Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Dürre im Almenland: „So extrem war es noch nie“

Hitze und Trockenheit setzen den Landwirten zu: Das Futter wird knapp, Heu wird zugekauft, Rinder könnten abgestoßen werden. Und auch der Wald leidet massiv. Ein Besuch auf der Teichalm.

Bei der Harrerhütte auf der Teichalm: Christoph Leitner und seine Mutter Waltraud Leitner
© Thomas Wieser
Bei der Harrerhütte auf der Teichalm: Christoph Leitner und seine Mutter Waltraud Leitner
Thomas Wieser
Redakteur Regionalredaktion Weiz

„Ich bin jetzt 33 Jahre heroben. Es hat schon immer trockene Jahre gegeben. Aber so trocken wie heuer war es noch nie. Wir hatten ja auch fast keinen Schnee. So extrem war es noch nie“, sagt Waltraud Leitner. Die 82-Jährige schüttelt den Kopf, ihr Blick ist ernst. Die Landwirtin aus Fladnitz verbringt die Sommer in der Harrerhütte auf der Teichalm. Immer wieder kehren Wanderer ein, Pilger übernachten in der idyllischen Hütte nahe der Straße Richtung Sommeralm.

1 / 10
Trockenheit auf der Teichalm
Trockenheit auf der Teichalm © Thomas Wieser

Ihr Sohn Christoph Leitner besitzt mehr als 70 Rinder. Einige davon verbringen die Sommer auf der Teichalm. Um die 80 Hektar sind seine Weideflächen groß, hinzu kommt einiges an Wald. 40 Kühe stehen daheim im Stall in Fladnitz. Leitner stellt Milchprodukte her, Joghurt, Topfen und den Arzberger Stollenkäse. Die Milch wird dringend benötigt.

Futter auch. „Es wächst aber nichts mehr nach. Das ist ein großes Problem. Es schaut aus wie Mitte September, vieles ist braun“, schilderte der 49-Jährige. Seine Rinder werden ausschließlich mit Grünfutter und Heu versorgt. „Aber wir haben jetzt seit eineinhalb Wochen gar kein Grünfutter mehr. Wir müssen jetzt schon Heu füttern“, schilderte Leitner Mitte August. Da sind jetzt die Vorräte aus dem Vorjahr aufgebraucht. Rund 800 Ballen an Heu wurden im Vorjahr produziert. Heuer waren es bisher um die 420. „Ich glaube nicht, dass wir heuer mehr als 500 schaffen werden.“ Und Leitner, der mit der Käserei, einem Pferdeeinstellbetrieb und der Waldbewirtschaftung mehrere Standbeine hat, prophezeit: „Im Winter wird es ein Futterproblem geben.“

Ich habe noch nie gesehen, dass die Kühe auf der Alm auch das Gras rund um die Sch...haufen zusammenfressen

— Christoph Leitner, Landwirt

Heu ist also dringend begehrt - so dringend, dass der Oststeirer Ballen zukaufen muss. 22 bis 24 Cent kostet der Kilo. Einstweilen ist es noch steirisches Heu, bald könnte es auch von weiter her, etwa aus Bayern, kommen. Die Landwirtschaftskammer startete eine Futterbörse. Doch wie bei allen Gütern, die knapp werden, gilt auch hier: Es wird nicht billiger, ganz im Gegenteil. Dafür fiel laut Leitner der Fleischpreis für Rinder: „Innerhalb von vier Wochen ist er um circa ein Drittel gefallen.“ Wobei es für ihn noch kein Thema war, Rinder zu verkaufen. Noch nicht. Seine Mutter ist da realistisch: „Für die Konsumenten wird sich beim Preis aber eh nichts verändern. Nur der Zwischenhandel verdient.“

„Es ist eine furchtbare Zeit“

Ein paar Kilometer weiter, auf der Sommeralm, bewirtschaftet Paul Lang seinen Betrieb. 40 Hektar Wald, rund 40 Milchkühe, auch er kämpft mit der Trockenheit. „Es ist eine furchtbare Zeit. Wir müssen sicher zehn Rinder verkaufen und Futter zukaufen.“ Freilich, mit Jammern will er keine Zeit verlieren.

Paul Lang, Landwirt auf der Sommeralm
© Privat
Paul Lang, Landwirt auf der Sommeralm

Vielmehr setzt er als Obmann des Waldverbandes Steiermark auf klimafitte Wälder. Wie diese aussehen? „Die Fichte ist unser Brotbaum. Aber sie wird in tieferen Lagen sicher zurückgedrängt. Sie müssen durch resistentere Pflanzen ersetzt werden.“ Tannen, Föhren, Lärchen etwa kämen mit den trockenen Böden besser zurecht, ebenfalls wie manche Laubbäume. Wichtig sei auch, dass die Wälder nicht zu dicht seien. Dadurch könnten mehr Farne und Gräser, die die Feuchtigkeit speichern, auf den Böden wachsen. Akut sei derzeit die Waldbrandgefahr. Und Lang hofft, dass sich die Borkenkäfer nicht zu stark ausbreiten.

„Viele Bäume leiden“

Zu tun hat auch Christian Möstl aus Untergreith bei Mitterdorf derzeit viel. Er hat sich auf die Baumpflege spezialisiert. „Viele Bäume leiden. Die Buchen, zum Beispiel, werden in den Kronen schon dürr“, merkt der Oststeirer. Wie man in den Wäldern auf die Trockenheit reagieren soll? „Nach und nach Bäume herausholen, die nicht so mit der Hitze zurechtkommen. Fichten werden sicher immer weniger.“

1 / 3
Christian Möstl, Baumpfleger aus Untergreith bei Mitterdorf an der Raab
Christian Möstl, Baumpfleger aus Untergreith bei Mitterdorf an der Raab © Privat

„Der Mensch hat ein Problem“

Das gilt auch für das Almenland. Auf der Teichalm macht sich Waltraud Leitner Sorgen um die Zukunft der Almwirtschaft, um die nächsten Generationen. Wobei sie auch betont: „Ich vertraue, dass es weiter geht. Der Mensch hat ja ein Urvertrauen.“ Und ihr Sohn, selbst Vater von zwei Töchtern (15 und 21 Jahre jung), ergänzt: „Der Natur tut diese Trockenheit nicht weh. Der Mensch hat ein Problem.“ Und weiter: „Heuer werden wohl wieder einige Bauern aufhören.“

Mehr dazu