Seltene Sorten: Zwei Familienbetriebe bewahren Urgetreide in Oberkärnten
Der Oberkärntner Winterroggen und der Kärntner Frühe Sommerweizen sind Teil der „Ur-Gut“-Initiative von Joseph Brot.
Was heute auf den Feldern in St. Peter bei Spittal und in Pusarnitz wächst, hat eine lange Geschichte. Der Oberkärntner Winterroggen und der Kärntner Frühe Sommerweizen gehören zu alten, regionaltypischen Getreidesorten, die über Generationen weitergegeben und an die Bedingungen ihrer Heimat angepasst wurden. Dass diese Sorten noch angebaut werden, ist auch zwei Familienbetrieben zu verdanken: dem Biohof Sommeregger-Ebner von Mario Ebner in St. Peter und dem Biohof Thomanbauer von Hans Georg und Andrea Kohlmaier in Pusarnitz.
„Der Oberkärntner Winterroggen ist schon früher bei der Oma angebaut worden“, erzählt Mario Ebner. Manche Körner seien bereits 50 oder 60 Jahre alt. Der entscheidende Punkt: Das geerntete Korn kann wieder als Saatgut verwendet werden. Auch die Familie Kohlmaier arbeitet mit der sogenannten Populationssorte. Das Erntegut wird wieder für die nächste Aussaat verwendet. „Das sind regionaltypische Sorten, die sich im Laufe der Zeit an den Standort angepasst haben“, erklärt Hans Georg Kohlmaier.

Weniger Wasser, weniger Dünger
Die alten Sorten sind zwar ertragsschwächer als moderne Hybridsorten, kommen dafür mit weniger Wasser und Stickstoff aus. „Gerade für die Landwirtschaft in Oberkärnten ist das interessant. Die Böden in unserer Region sind teilweise karg und steinig“, erklärt der Landwirt. Auch Ebner sieht den geringeren Wasserbedarf des Winterroggens als Vorteil. Gerade in trockenen Jahren könne das eine Stärke sein.
Für Ebner hat der alte Roggen aber noch eine weitere Besonderheit. „Die Backqualität vom Oberkärntner Roggen ist eigentlich immer gleich. Da gibt es keine Schwankungen“, sagt er. Auf seinem Hof wird deshalb nicht nur angebaut. Das Getreide wird gereinigt, weiterverarbeitet und in der eigenen Mühle vermahlen. Die Familie verkauft Mehl und Getreide direkt ab Hof und verarbeitet einen Teil auch selbst zu Brot.

Vom Feld bis zum Mehl
Rund 15 Tonnen Roggen werden bei Ebner jährlich verarbeitet. Der Weg vom Korn zum Mehl dauert dabei mehrere Monate. Gesät wird der Winterroggen im September, geerntet wird Anfang Juli. Danach wird das Getreide getrocknet, gereinigt und eingelagert. Erst nach einer gewissen Lagerzeit wird es vermahlen. Auch bei den Kohlmaiers wird die Ernte zunächst getrocknet und gereinigt. „Ganz frische Ernte zu vermahlen ist nicht gut“, sagt Kohlmaier. Das Getreide soll zunächst ablagern. Gemahlen wird dort in kleineren Mengen, damit das Mehl möglichst frisch verarbeitet werden kann.

Beide Höfe werden im Vollerwerb geführt. Bei den Kohlmaiers wohnen sieben Familienmitglieder unter einem Dach, darunter die drei Kinder und die Eltern des Landwirts. Neben dem Getreideanbau gehören Mutterkühe und Hühner zum Betrieb. Vermarktet wird direkt ab Hof. Im Selbstbedienungsladen werden unter anderem Eier, Getreide, Mehl und Erdäpfel angeboten. Auch Kümmel, Leinsamen und der traditionelle Kärntner Talggen gehören zum Sortiment.

Auch Ebners Betrieb ist ein klassischer Familienbetrieb und wird mittlerweile in fünfter Generation geführt. Auf rund 27 Hektar Ackerfläche wachsen neben dem Winterroggen unter anderem Dinkel, Nackthafer, Waldstaudenroggen und Weizen sowie Speisekartoffeln und Feldgemüse.
Der Weg zu Joseph Brot
Die Verbindung der beiden Höfe zu Joseph Brot entstand unabhängig voneinander. Ebner ist seit rund vier Jahren Teil der Zusammenarbeit. Der Kontakt kam zustande, nachdem sich ein Mitarbeiter der Bio-Bäckerei bei ihm meldete. Bei Kohlmaier war es eher Zufall. Über eine Empfehlung wurde der Kontakt hergestellt. Zunächst schickte die Familie zehn Kilogramm Getreide als Probe. Die Backeigenschaften mussten sich erst in den Teigen von Joseph Brot bewähren. Mittlerweile liefern beide Höfe Getreide an Joseph Brot: Kohlmaier rund 1500 Kilogramm und Ebner rund 2000 Kilogramm jährlich.
Die beiden Familien sind damit Teil der „Ur-Gut“-Initiative von Joseph Brot. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben inzwischen mit 24 kleinbäuerlichen Familien zusammen, die 17 seltene, mikroregionale Getreidesorten in ihren österreichischen Heimatregionen bewahren, vermehren und anbauen. Die Initiative wurde 2019 ins Leben gerufen. Ziel ist es, alte Getreidesorten wieder stärker in ihren ursprünglichen Regionen zu kultivieren und damit auch die Vielfalt auf den Feldern zu erhalten.



