Erst Leiche einbetoniert, dann eigene Entführung fingiert
Eine Woche nach seinem plötzlichen Verschwinden taucht ein Steirer bei der Polizei auf und behauptet, entführt worden zu sein. Was der Mann nicht sagt: Er hat buchstäblich eine Leiche im Keller.
Der Fall beginnt mit der vermeintlichen Entführung des 40-jährigen, bis dahin unauffälligen Obersteirers Georg (Name von der Redaktion geändert, Anm.). Georg ist geschieden und lebt mit seiner 17-jährigen Tochter in einem Haus am Land. Am Morgen nach einem gemeinsamen Fernsehabend ist er plötzlich spurlos verschwunden. Eine Woche lang dauert die fieberhafte aber erfolglose Suche – bis Georg, wieder völlig überraschend, bei der Polizei in Niederösterreich auftaucht.
Seine abenteuerliche Erklärung: Er sei von irgendwelchen Männern in einem Lieferwagen mit ungarischem Kennzeichen vor seinem Haus gekidnapped worden. Die Ermittler sind mehr als skeptisch. Es stellt sich heraus, dass er mit seinem Verschwinden für Polizeipräsenz in der Nähe seines Hauses sorgen wollte, weil er Angst um seine Tochter hatte. Um das zu verstehen, muss man wissen, was kurz vor Georgs „Entführung“ passiert ist.
Georg hat Kontakte ins Rotlichtmilieu und führt eine eigenartige Beziehung zu einer Prostituierten in Leoben. In deren Auftrag sollte er die 41-jährige Andrea B. in Ungarn abholen und nach Leoben bringen. Videoaufnahmen zeigen die beiden, wie sie gemeinsam ein Lokal verlassen und in Georgs Auto steigen. Doch sie kommen niemals in Leoben an.

Andrea B.s Famlilie ist besorgt über ihr Verschwinden und schaltet die Polizei ein. Als sie herausfanden, dass Andrea zuletzt bei Georg war, setzen sie den Steirer unter Druck – möglicherweise auch mit Drohungen gegen seine Tochter.
Unterdessen erhält ein österreichischer Polizist einen Hinweis aus Georgs Familie. In dessen Keller könnte etwas passiert sein. Tatsächlich: Die Leichenspürhunde schlagen an. Georg gesteht sofort, die Leiche von Andrea B. einbetoniert zu haben, „aus Panik“, wie er sagt.
Bei der Rückfahrt von Ungarn habe sie ihm eine Substanz gegeben, und er könne sich an nichts erinnern, was danach geschah. Erst am nächsten Tag sei er wieder klar im Kopf gewesen und habe die Frau tot aufgefunden. Weil er nicht wusste, ob er dafür verantwortlich ist und Angst vor den Konsequenzen hatte, entschloss er sich, die Leiche verschwinden zu lassen ...
Wie Andrea B. zu Tode gekommen ist, konnte nie restlos geklärt werden. Georg wurde „nur“ wegen Störung der Totenruhe und zwei anderer Delikte zu zehn Monaten bedingter Haft berurteilt.
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