Europa schafft sich ab, aber noch schauen nicht alle nur zu
Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Redaktion. Heute: ein viel zu wenig beachteter Ruf nach dem Schutz Europas und seiner christlichen Werte.
In einem vollgestopften Sommerloch kann viel untergehen. Kurzfristig wollte sich in der Vorwoche ja nicht einmal mehr die Sonne anschauen, wie Bundeskanzler Christian Stocker diverse „Erklärungen“ abgab und der ORF ins „neue Morgen“ stolperte, dabei aber immer wieder vom Gestern eingeholt wurde. Entsprechend wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielt deshalb eine Meldung aus dem Ausland, die – in der Klarheit ihrer Botschaft – bemerkenswert ist:
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihre dänische Amtskollegin Mette Frederiksen wollen mit vereinten Kräften gegen „unkontrollierte Migration“ nach Europa vorgehen. In einer gemeinsamen Botschaft in sozialen Netzwerken erklärten die Regierungschefinnen, sie seien zwar politisch nicht in allen Fragen einer Meinung (Meloni ist Rechtspopulistin, Frederiksen Sozialdemokratin), würden aber den Wunsch nach einem „Schutz Europas“ und seiner Werte teilen.
Besonders scharf kritisierten Meloni und Frederiksen Migranten ohne Aufenthaltsrecht, die schwere Straftaten begingen. „Die europäischen Bevölkerungen erwarten verständlicherweise, dass ihre Politiker handeln. Viel zu lange haben vor allem die einfachen Bürger einen viel zu hohen Preis für unkontrollierte Einwanderung gezahlt“, schreiben die Regierungschefinnen. „Wir sind beide stolz auf das christliche kulturelle Erbe Europas und wollen es schützen. Wir erwarten von denen, die in unsere Länder kommen und Europa zu ihrer Heimat machen wollen, dass sie unsere Werte respektieren und nicht versuchen, uns eine Lebensweise aufzuzwingen, die wir nicht wollen.“ Meloni und Frederiksen glauben, „dass Millionen von Europäern diese Überzeugung teilen“.
Kulturelle Selbstenteignung
Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen. Bis auf die pessimistische Feststellung, dass man vielerorts in Europa noch immer mit großem Engagement daran arbeitet, das christliche kulturelle Erbe von innen heraus gründlich auszumerzen. Kruzifixe stören plötzlich, Kirchenglocken sind zu laut. Aus dem Martinsumzug im Kindergarten wird das Lichterfest, aus der Weihnachtsfeier in der Schule ein Friedensfest. Und wenn christliche Anlässe wie der Advent im Wording überleben, höhlt sie die öffentliche Hand inhaltlich aus, um damit – kommerziell aufgebläht und künstlich verlängert – in sterbenden Innenstädten optisch, akustisch und intellektuell Umweltverschmutzung zu betreiben.
Angst beim Lesen? Es darf kein Tabu mehr sein, die zum Teil schon fast als Volkssport betriebene christliche kulturelle Selbstenteignung anzuprangern. Und man sollte die Kritik daran nicht allein den gefährlichen Krakeelern überlassen, deren eigene Werte so wenig christlich sind wie ein Pferdeentwurmungsmittel die Coronaimpfung ersetzt.
Nichts gelernt?
Man möchte meinen, dass Europa aus dem rechtsstaatlichen und medialen Multiorganversagen in der Migrationskrise 2015 gelernt hat. Meloni und Frederiksen sind sich da offenbar nicht ganz sicher – sonst hätten sie dieses Manifest nicht verfasst.
