loderten Waldbrände unter anderem auf der Gleinalm, in Pöllau und bei Aflenz.
Grundwasser sinkt unter Tiefstwerte ab
In den Böden selbst sinken die Grundwasserpegel tiefer und tiefer. „Im Normalbereich sind wir hier nirgends im Land mehr, die Werte sind sehr, sehr niedrig“, sagt Sebastian Wiesmair von der Wasserabteilung des Landes. „Besonders tief sind die Pegel im Enns- und Murtal, wo wir deutlich unterhalb der Minima für diese Jahreszeit liegen.“ Auch in der Weststeiermark nähern sich die Wasserstände den Tiefstwerten, etwas besser ist die Lage noch im Grazer Becken und im Osten. „Hier bewegen sich die Pegel noch auf halbem Weg zwischen Normal- und Tiefstständen“, sagt Wiesmair.

Entsprechend trist sieht es in den steirischen Flüssen aus. Die Wassermengen liegen im ganzen Bundesland weit unterhalb der üblichen Werte. Ein Problem ist das nicht nur für die Ökologie der Gewässer, auch die Wasserkraftproduktion leidet. Die Murkraftwerke können nur die Hälfte der üblichen Strommenge bereitstellen, an kleineren Flüssen mussten Kraftwerke überhaupt abgestellt werden. Die Erzeugungslücke wird teils über das Verbund-Gaskraftwerk in Mellach wettgemacht, das auf Hochtouren laufen muss.
Weiter kein anhaltender Regen in Sicht
Eine Besserung der Trockenheitssituation ist nicht absehbar. „Das vorhandene Niederschlagsdefizit könnten selbst durchschnittliche Niederschläge nicht so schnell beheben“, sagt Haslinger. Kleiner Hoffnungsschimmer: Die Langfristprognosen deuten zumindest ab Oktober auf etwas feuchtere Witterung hin.