„Kleine Nahversorger brauchen wieder mehr Spielraum“
In Gemeinden unter 1500 Einwohnern geraten Nahversorger immer mehr unter Druck. Zusätzliche Einkommensquellen wie Tabakverkauf seien nötig, sagt der Branchensprecher.

Es war eine Hiobsbotschaft für St. Veit. Der Nahversorger am Hauptplatz schließt nach rund einem Jahr, weil es an Kundenfrequenz und Personal fehlt. Ist das ein Anzeichen dafür, dass das Greißlersterben wieder zunimmt? Christian Prauchner, Bundesobmann des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich, geht eher von „einer speziellen Situation“ aus, denn: „Gerade in den Städten und Ballungszentren haben wir in Österreich weiterhin eine ausgezeichnete Versorgungslage.“ Große Herausforderungen sieht er hingegen in peripheren und ländlichen Regionen, „wo es immer schwieriger wird, Nahversorgung aufrechtzuerhalten“.
Ab 5000 Einwohnern ist, so Prauchner, eine flächendeckende Versorgung sichergestellt. „Sorgen bereiten uns aber die kleinen, ländlichen Gemeinden – dort dünnt die Nahversorgung zunehmend aus.“ 69 Prozent der Gemeinden unter 500 Einwohnern haben bereits keinen Lebensmittelhändler mehr. „Ist ein Standort einmal weg, ist es unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen sehr schwierig, wieder einen Betreiber zu finden“, sagt der Branchensprecher.

In Gemeinden unter 1500 Einwohnern sei es nahezu unmöglich, einen Standort wirtschaftlich erfolgreich zu führen. „Deshalb müssen wir solche Standorte attraktiver machen und zusätzliche Einkommensquellen ermöglichen, etwa durch einen leichteren Zugang zum Tabakverkauf“, ist Prauchner überzeugt. Gleichzeitig brauche es Entlastungen bei Energie- und Lohnkosten, Gebühren sowie Bürokratie. „Gerade kleine, selbständige Nahversorger brauchen wieder mehr wirtschaftlichen Spielraum“, ist er überzeugt. Selbstbedienungskonzepte könnten ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung sein.
Nein zur Sonntagsöffnung
In einer generellen Sonntagsöffnung, wie sie einzelne Unternehmer fordern, sieht er nicht die Lösung. Er verweist auf deutlich höhere Personalkosten an Sonn- und Feiertagen und den bereits jetzt bestehenden Personalmangel. Darüber hinaus würden dadurch nicht mehr Lebensmittel eingekauft, sondern der Umsatz verteile sich lediglich auf sieben statt auf sechs Tage. Die in den Bundesländern bereits bestehenden Ausnahmeregelungen würden ausreichen, wobei man diese bundesweit vereinheitlichen sollte. Prauchner betont: „Unsere Mitarbeiter leisten von Montag bis Samstag sehr viel. Ich finde, da sollte es auch einen Tag geben, der grundsätzlich der Erholung und der Familien vorbehalten bleibt.“
Im österreichweiten Vergleich liegt Kärnten laut einer von der WKÖ in Auftrag gegebenen Erhebung bei der Nahversorgung im Mittelfeld. Elf Prozent der Gemeinden verfügen über keinen eigenen Lebensmittelhändler. Deutlich angespannter ist die Situation im Burgenland, wo 30 Prozent der Gemeinden unversorgt sind, gefolgt von Tirol und Oberösterreich. Im gesamten Bundesgebiet zeigt sich eine hohe Anzahl an ländlichen Gemeinden ohne Nahversorger, die im Umland von größeren Zentren liegen. Das hat damit zu tun, dass die Wohnbevölkerung meist zur Arbeit in die nahegelegene Stadt pendelt und auf diesem Weg die Einkäufe erledigt. Daher hat der Händler in der Heimatgemeinde zu wenig Absatz und kann wirtschaftlich nicht überleben.
