Jungpapa Hämmerle: „Bin froh, dass ich das alles durchgemacht habe“
Der zweifache Snowboardcross-Olympiasieger Alessandro Hämmerle (33) ist kürzlich Papa geworden. Davon wusste der Vorarlberger bereits bei den Winterspielen in Livigno.

Zwei Olympia-Siege, schwere Rückschläge, die Traumhochzeit 2025 und nun ein ganz neues Kapitel: Österreichs Snowboardcross-Star Alessandro Hämmerle hat in seiner Karriere schon vieles erlebt, was ihn an seine Grenzen gebracht hat. 2022 in Peking und 2026 in Italien stand der Vorarlberger ganz oben auf dem olympischen Podest. Dazwischen lagen allerdings Monate, in denen sein Körper nicht mehr so wollte wie sein Kopf. Eine angeborene Instabilität der Lendenwirbelsäule und zwei schwere Gehirnerschütterungen mit Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel und Sehstörungen machten dem 33-Jährigen schwer zu schaffen. Monatelang kämpfte er sich durch verschiedenste Therapien – von Osteopathie und Physiotherapie bis hin zu Zelltherapie und Augentraining.
„Es war eine extrem belastende Zeit“, blickt der Vizeweltmeister von 2021 zurück. Zeitweise habe er sich sogar gefragt, „ob es überhaupt je wieder weggeht“. Heute sieht er die schwierigen Phasen mit anderen Augen: „Im Nachhinein waren es lehrreiche Zeiten. Ich bin froh, dass ich das alles durchgemacht habe, weil ich sonst jetzt nicht so dastehen würde.“
Nun wartet die wohl schönste Herausforderung: Hämmerle ist seit kurzem Vater. Tochter Mila erblickte am 31. Juli das Licht der Welt. 50 Zentimeter groß, 3,7 Kilogramm schwer – und für den dreifachen Gesamtweltcup-Sieger schon jetzt die wichtigste Person im Leben. „Es ist schön und verrückt zugleich. Mit nichts zu vergleichen. Schlaf gibt es mal mehr, mal weniger. Ich habe die Kleine in der Hand, schaue irgendwie in mein eigenes Spiegelbild und habe plötzlich sehr viel Verantwortung.“ Ehefrau Julia und er seien bereits ein „Topteam. Ich lebe meine erste Vaterrolle. Mila hat mein Mindset umgewürfelt. Ich bin gespannt.“ Und wie schwierig war es, nach dem zweiten Gold das Geheimnis nicht auszuplaudern? „Ich habe es immer meiner Frau überlassen. Zum damaligen Zeitpunkt war es ihr lieber, es noch für uns zu behalten, da es doch ein heikles Thema ist. Ich habe das natürlich respektiert. Der engste Kreis und die Teamkollegen wussten Bescheid.“

„Es hat extrem viele positive Selbstgespräche gebraucht“
Auch sportlich hat sich sein Blickwinkel verändert. Um mehr Zeit zu Hause verbringen zu können, hat er sein Training etwas angepasst – vernachlässigen will er den Sport aber keineswegs. Denn ein großes Ziel bleibt: die Heim-Weltmeisterschaft 2027 in Montafon. Der WM-Titel ist die einzige große Trophäe, die ihm in seiner beeindruckenden Sammlung noch fehlt.
Der Olympiasieg im Februar war für „Izzy“ rückblickend „ein absoluter Wahnsinn“. Vor allem mental war der Weg dorthin eine Herausforderung. „Es hat extrem viele positive Selbstgespräche und Energie gebraucht, um den Glauben an mich nicht zu verlieren“, sagt der zweifache WM-Medaillengewinner. Die gesundheitliche Ausgangslage sei alles andere als einfach gewesen. Umso mehr genießt er nun die Erfolgswelle. „Mir ist bewusst, dass es nicht immer bergauf gehen kann. Es wird wieder schwierigere Phasen geben.“ Eine Erkenntnis, die nach den vergangenen Jahren wohl mehr Gewicht hat als jede Medaille.
Im März 2027 könnte sich der Kreis schließen. Hämmerle will nach dem WM-Titel greifen – und damit seine Erfolgsgeschichte vor heimischem Publikum krönen. Der Rücken brauche zwar weiterhin Arbeit, die Entwicklung stimme aber. „Wenn ich das mit vor drei Jahren vergleiche, ist das ein Riesenunterschied.“ Und was kommt danach? „Es muss noch nicht Schluss sein. Ich lasse mir alles offen.“ Nur eines weiß der passionierte Surfer: „Von großen Rückschlägen würde ich mich nicht mehr großartig zurückkämpfen wollen. Dafür habe ich genügend erlebt.“


