Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Mit Assistentin im Pflegeheim: „Das Quatschen ist schon schön“

Ältere Menschen mit Behinderung(en) fehlt in Seniorenheimen oft die passende Begleitung, die Lebenshilfe Region Judenburg hat daher eine mobile Assistenz gestartet. Wir haben Astrid Duller bei einem Besuch begleitet.

Astrid Duller mit ihrem Klienten Ulfried Rinnofner in seinem Zimmer im Seniorenheim
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Astrid Duller mit ihrem Klienten Ulfried Rinnofner in seinem Zimmer im Seniorenheim
Sarah Ruckhofer
Stv. Ressortleiterin Regionalredaktionen Steiermark, Teamleiterin Regionalredaktion Murtal & Murau

Das Zimmer von Ulfried Rinnofner ist liebevoll eingerichtet. Dutzende Fotos seiner Familie zieren die Wände, die große Fensterfront sorgt für viel Licht. „Mir gefällt es hier“, nickt der 62-Jährige. Seit einiger Zeit wohnt er im Senecura Pflegezentrum Fohnsdorf. Als Kunde der Lebenshilfe arbeitete er viele Jahre in Werkstätten, ging dort aber in Pension. „Und alleine daheim ist es leider zu viel geworden“, erzählt der beeinträchtigte, aber rüstige Mann, der auch im Heim noch viele Dinge selbstständig erledigt.

Die Betreuung von älteren Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen in Pflegeheimen ist ein recht neues Thema. „Im Krieg wurden diese Menschen ja leider vielfach getötet, jetzt kommt auch bedingt durch medizinischen Fortschritt eine Generation, die ein hohes Alter erreicht“, erklärt Astrid Duller. Sie ist mobile Assistentin für Menschen mit Behinderungen in Pflegewohnheimen, ein noch junges Angebot der Lebenshilfe Region Judenburg. Pflegeheime sind per se nicht unbedingt auf die Bedürfnisse von Beeinträchtigten abgestimmt, auch fehlt im Alltag die Zeit für Gespräche oder gemeinsame Unternehmungen.

Mit dem Rollstuhl geht es zu gemeinsamen Unternehmungen, für die im Heimalltag oft die Zeit fehlt
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Mit dem Rollstuhl geht es zu gemeinsamen Unternehmungen, für die im Heimalltag oft die Zeit fehlt

Pizza und Schach

Genau hier setzt die mobile Assistenz an: Es geht um persönliche Wünsche, um Selbstbestimmung und um soziale Teilhabe. Als Ergänzung zur Betreuung im Pflegeheim soll die Begleitung durch die Assistenten die Selbstständigkeit stärken. Das Angebot richtet sich an Menschen mit körperlicher, sensorischer, intellektueller oder mehrfacher Behinderung, die in Pflegewohnheimen leben.

Wie so ein Besuch konkret abläuft? „Das richtet sich ganz nach den Wünschen der Kundinnen und Kunden“, erzählt Astrid Duller. Ulfried Rinnofner schmunzelt: „Das Quatschen ist schon schön.“ Gemeinsame Spaziergänge, etwa zum nächsten Lebensmittelgeschäft, stehen ebenso am Programm wie Pizza essen gehen oder Schach spielen. „Das lerne ich von ihm, ich werde immer besser“, lacht die Sozialfachbetreuerin. In Kürze soll für den 62-jährigen Zeltweger ein Traum in Erfüllung gehen: „Ich bin noch nie mit dem Bus gefahren.“ Mit dem Bus soll es bis in die Arena gehen, shoppen, dann zurück ins Heim.

Daumen hoch für die Betreuung

Die mobilen Assistenten der Lebenshilfe betreuen Menschen in unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen quer durch die Region. Die Rückmeldungen seien äußerst positiv, so Astrid Duller. Das bestätigt auch Ulfried Rinnofner: „Daumen hoch!“, ruft er. Scheiden Kunden aus den Werkstätten aus, gehen auch wichtige Sozialkontakte verloren. Besuche bei den alten Freunden gehören bei den gemeinsamen Ausflügen daher zum Pflichtprogramm. „Dort treffe ich alte Freunde, das ist super“, sagt auch Rinnofner.

So gut es ihm auch im Pflegeheim gefällt, im Alltag fehlen oft die Kontakte nach außen. „Gerade Aktivitäten außerhalb fehlen, da kommen wir ins Spiel“, so Duller. Die Assistenz ist eine Leistung nach dem Steiermärkischen Behindertengesetz, bei der Beantragung hilft der jeweilige Träger (etwa die Lebenshilfe). Dass die Nachfrage steigen wird, davon ist Duller überzeugt: „Die Menschen werden immer älter, der Bedarf wird wachsen.“

Mehr zum Thema