Mit traditionellen Gerichten aus Afrika, Asien und Lateinamerika Gutes tun
Ein Kochbuch, das kulinarisches Fernweh weckt und gleichzeitig hilft: „Kochen verbindet – Zutaten für eine bessere Welt“ bringt Rezepte aus Afrika, Asien und Lateinamerika nach Österreich.

Die Welt zu retten ist kompliziert. Man braucht Geld, Geduld, politische Vernunft und vermutlich deutlich mehr Sitzungen, als einem lieb sein kann. Man kann aber auch mit Kichererbsen anfangen. Oder mit Tahin, Joghurt und einer erstaunlichen Menge Limettensaft. Das löst nicht sämtliche Probleme des Planeten, schmeckt aber hervorragend und ist zumindest ein Anfang.
Die Kindernothilfe Österreich feiert heuer ihren 30. Geburtstag und hat sich dafür kein klassisches Jubiläumsgeschenk mit Goldprägung und Gruppenfoto ausgedacht, sondern ein Kochbuch. „Kochen verbindet – Zutaten für eine bessere Welt“ heißt es. Die Idee dahinter ist angenehm einfach: Menschen aus Projekten und Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika schicken ihre Lieblingsrezepte nach Österreich. Wir kochen sie nach, lernen dabei etwas über ihre Heimat – und mit dem Kauf des Buches fließt Geld zurück in jene Projekte, aus denen die Gerichte stammen. Weil Sponsoren die Produktionskosten übernommen haben, kann der Erlös aus dem Buchverkauf direkt der Projektarbeit zugutekommen.

„Was kann Menschen über alle Sprachen hinweg verbinden?“, fragte sich Mag. Gottfried Mernyi, CEO der Kindernothilfe Österreich. Eine ziemlich brauchbare Antwort darauf lautet: Essen. Für das Buch wurden deshalb Partner in mittlerweile 33 Ländern gebeten, Rezepte beizusteuern. Nicht irgendwelche glattgebügelten International-Hotel-Buffet-Klassiker, sondern Gerichte von Menschen, die dort leben und arbeiten. Dazu erzählt das Buch von Projekten, etwa von Frauen-Selbsthilfegruppen in Uganda, von Bildung, Kinderrechten und dem Schutz vor Gewalt und Ausbeutung. Es geht also um mehr als darum, ob der Reis körnig wird.

Und vor allem geht es nicht darum, fremde Küchen aus sicherer Entfernung ehrfürchtig anzuschauen. Man soll sie kochen. Damit das nicht schon an einer Zutat scheitert, die ausschließlich mittwochs auf einem Markt 40 Kilometer südlich von Colombo erhältlich ist, wurden bewusst Rezepte ausgewählt, deren Zutaten auch bei uns aufzutreiben sind. Wo das schwierig wird, nennt das Buch Alternativen. Dazu gibt es Informationen über die Menschen hinter den Gerichten, Projekte und sogar kleine Videos. Aus einem Kochbuch wird damit eine kulinarische Weltreise, bei der man den Reisepass gegen einen Kochlöffel tauscht.

Ob das auch praktisch funktioniert? Chris Edlinger vom Grazer Eckstein hat für die Präsentation einige Gerichte nachgekocht. Sein Urteil ist für alle beruhigend, deren kulinarische Weltreise normalerweise beim Öffnen einer Kokosmilchdose endet: „Relativ easy.“ Man müsse bei Gewürzen und Produkten manchmal improvisieren, genau dafür seien aber Ersatzmöglichkeiten angegeben. Und sogar die Mengenangaben funktionieren. Wobei „dreieinhalb Tassen Mehl“ für österreichische Gramm-und-Dekagramm-Fundamentalisten zunächst ähnlich präzise klingt wie „ein bissl halt“. Edlinger sieht das entspannter: Wer kocht, merkt ohnehin, ob etwas zu dick oder zu flüssig wird. „Vom Nichts kommt nichts und man muss sich halt ein bisschen herantasten.“
Seine persönliche Überraschung kam aus dem Libanon: Kichererbsen, Tahin, Joghurt und Limette. Eigentlich vertrautes Terrain, bis das Rezept mit deutlich mehr Joghurt und Limettensaft daherkommt, als Edlinger selbst verwendet hätte. „Da hätte ich mich persönlich nicht drüber getraut.“ Gut, dass es jemand anderer getan hat. Das Ergebnis sei fruchtig, frisch, leicht und sommerlich. Genau darin liegt der Reiz dieses Buches: Man kocht nicht bloß andere Zutaten, sondern gelegentlich auch gegen die eigenen Gewohnheiten an. Plötzlich darf die Limette mehr sein als der pflichtbewusste Spritzer am Schluss.

Edlinger formuliert ohnehin den vielleicht besten Rat für die gesamte Unternehmung: „Beim Kochen geht es jetzt nicht grundsätzlich ums Können, sondern ums Trauen.“ Was soll schon passieren? Im schlimmsten Fall schmeckt etwas nicht so wie gedacht. Dann nimmt man beim nächsten Mal weniger davon, mehr hiervon oder lässt den Topf fünf Minuten länger stehen. Das nennt man Erfahrung. In manchen Küchen wird dafür bekanntlich sogar Eintritt verlangt.
„Zutaten für eine bessere Welt“ ist deshalb kein Kochbuch, das einem erklärt, wie man die Welt rettet. Zum Glück. Es zeigt vielmehr, wie viel man über Menschen erfahren kann, wenn man einmal isst, was sie essen. Man entdeckt neue Produkte, andere Säuren, Gewürze, Mengen und Kombinationen – und unterstützt dabei Projekte für Kinder und Jugendliche. Der eigene kulinarische Horizont wird größer, der gute Zweck gleich mitbedient. Weltverbesserung ist eben eine große Sache. Aber manchmal beginnt sie erstaunlich klein: mit einer Schüssel, einem Kochlöffel und etwas mehr Limettensaft, als man sich eigentlich getraut hätte.
Buchtipp
Einmal um die Welt, ohne die Küche zu verlassen: „Kochen verbindet – Zutaten für eine bessere Welt“ versammelt Lieblingsrezepte aus Projekten der Kindernothilfe in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Gerichte sind alltagstauglich, ungewöhnliche Zutaten werden mit Alternativen erklärt. Das Beste daran: Die Produktionskosten sind durch Sponsoren gedeckt, der Erlös aus dem Verkauf fließt direkt in die Projektarbeit der Kindernothilfe Österreich. Ein Kochbuch für neue Geschmackswelten – mit ziemlich gutem Nachgeschmack. Zutaten für eine bessere Welt, Echo medienhaus, 148 Seiten, 26 Euro.