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Der Schein in Rosa trügt nicht: Bekannte Grazer haben ihn noch

Der alte Papierführerschein hat also ein Ablaufdatum. Doch bekannte Grazerinnen und Grazer haben ihn bis heute behalten. Samt „Jugendfoto“.

Unternehmer Werner Gröbl hat dieses Stück in Zartrosa bis heute behalten – als Erinnerungsstück, auch an die heimische Bürokratie
© Privat
Unternehmer Werner Gröbl hat dieses Stück in Zartrosa bis heute behalten – als Erinnerungsstück, auch an die heimische Bürokratie
Michael Saria
Redakteur Steiermark-Ressort | Graz

Es eilt jetzt nicht komplett, immerhin nimmt der ehrwürdige Papierführerschein erst im Jahr 2033 die letzte Ausfahrt und wird dann ungültig (wir berichteten). Dass der nötige Umtausch gegen eine Variante im Scheckkartenformat aber schon jetzt zum Thema wurde, liegt daran, dass Österreichs Behörden einen Ansturm auf den letzten Drücker befürchten – immerhin sind noch knapp 3,6 Millionen Papierführerscheine im Umlauf.

Einige davon gehören auch bekannten Grazerinnen und Grazern. Sie haben entweder den „Zettel“ aus Nostalgiegründen behalten – oder aber bis heute das Scheckkartenformat verweigert.

Sylvia Loibner nutzt jede moderne Technik – aber bewusst noch ihren alten Führerschein
© KLZ/Fuchs, Privat
Sylvia Loibner nutzt jede moderne Technik – aber bewusst noch ihren alten Führerschein

Sylvia Loibner: Die Anfrage der Kleinen Zeitung erreichte Sylvia Loibner im Urlaub und sorgte familienintern für Schmunzeln, wie die Chefin von Taxi 878 erzählt. Denn Loibner hat den Papierführerschein, den sie nach wie vor benutzt, wahnsinnig ins Herz geschlossen – und auch quasi gegenüber der Polizei verteidigt. Denn eines Tages wurde die heutige Verkehr-Spartenobfrau
in der Wirtschaftskammer von Beamten angehalten. Und Loibner ist sich nicht sicher, was sie mehr geärgert hat: dass sie dabei einen letztlich negativen Alkotest machen musste („Um zehn Uhr am Vormittag!“) oder dass ihr schon damals nahegelegt wurde, den Führerschein umzutauschen. Als eine anwesende Polizistin bemerkte, wie sehr Loibner am Papierschein hängt, ging die Beamtin noch einmal auf sie zu und flüsterte: „Wenn sie ihn unbedingt behalten wollen …“. Wollte Loibner. Und hat sie, bis heute.

Das hier rechts war bereits Schunkos zweiter Führerschein – die Abgabe des ersten war eine haarige Angelegenheit
© KLZ/Fuchs, Privat
Das hier rechts war bereits Schunkos zweiter Führerschein – die Abgabe des ersten war eine haarige Angelegenheit

Michael Schunko: Der Grazer Gastronom (Freiblick, Kunsthaus-Café) besitzt längst das Scheckkartenformat, doch weil er irgendwie immer auf den „Zettel“ in Rosa abgefahren ist, hat er dieses bei ihm schon ungültige Stück aufgehoben. „Und weil ich ihn später einmal bewusst herzeigen will, das glaubt einem in 20 Jahren ja keiner mehr, dass so einmal ein Führerschein ausgesehen hat!“ Dabei war dieses Exemplar bereits die Nummer zwei. Dass er einst einen neuen Papierführerschein machen musste, war quasi an den Haaren herbeigezogen, wie sich Schunko schmunzelnd erinnert: „Bei einer Polizeikontrolle schaute der Beamte auf mein Führerscheinfoto samt Schnauzer und vollem Haar. Dann auf mich. Und meinte: Man erkennt Sie überhaupt nicht!“

Auch Werner Gröbl hängt bis heute am Zettel in Zartrosa
© KLZ/Hanschitz, Privat
Auch Werner Gröbl hängt bis heute am Zettel in Zartrosa

Werner Gröbl: Der Grazer Unternehmer hat den rosa Schein ebenfalls behalten – als Erinnerungsstück, auch an die heimische Bürokratie, muss Werner Gröbl heute noch den Kopf schütteln: Er lebte früh seine Passion für den Rennsport aus. Weil er dazu einen Anhänger brauchte, wollte Gröbl auch den Schein für die Klassen E, C und „Traktor“ machen. Nette Idee, hieß es – aber keine Chance nach 400 Übertretungen im Straßenverkehr! Gröbl fiel aus allen Wolken, bis ihm klar wurde, dass jahrelang kleine bis große Schrammen bei Lkw-Fahrten für seine Firma „Gröbl Möbel“ auf ihn als Geschäftsführer zurückgefallen waren. Letztlich ging alles gut, heute hat er den Schein im handlichen Scheckkartenformat. Und den Vorgänger aus Papier aufgehoben als Erinnerung an die guten, alten und manchmal komplizierten Zeiten.

Dieter Hardt-Stremayr hat gut lachen: Wer besitzt schon einen kalifornischen Führerschein?
© KLZ/Großschädl, Privat
Dieter Hardt-Stremayr hat gut lachen: Wer besitzt schon einen kalifornischen Führerschein?

Dieter Hardt-Stremayr: Ein ziemlich cooles Exemplar von einem Führerschein nennt indes Dieter Hardt-Stremayr bis heute sein Eigen: eine „Driver License“ aus Kalifornien. Der heutige Chef von Graz-Tourismus ging in den 80er-Jahren in die USA, um als Reiseleiter zu arbeiten. „Der österreichische Führerschein war nicht nur fehl am Platz, wenn es darum ging, mein Alter nachzuweisen. Wenn ich dieses rosarote ,Buch‘ aufgefaltet habe, hat es auch so mancher Police-Officer nicht glauben können.“ Also absolvierte Hardt-Stremayr die Fahrprüfung. Mit dem eigenen Auto. Um quasi nur Stunden später die „License“ in den Händen zu halten. Wobei er lachend zugibt, dass es fortan ab und zu trotzdem nicht schlecht war, den österreichischen Schein zu wahren: In Edmonton etwa, als Hardt-Stremayr mit einem Freund ein wenig zu schnell unterwegs war. Gegenüber den Polizeibeamten machten sie schlagfertig einen auf ahnungslose Touristen und schwärmten vom großen Sohn der Stadt, Eishockeystar Wayne Gretzky. „Mit dem Ergebnis, dass wir von diesen Polizisten eine exklusive Stadtführung erhalten haben.“

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